Teuer und ohne Nutzen? Orthomol und andere Immunkuren schneiden im Test schlecht ab
VonJuliane Gutmann
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Sie versprechen gute Abwehrkräfte, die Grippe und Corona fernhalten: Immunkuren aus Drogerie oder Apotheke. Doch die Nahrungsergänzungsmittel können auch schaden.
Die Auswahl an vermeintlich immunstärkenden Nahrungsergänzungsmitteln ist riesig. Es gibt sie in Form von Pulvern, Brausetabletten und Kapseln – zum Teil enorm hochpreisig. In der Werbung werden sie als Schutzschilde gegen alle möglichen Krankheiten angepriesen. So sollen sie Covid-19, Erkältungen oder Grippe erst gar nicht ausbrechen lassen. Der beworbene Wirkmechanismus klingt plausibel: Die enthaltenen Nährstoffe stärken das Immunsystem, das Krankheitserreger wie Viren so besser bekämpfen kann. Doch was förderlich klingt, kann unsere Gesundheit in Wahrheit gefährden.
Allein der Versuch, die Abwehrkräfte zu stimulieren, sei kontraproduktiv, wird Professor Manfred Lutz von der Deutschen Apotheker Zeitung (DAZ) zitiert. Der Leiter der Arbeitsgruppe Immunregulation am Institut für Immunologie und Virologie der Uni Würzburg erklärt weiter, dass das Immunsystem bei gesunden Menschen ausgeglichen sei. Wer sich dennoch Immunstimulanzen in Form von Nahrungsergänzungsmitteln zuführt, der riskiere im schlimmsten Fall eine Überreaktion.
Kombi-Nahrungsergänzungsmittel können dem Körper schaden
Also in keinem Fall Nahrungsergänzungsmittel einnehmen, die eine Stärkung des Immunsystems versprechen? In Deutschland lautet die Antwortet „Ja“. Denn in vielen derartigen Produkten werden alle möglichen Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente zusammengemischt. Wie es in einem GEO-Beitrag heißt, ist eine Unterversorgung mit Nährstoffen bei normaler Ernährung in Ländern wie Deutschland aber höchst selten. Und selbst wenn ein Mangel vorliegt, sind Kombi-Präparate wie Orthomol Immun keine gute Lösung. Denn derartige Mikronährstoff-Cocktails machen eine Überdosierung einzelner Nährstoffe wahrscheinlicher.
Auch das Wirkversprechen von vermeintlich immunstärkenden Nahrungsergänzungsmitteln muss hinterfragt werden. Professor Ferdinand Gerlach, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin an der Goethe-Universität Frankfurt, erklärt im GEO-Interview, dass die von den Herstellern suggerierte Annahme, die spezielle Kombination mehrerer Stoffe brächte besondere Wirkungen, jeder Grundlage entbehrt.
Auch Ökotest hat sich in der Vergangenheit mit vermeintlich immunstärkenden Nahrungsergänzungsmitteln auseinandergesetzt. Getestet wurden neben Drogeriemarktpräparaten auch Mittel aus der Apotheke, zum Beispiel Orthomol Immun Pro, Unizink Immun Plus oder Wobenzym Immun Tabletten, so eine Information der Deutschen Apotheker Zeitung. Neben dem fehlenden Wirksamkeitsbeleg bescheinigte Ökotest den getesteten Produkten Deklarationsmängel und Überdosierungen, weshalb sie alle mit der Bewertung „ungenügend“ durchfielen.
Wie die DAZ Professor Manfred Schubert-Szilavecz von der Goethe-Universität Frankfurt am Main zitiert, gäbe es keine Daten, die belegen würden, dass die getesteten Mittel für gesunde Verbraucher einen grundsätzlichen Nutzen bringen, vor Erkältungen schützen oder das Immunsystem pushen – weder allein noch in Kombination.
Nahrungsergänzungsmittel: Welche 8 Vitamine und Mineralstoffe gefährlich sind bei Überdosierung
Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion nicht beantwortet werden.