Strenge Datenschutz-Verordnung

Kosten Facebook und Instagram bald Geld? Konzern Meta stellt Plan vor

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Der Datenschutz der EU ist streng – finden viele Techgiganten. Meta prüft wohl für Facebook und Instagram ein Abo-Modell, um diesen Schutz zu umgehen.

Menlo Park – Der Meta-Konzern würde gerne ein Abo-System einführen, das speziell auf die Europäische Union (EU) zugeschnitten ist. Das geht auch anonymen Quellen der New York Times hervor. EU-Nutzer sollen so werbefrei auf den Plattformen Facebook und Instagram unterwegs sein können. Das US-Unternehmen aus Menlo Park (Kalifornien) wolle aber weiterhin auch die werbefinanzierte Variante ihrer Social-Media-Plattformen beibehalten.

Laut den jüngsten Meta-Quartalszahlen machte der Konzern pro Facebook-User fast 18 Dollar Umsatz – und das nur mit Werbung. Ein Abo-System hätte also, neben den Nutzern, auch Auswirkungen auf Werbetreibende und den Wettbewerb an sich. Bislang wollte Meta keine Abos in seinem Geschäftsmodell für seine Plattformen einsetzen. Wann es mit den Abos losgeht und was sie die User kosten wird, sei noch ungewiss. Meta wollte sich zu den Gerüchten bislang nicht äußern.

Spielverderber Europäische Union? Tech-Riesen wie Meta erhalten Hürden durch Datenschutz

Sollten diese Informationen aber stimmen, wäre das nicht nur ein großer Schritt für Meta, auf andere Weise Kapital aus seinen Online-Angeboten herauszuholen. Es könnte auch eine Reaktion auf die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der EU von 2018 sein, glauben Marktforscher von Insider Intelligence. Mit der DSGVO sind in der Vergangenheit schon Plattformen angeeckt.

Der Facebook-Konzern Meta experimentiert nach dem Rückgang der Werbeeinnahmen mit einem Abo-Geschäftsmodell.

Denn auch andere Regeln, wie der Digital Services Act (DSA) und der Digital Markets Act (DMA) schützen bereits Nutzerdaten und sind den Plattformbetreibern gleichzeitig ein Dorn im Auge. Der DMA verhinderte die Einführung der neuen Meta App „Threads“, weil man die App nur mit einem Instagram-Konto nutzen kann. Eine Wiederverwertung von Daten, die mit einer anderen hauseigenen App gesammelt wurden, ist in der EU nicht zulässig. Eine Tatsache, die Elon Musk und X (ehemals Twitter) freuen dürfte. Der sieht in Threads eine starke Konkurrenz zu X und drohte bereits Meta wegen Betrügereien zu verklagen.

Die Alternative zu X ist derzeit in 100 Ländern in den App-Stores verfügbar – allerdings wegen des DMA noch nicht in der EU. Ein Problem für die Tech-Konzerne: Die Gesetzeslage beim Datenschutz variiert weltweit stark.

Marktforscher vermuten im Abo-Modell bei Facebook und Instagram Reaktion auf EU-Richtlinie

Insider Intelligence sieht in der möglichen Abo-Einführung von Meta den hohen Einfluss der EU auf globale Tech-Unternehmen. Meta könne hiermit weiteren hohen Bußgeldern aus dem Weg gehen und der Wettbewerb könne angekurbelt werden, weil Werbetreibende auch auf anderen Plattformen nach Zielgruppen suchen, wenn es bei Meta werbefreie Abos gibt.

Zudem gibt der Konzern damit ihren Nutzern eine Wahl: Facebook und Instagram mit (personalisierter) Werbung oder eben nicht. Vorwürfe, Meta zwinge seine User Werbung auf, die auf ihren bereitgestellten persönlichen Daten basiert, kursieren schon seit längerem. Ein werbefreies Angebot würde die „Regulierungsbehörden beruhigen“, lautet die Einschätzung der US-amerikanischen Marktforscher. (zy)

Rubriklistenbild: © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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