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Bis ein Online-Dienst auf 100 Millionen Nutzer kommt, vergehen meist Monate oder Jahre - wenn überhaupt. Mark Zuckerbergs Twitter-Kopie Threads schafft das in fünf Tagen.
Menlo Park / USA – Die Twitter-Alternative Threads vom Facebook-Konzern Meta hat schon kurz nach dem Start die Marke von 100 Millionen Nutzern geknackt. Andere Websites, die sich an der Zahl der Downloads der App orientieren, sahen die Schwelle sogar noch früher überschritten. Der bisherige Rekordhalter, die Anwendung ChatGPT für Künstliche Intelligenz (KI), benötigte für den Sprung über diese Marke etwa zwei Monate.
Ich kann nicht glauben, dass es nur fünf Tage waren.
Threads gilt als bisher größte Bedrohung für den von Tech-Milliardär Elon Musk gekauften Kurznachrichtendienst Twitter. Threads ist an Metas Foto- und Videoplattform Instagram angebunden – und das ist auch ein Grund für das explosive Nutzerwachstum. Denn hunderte Millionen Instagram-Nutzer können mit wenigen Klicks auch bei Threads aktiv sein.
Ziel von Zuckerberg: mehr als eine Milliarde Nutzer auf Threads
Zugleich macht der Erfolg der Kopie die Unzufriedenheit mit dem Wandel von Twitter unter Musk deutlich. Unter seiner Regie lockerte Twitter unter anderem die Maßnahmen gegen die Verbreitung von Falschinformationen und Verschwörungstheorien. Zuckerberg gab bereits das Ziel aus, Threads zu einer Plattform mit mehr als einer Milliarde Nutzern zu machen. Potenziell kann die App auf mehr als zwei Milliarden Nutzer kommen. So viele Personen nutzen Metas Fotoplattform Instagram, deren Zugangsdaten auch bei Threads funktionieren.
Das Ziel von Threads ist nicht, Twitter zu ersetzen.
Facebook und Instagram haben Twitter bei den Nutzerzahlen längst abgehängt. Der Kurznachrichtendienst meldete einst mehr als 300 Millionen Nutzer. Später wurde nur noch die Zahl der Nutzer genannt, die Twitter mit seiner Werbung erreicht – sie lag bei rund 230 Millionen. Seit der Übernahme durch Musk im vergangenen Oktober gibt es gar keine Nutzerzahlen mehr. Zugleich war die Bedeutung von Twitter stets groß, weil der Dienst von vielen Politikern wie Ex-Präsident Donald Trump genutzt wurde – und zahlreichen Journalisten als Informationsquelle diente.
Instagram-Chef: Threads soll Twitter nicht ersetzen
Instagram-Chef Adam Mosseri betonte zugleich: „Das Ziel von Threads ist nicht, Twitter zu ersetzen“. Man wolle viel mehr einen Ort auch für diejenigen schaffen, die sich nie auf Twitter eingelassen hätten – sowie die Nutzer, die einen „Ort für Unterhaltungen mit weniger Wut“ suchten, schrieb er bei Threads am Wochenende. Mosseri machte deutlich, dass Meta keine Ambitionen habe, Threads zu einer Plattform für Politik oder News zu machen. Beiträge dazu würden zwar unvermeidbar bei dem Dienst auftauchen – „aber wir werden nichts unternehmen, um diese Themenbereiche zu fördern“. Mit Sport, Musik, Mode und Unterhaltung gebe es genug andere Themen für eine lebendige Plattform, schrieb Mosseri.
Elon Musk will Meta wegen Threads verklagen
Musk droht Meta bereits mit einer Klage wegen Threads und wirft dem US-Konzern vor, durch die Anwerbung ehemaliger Twitter-Mitarbeiter „Betriebsgeheimnisse und anderes geistiges Eigentum“ veruntreut zu haben. Meta weist das zurück.
Threads ging in der Nacht zum Donnerstag in den USA und mehr als 100 weiteren Ländern an den Start. In der Europäischen Union ist Threads vorerst nicht verfügbar. Der Konzern verweist auf rechtliche Unklarheiten und dürfte damit die Folgen der Digitalgesetze Digital Markets Act und Digital Services Act meinen. (yalu mit Agenturen)
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