Demenz abwenden: Ist man selbst verantwortlich für Alzheimer-Risiko?
VonLaura Knops
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Judith Braun
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Die Lancet-Kommission offenbart überraschende Gefahren für Demenz. Ein gesunder Lebenswandel könnte Erkrankung verhindern.
Die Diagnose einer Demenzerkrankung ist nicht nur für die Patienten selbst, sondern auch für ihre Familienmitglieder ein schwerer Schlag. In Deutschland leiden etwa 1,8 Millionen Menschen an Alzheimer oder einer anderen Form von Demenz, und die Behandlungsmöglichkeiten sind nach wie vor begrenzt. Eine Heilung gibt es bislang nicht. Obwohl die genauen Ursachen von Demenz Gegenstand intensiver Forschung sind, ist es inzwischen unbestreitbar, dass sowohl der Lebensstil als auch die genetische Veranlagung eine entscheidende Rolle spielen. Aber ist man wirklich selbst schuld, wenn man von dieser schrecklichen Krankheit betroffen ist?
Laut einem aktuellen Bericht der Lancet-Kommission kann das Schicksal der Demenz in vielen Fällen vermieden werden. Die „Lancet Commission on dementia prevention, intervention, and care“ ist ein internationales Forschungsteam, das in seinen Berichten den neuesten Stand der Demenzforschung zusammenfasst. Nach Ansicht der Wissenschaftler könnten etwa 45 Prozent aller Demenzfälle verhindert oder zumindest verzögert werden. 14 Risikofaktoren tragen laut dem internationalen Forschungsteam zur Entstehung von Demenz bei.
Viele der Risikofaktoren sind bereits bekannt: Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel, Bluthochdruck und Alkoholkonsum schädigen die Blutgefäße und damit auch das Gehirn. Ein gesunder Lebensstil kann daher die Chancen auf Demenz erheblich verringern: Kein Tabak, mäßiger Alkoholkonsum und regelmäßige Bewegung. Eine gesunde Ernährung mit viel Obst und Gemüse, Fisch und wenig Fast Food versorgt das Gehirn mit ausreichend Nährstoffen. Neu in diesem Jahr ist der LDL-Cholesterinwert, der den Blutfettwert angibt. Wenn dieser Wert dauerhaft zu hoch ist, können sich Ablagerungen in den Blutgefäßen bilden. Cholesterinblocker können daher nicht nur das Herz, sondern auch das Gehirn schützen.
Erste Anzeichen von Demenz: Elf Symptome können auf die Erkrankung hindeuten
Schwerhörigkeit und Sehschwäche als neue Risikofaktoren erkannt
Laut dem Lancet-Bericht ist Schwerhörigkeit ein weiterer Faktor, der die Entstehung und den Verlauf von Demenz beeinflusst. Schon im Bericht von 2020 wurden unbehandelte Schwerhörigkeit und Sehschwäche als die schwerwiegendsten aller Risikofaktoren identifiziert. Menschen mit Schwerhörigkeit haben laut der Welt eine doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit, Demenz zu entwickeln, als Menschen mit gutem Gehör. Eine Sehschwäche kann zudem das soziale Leben der Betroffenen einschränken und so zu Einsamkeit und Depressionen führen. Die Forscher fordern daher umfassende Hör- und Sehtests für alle, um die Zahl der Demenzerkrankungen zu reduzieren.