Neue Risikofaktoren identifiziert

Demenz abwenden: Ist man selbst verantwortlich für Alzheimer-Risiko?

  • schließen
  • Judith Braun
    Judith Braun
    schließen

Die Lancet-Kommission offenbart überraschende Gefahren für Demenz. Ein gesunder Lebenswandel könnte Erkrankung verhindern.

Die Diagnose einer Demenzerkrankung ist nicht nur für die Patienten selbst, sondern auch für ihre Familienmitglieder ein schwerer Schlag. In Deutschland leiden etwa 1,8 Millionen Menschen an Alzheimer oder einer anderen Form von Demenz, und die Behandlungsmöglichkeiten sind nach wie vor begrenzt. Eine Heilung gibt es bislang nicht. Obwohl die genauen Ursachen von Demenz Gegenstand intensiver Forschung sind, ist es inzwischen unbestreitbar, dass sowohl der Lebensstil als auch die genetische Veranlagung eine entscheidende Rolle spielen. Aber ist man wirklich selbst schuld, wenn man von dieser schrecklichen Krankheit betroffen ist?

Nichts verpassen: Alles rund ums Thema Gesundheit finden Sie im regelmäßigen Newsletter unserer Gesundheitsexperten von 24vita.de.

Alzheimer und Demenz: Hoher Cholesterinspiegel als neuer Risikofaktor identifiziert

Ein gesunder Lebensstil kann das Risiko für Demenz senken.

Laut einem aktuellen Bericht der Lancet-Kommission kann das Schicksal der Demenz in vielen Fällen vermieden werden. Die „Lancet Commission on dementia prevention, intervention, and care“ ist ein internationales Forschungsteam, das in seinen Berichten den neuesten Stand der Demenzforschung zusammenfasst. Nach Ansicht der Wissenschaftler könnten etwa 45 Prozent aller Demenzfälle verhindert oder zumindest verzögert werden. 14 Risikofaktoren tragen laut dem internationalen Forschungsteam zur Entstehung von Demenz bei.

Viele der Risikofaktoren sind bereits bekannt: Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel, Bluthochdruck und Alkoholkonsum schädigen die Blutgefäße und damit auch das Gehirn. Ein gesunder Lebensstil kann daher die Chancen auf Demenz erheblich verringern: Kein Tabak, mäßiger Alkoholkonsum und regelmäßige Bewegung. Eine gesunde Ernährung mit viel Obst und Gemüse, Fisch und wenig Fast Food versorgt das Gehirn mit ausreichend Nährstoffen. Neu in diesem Jahr ist der LDL-Cholesterinwert, der den Blutfettwert angibt. Wenn dieser Wert dauerhaft zu hoch ist, können sich Ablagerungen in den Blutgefäßen bilden. Cholesterinblocker können daher nicht nur das Herz, sondern auch das Gehirn schützen.

Erste Anzeichen von Demenz: Elf Symptome können auf die Erkrankung hindeuten

Mann schläft in Bett
Schon Jahre zuvor kann ein gestörter Schlaf mit intensiven Träumen auf eine spätere Demenz-Erkrankung hindeuten. Laut Ergebnissen einer kanadischen Studie soll die sogenannte REM-Schlaf-Verhaltensstörung ein Warnzeichen für Gehirnerkrankungen sein, die ca. 15 Jahre später auftreten. Menschen, die heftig träumen und dabei um sich schlagen oder treten, sollen ein 80 bis 100 Prozent höheres Risiko haben, eine neurodegenerative Erkrankung wie Demenz oder Parkinson zu entwickeln. © Monkeybusiness/IMAGO
Verschwommene Frau am Tisch
Wahrnehmungsstörungen bis hin zu Halluzinationen sind auch als Frühsymptom bei einer Demenz möglich, insbesondere bei der Lewy-Körper-Demenz. Vielen Betroffenen fällt es schwer, Bilder, Farben, Kontraste zu erkennen und räumliche Dimensionen zu erfassen. Auch das Wiedererkennen von vertrauten Gesichtern kann dadurch beeinträchtigt sein. Betroffene sehen beispielsweise in einer fremden Person plötzlich die eigene Mutter. Laut Ärztezeitung zeigen Studien mit Alzheimerpatienten, dass etwa ein Drittel der Betroffenen Wahnvorstellungen entwickelt, etwa ein Sechstel ausgeprägte Halluzinationen. © weedezign/Imago
Person macht sich Notizen
Vergesslichkeit und Unaufmerksamkeit zählen zu den typischen Symptomen, die Betroffenen und auch Angehörigen durch eine beginnende Demenz auffallen. Betroffene können sich gefühlt plötzlich wichtige Termine nicht mehr merken, müssen ihren Alltag mithilfe von Gedächtnisstützen und Erinnerungsnotizen organisieren. Sie verpassen es, den Herd abzuschalten, lassen den Schlüssel in der Haustür nach dem Aufsperren stecken, verlegen Gegenstände – auch da sie diese plötzlich an ungewöhnlichen, abwegigen Orten verräumen. Zudem zeigen Betroffene Schwierigkeiten, bekannten Gesichtern die Namen zuzuordnen. Normale kognitive Veränderungen unterscheiden sich zur Vergesslichkeit in Zusammenhang mit einer angehenden Demenz dahingehend, dass Namen oder Verabredungen zwar kurzfristig vergessen, aber später häufig wieder erinnert werden, so die „Alzheimer Forschung Initiative e. V.“ © Ute Grabowsky/photothek.net/Imago
Älteres Paar
Demenz macht sich durch eine zunehmende Verwirrung bemerkbar, die sich in einem gestörten Urteilsvermögen zeigt. Die Kleidung wird nicht mehr dem Wetter entsprechend gewählt, Betroffene möchten plötzlich beispielsweise Winterstiefel oder eine Mütze an warmen Tagen tragen, wie es das Portal „Neurologen und Psychiater im Netz“ beschreibt. © Panthermedia/Imago
Mann stützt seinen Kopf
Depression und Demenz beeinflussen einander. Wer unter Depression leidet, hat ein um bis zu sechsfach erhöhtes Risiko, eine Demenz zu entwickeln. Umgekehrt sind auch Menschen mit Demenz um bis zu 50 Prozent eher von depressiven Phasen betroffen, begleitet von Schlafstörungen und abnehmendem Appetit. © imagebroker/theissen/Imago
Mann reagiert aggressiv
Persönlichkeitsveränderungen mit gereizter Stimmung und aggressivem Verhalten können ebenfalls eine beginnende Demenz ankündigen: Bisher sanftmütige Menschen zeigen plötzlich starke Stimmungsschwankungen ohne erkennbaren Grund, reagieren übertrieben, aufbrausend, feindselig, selbst vertrauten Menschen gegenüber. Meist sind es die Angehörigen, denen die Wesensveränderungen auffallen und die den Verdacht einer Demenz äußern. © marcus/Imago
Frau riecht an einem blühenden Ast eines Baumes im Frühling
Ähnlich wie bei Parkinson kann es durch eine sich entwickelnde Demenz zum Verlust des Geruchssinns und daran gekoppelt ein vermindertes Geschmacksempfinden kommen. Können ältere Menschen plötzlich nicht mehr riechen, kann dies auf eine künftige Demenz hindeuten, wie eine Studie der Mayo-Klinik in Rochester unter der Leitung von Dr. Rosebud Roberts nachweisen konnte. © imageBROKER/Manuel Kamuf/Imago
Ältere Frau am Telefon
Menschen, die eine Demenz entwickeln, fällt es zusehends schwer, einer Unterhaltung zu folgen und aktiv an einem Gespräch teilzunehmen, wie es die „Alzheimer Forschung Initiative e. V.“ schildert. Betroffene verlieren im Gespräch häufig gedanklich den Faden, wiederholen Sätze, zeigen Wortfindungsschwierigkeiten und verwenden unpassende Füllwörter. © edbockstock/Imago
Mann sitzt am Bettrand
An Demenz erkrankte Menschen leiden häufig an Schlafstörungen und Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus. Die „innere Uhr“ wird durch die absterbenden Nervenzellen im Gehirn beeinträchtigt. Betroffene können häufig abends nicht einschlafen, sind nachts sehr unruhig, irren zum Teil umher. © Monkeybusiness/Imago
Mann in Fußgängerzone
Menschen, die an Demenz erkranken, finden sich an neuen und selbst gewohnten Orten schwerer zurecht, entwickeln räumliche und zeitliche Orientierungsprobleme. Orte oder Zeitabstände können nicht mehr eingeordnet werden. Betroffene vergessen zum Beispiel das Jahr und die Jahreszeit, können die Uhrzeit nicht mehr lesen, wissen nicht mehr, wie ihr Heimweg ist. © Westend61/Imago
Ältere Dame mit Rechenmaschine
Menschen, die eine Demenz entwickeln, zeigen zunehmend kognitive Schwierigkeiten. Die „Alzheimer Forschung Initiative e. V.“ fasst zusammen, dass Demente komplexere Aufgaben, wie das Berechnen des Wechselgeldes, das Ausfüllen von Formularen sowie Lesen von Rezepten, schwerfällt. Betroffene bemerken selbst häufig, dass sie sich schlechter konzentrieren können und für vieles mehr Zeit als zuvor benötigen. © Joseffson/Imago

Schwerhörigkeit und Sehschwäche als neue Risikofaktoren erkannt

Laut dem Lancet-Bericht ist Schwerhörigkeit ein weiterer Faktor, der die Entstehung und den Verlauf von Demenz beeinflusst. Schon im Bericht von 2020 wurden unbehandelte Schwerhörigkeit und Sehschwäche als die schwerwiegendsten aller Risikofaktoren identifiziert. Menschen mit Schwerhörigkeit haben laut der Welt eine doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit, Demenz zu entwickeln, als Menschen mit gutem Gehör. Eine Sehschwäche kann zudem das soziale Leben der Betroffenen einschränken und so zu Einsamkeit und Depressionen führen. Die Forscher fordern daher umfassende Hör- und Sehtests für alle, um die Zahl der Demenzerkrankungen zu reduzieren.

Rubriklistenbild: © Panthermedia/IMAGO

Kommentare