Tropenkrankheit Dengue: Laut Experten ein wachsendes Gesundheitsproblem
VonLaura Knops
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Immer wieder kommt es zu Dengue-Ausbrüchen in europäischen Ländern. Fachleute fordern daher neue Impfstoffe und eine Sensibilisierung des medizinischen Personals.
Weltweit kommt es derzeit vermehrt zu Dengue-Fieber-Ausbrüchen. In Guatemala rief die Regierung aufgrund der Fiebererkrankung nun den Gesundheitsnotstand aus. In Bangladesch und Indien wurde der Dengue-Virus bereits als endemisch eingestuft. Während Länder in Lateinamerika, Asien und dem pazifischen Raum bisher am stärksten betroffen sind, kommt das Dengue-Fieber auch in Europa immer häufiger vor. Jüngst kam es zu einigen Dengue-Fällen am Gardasee. Das Besondere dort: Laut europäischer Seuchenbehörde „European Centre for Disease Prevention and Control“ (ECDC) ist dieses „Lombardei-Cluster“ lokal entstanden. Aktuell schätzt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Zahl der jährlichen Dengue-Infektionen auf etwa 100 bis 400 Millionen.
Auch klimatische Veränderungen begünstigen laut dem Experten Dr. Sebastian Ulbert, Abteilungsleiter Impfstoffe und Infektionsmodelle am Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie (IZI) in Leipzig, die Verbreitung des Erregers. So kommt es in den letzten Jahren immer häufiger zu Dengue-Ausbrüchen in bisher verschonten Gebieten. „Es wird wärmer und feuchter, die Mückendichte steigt. Die Menschen leben enger beieinander, was eine Übertragung durch die Insekten erleichtert. Aedes-Mücken, die Dengue übertragen können, gibt es bei uns auch schon. Und Reiserückkehrer bringen das Virus auch hin und wieder mit“, erklärt Dr. Sebastian Ulbert gegenüber dem Science Media Center.
Längere Hitzeperioden begünstigen dabei nicht nur die Ausbreitung der übertragenden Mücken. Das krankmachende Virus kann durch die höheren Temperaturen auch deutlich länger in den Mücken zirkulieren. „Erst wenn es über längere Zeit warm ist, also mit Temperaturen um die 30 Grad und warmen Nächten, können die Viren länger in den Mücken zirkulieren und bei einem Stich dann auch eher auf den Menschen übertragen werden. Dann kann ein Infizierter über die Mücke, die ihn sticht, mehrere andere Menschen anstecken. Auf Madeira gab es 2012 solch einen Fall, bei dem das Virus durch Reisende eingeschleppt wurde und es zu einem Ausbruch mit 2000 Fällen kam“, so Dr. Sebastian Ulbert.
Dengue-Fieber: Bisher keine passende Therapie
Die Symptome des von Mücken übertragenen Dengue-Virus, das zur gleichnamigen Fiebererkrankung führen kann, reichen von mildem Fieber bis hin zu schweren Erkrankungen, die lebensbedrohlich sein können. Zu den häufigsten Anzeichen gehören hohes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Hautausschlag. Bei seltenen und besonders schweren Verläufen kann es zu Blutungen und Organversagen kommen, welche sogar zum Tod führen können.
Problematisch sehen Experten auch, dass es bisher keine spezifische antivirale Behandlung gegen Dengue gibt. „Dengue ist keine harmlose Virusinfektion. Kleine Kinder sind vor allem gefährdet. Natürlich kann man Patienten in guten Gesundheitssystemen wie bei uns besser stabilisieren, doch insbesondere bei den seltenen schweren Fällen von Dengue-Fieber kann man wenig machen. Deswegen ist Dengue auch für uns eine sehr gefährliche Krankheit“, erklärt Dr. Sebastian Ulbert.
Zugelassen sind derweil zwei Impfstoffe. Der erste – Dengvaxia von Sanofi – ist aufgrund von Komplikationen bei Gesunden, die noch nicht infiziert waren, mittlerweile jedoch auf Personen im Alter von 9 bis 45 Jahren beschränkt, die in einem Endemiegebiet leben und zuvor bereits eine Dengue-Infektion durchgemacht haben. Der zweite – Qdenga von Takeda – wurde erst im Dezember 2022 durch die EU-Kommission zugelassen; er wirkt breiter als Dengvaxia und führt auch zu weniger Nebenwirkungen.
Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion leider nicht beantwortet werden.