VonJudith Braunschließen
Frauen, die in ihrer Jugend die Pille nehmen, sollen ein erhöhtes Risiko für Depressionen haben. Dieses soll auch nach dem Absetzen bestehen bleiben.
In Deutschland sind laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) über vier Millionen Menschen von Depressionen betroffen. Frauen leiden dabei doppelt so häufig unter einer Depression wie Männer. Dies kann verschiedene Gründe haben. Bei Männern zeigt sich die psychische Krankheit beispielsweise nicht immer durch die typischen Symptome und wird daher häufig nicht gleich erkannt. Immer wieder zeigen Studien auch einen Zusammenhang zwischen der Einnahme der Antibabypille und einem erhöhten Risiko für Depressionen. Forscher der Universität Uppsala legen nun in ihrer Arbeit nahe, dass vor allem die Einnahme in der Jugend das Risiko steigern kann.
Depressionen: Risiko kann sich durch Einnahme von Antibabypille erhöhen – und bleibt trotz Absetzen bestehen
Für ihre im Fachmagazin Epidemiology and Psychiatric Sciences veröffentlichte Studie untersuchte das Forschungsteam um Therese Johansson von der Universität Uppsala Daten von rund 264.600 Frauen aus der britischen Biobank. Die Wissenschaftler interessierte der Zusammenhang zwischen dem Depressionsrisiko und dem Beginn der Anwendung oraler Kontrazeptiva. Dabei handelt es sich um hochwirksame Medikamente, die einen zuverlässigen empfängnisverhütenden Schutz gewährleisten – umgangsprachlich werden sie auch die „Pille“ genannt. In der Studie handelte es sich um kombinierte Pillen mit Gestagen (synthetisch hergestelle Hormone) und Östrogen. Zudem untersuchte Johansson und ihr Team mögliche Effekte auf das lebenslange Risiko.
Die Ergebnisse der Studie zeigten in den ersten zwei Jahren der Einnahme des Verhütungsmittels ein um 71 Prozent erhöhtes Risiko für Depressionen im Vergleich zu Frauen, die sie nie eingenommen hatten. Zwar war der Effekt nach diesen ersten beiden Jahren nicht mehr ganz so stark. Dennoch war die Anwendung noch mit einem signifikant um fünf Prozent erhöhten Depressionsrisiko verbunden. Bei den Teilnehmerinnen, die in ihrer Jugend mit der Pille verhütet hatten, war das Risiko für Depressionen nach dem Absetzen sogar um 18 Prozent erhöht – im Gegensatz zu Frauen, die erst später die Pille nahmen und dann wieder absetzten. Sie hatten kein gesteigertes Risiko.
Analyse mit Geschwisterpaaren legt Kausalität nahe
Die Forscher erstellten im Rahmen der Studie außerdem eine Analyse mit 7.400 Geschwisterpaaren. Da es sich bei den Daten nämlich um Beobachtungen handelte, konnte nicht auf einen kausalen Zusammenhang geschlossen werden. Die Analyse bei den Geschwisterpaaren (bei denen jeweils eine Schwester hormonell verhütet hatte und die andere nicht) lässt jedoch die Annahme einer vorliegenden Kausalität zu. Studienleiterin Johansson betont allerdings, dass die meisten Frauen Verhütungspillen gut vertragen und keine negativen Auswirkungen auf die Psyche verspüren. Dies mache die Pille für viele Frauen zu einer guten Option. Dennoch sollten Frauen, die mit der Pille verhüten, über mögliche Risiken aufgeklärt werden, um den Nutzen schließlich abwägen zu können. Außerdem könnten zukünftige Studien die Mechanismen hinter den beobachteten Zusammenhängen genauer untersuchen.
Depression: Mit zehn Lebensmitteln die Psyche stabilisieren




Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion leider nicht beantwortet werden.
Rubriklistenbild: © Monkey Business 2/IMAGO

