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Fehlzeiten aufgrund psychischer Krankheiten sind 2023 gestiegen: Welche Routinen der Depression vorbeugen

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Im 1. Halbjahr 2023 meldeten sich bereits fast so viele Arbeitnehmer wegen psychischer Leiden krank wie im gesamten letzten Jahr. Welche Gründe dahinter stecken.

Eine aktuelle Veröffentlichung der Kaufmännischen Krankenkasse KKH zeigt eine besorgniserregende Tendenz. So seien die Fehlzeiten wegen seelischer Leiden vom ersten Halbjahr 2022 auf das erste Halbjahr 2023 um 85 Prozent gestiegen – so stark wie nie in der jüngeren Vergangenheit. Weiter heißt es in einer Pressemitteilung der KKH, dass bis Ende Juni 2023 303 Ausfalltage aufgrund psychischer Beschwerden auf 100 KKH-Mitglieder entfielen. Im gesamten Jahr 2022 registrierte die KKH 339 Fehltage pro 100 Mitglieder aufgrund von Depressionen, Anpassungsstörungen, Angststörungen und anderen Erkrankungen der Psyche.

„Diese Entwicklung ist alarmierend, denn wir haben schon jetzt fast das Niveau des gesamten Jahres 2022 erreicht“, so KKH-Arbeitspsychologin Antje Judick: „Mit Blick auf die Jahre zuvor liegen wir sogar schon über dem Durchschnitt.“ Vor 2022 ermittelte die KKH niedrigere Werte. So waren es im Jahr 2019 rund 274 Ausfalltage bei 100 KKH-Mitgliedern.

Stress im Arbeitsalltag als größte Belastung

Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig. Immer höherer Druck und damit verbundener Stress in vielen Branchen, aber auch die Weltlage spielen eine tragende Rolle. Im Rahmen einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts forsa, die die KKH in Auftrag gegeben hat, wird klar, welche Themen die Menschen besonders belasten.

Wer aus einem mentalen Tief nicht mehr herauskommt, läuft Gefahr, eine Depression zu entwickeln.

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Folgende Bereiche wurden von den Befragten als größte Stressfaktoren eingestuft:

  • Ausbildung/Beruf und zunehmender Stresspegel in der Arbeit
  • Politische und gesellschaftliche Themen wie Klimawandel
  • Inflation und finanzielle Sorgen
  • Hohe Ansprüche an sich selbst
  • Ständige Erreichbarkeit über Smartphone und soziale Netzwerke

Fast zwei Drittel der 1.004 befragten Personen gaben an, dass sie sich unter Stress erschöpft und ausgebrannt fühlen würden. Jeder Dritte leidet infolge an depressiven Verstimmungen oder Depressionen. Außerdem berichtet jeder sechste Berufstätige über stressbedingte Angstzustände.

Depressionen vorbeugen mit Bewegung, Entspannung und sozialen Kontakten

Eine Depression ist eine Krankheit, die jeden treffen kann. Doch man kann vorbeugend aktiv werden. Die Krankenkasse AOK gibt Tipps, die Ihre innere Kraft fördern und so das Risiko für Depression und depressive Verstimmung senken:

  • Treiben Sie regelmäßig Sport und bewegen Sie sich, so oft es geht. Das setzt Glückshormone frei und baut Stresshormone ab.
  • Etablieren Sie Entspannungsroutinen wie tägliche Yoga-Übungen, Autogenes Training oder Lesepausen.
  • Ernähren Sie sich ausgewogen.
  • Meiden Sie Alkohol, Nikotin und koffeinhaltige Getränke.
  • Schlafen Sie ausreichend viel.
  • Pflegen Sie Ihr soziales Netz und sorgen Sie für positive Begegnungen, etwa im Rahmen eines Koch- oder Malkurses.
  • Folgen Sie Ihrer inneren biologischen Uhr. Morgenmenschen sollten etwa die Nacht nicht zum Tag machen.

Depression bis Alkoholsucht: Die häufigsten psychischen Krankheiten im Überblick – Jeder dritte ist betroffen

Eine Frau hält ein gefülltes Sektglas in ihrer Hand.
Alkoholsucht zählt zu den am dritthäufigsten diagnostizierten psychischen Leiden. Mit der Medikamentenabhängigkeit zusammen entfallen 5,7 Prozent der Diagnosen auf die Alkoholabhängigkeit. Etwa jeder siebte Erwachsene trinkt Alkohol in gesundheitlich riskanten Mengen. Damit ist Alkohol nach Nikotin das häufigste Suchtmittel in Deutschland, so die Bundes Psychotherapeuten Kammer. 1,8 Millionen Menschen gelten als alkoholabhängig, weitere 1,6 Millionen trinken Alkohol in schädlichen Mengen, heißt es weiter. (Symbolbild) © Bode/Imago
Medikamentensucht bei Senioren
Neben der Alkoholsucht zählt die Medikamenten-Abhängigkeit zu den am dritthäufigsten verbreiteten psychischen Erkrankungen in Deutschland.  © Jens Kalaene/dpa
Frau schaut aus Fenster
Die sogenannten affektiven Störungen zählen zu den psychischen Erkrankungen, die am zweithäufigsten in Deutschland vorkommen. Die Depression ist wohl der bekannteste Vertreter aus dieser Gruppe. Der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. (dgppn) zufolge, entfallen fast 10 Prozent der Diagnosen auf diese Krankheitsgruppe. Alleine 8,2 Prozent sind von einer unipolaren Depression betroffen. Depressionen gehören damit zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Rund 16 Prozent der Bevölkerung leiden mindestens einmal in ihrem Leben an einer depressiven Störung, innerhalb eines Jahres sind es ungefähr 8 Prozent, informiert die Bundes Psychotherapeuten Kammer. (Symbolbild) © Fabian Sommer/dpa
Junge Frau vor dem Schrankspiegel
Angststörungen sind am weitesten verbreitet. Der dgppn zufolge entfallen 15,4 der Diagnosen auf Angststörungen wie Panikattacken, Angst vor weiten Plätzen etc. Bei Betroffenen ist das Angstgefühl so übermächtig, dass es den Alltag immens einschränkt. Beschwerden wie Herzrasen, Schwitzen und Zittern zählen zu den Symptomen einer Angststörung. (Symbolbild) © Imago
Frau mit Maßband in der Hand
Essstörungen wie Bulimie oder Magersucht sind zwar insgesamt gesehen weniger weit verbreitet als oben genannte Krankheiten. Doch in der weiblichen Bevölkerung zwischen Pubertät und dem 30. Lebensjahr gehören die Essstörungen zu den häufigen psychischen Erkrankungen, informiert die Bundes Psychotherapeuten Kammer. Etwa ein Prozent der Frauen erkrankt während ihres Lebens an einer Magersucht, rund zwei Prozent leiden im Laufe ihres Lebens an einer Bulimie. (Symbolbild) © Sergiy Tryapitsyn/Imago

Sie sind depressiv? Bei der Telefon-Seelsorge bekommen Sie rund um die Uhr Hilfe – an jedem Tag im Jahr: Rufen Sie 0800 1110111 oder 0800 1110222 an. Der Anruf ist kostenfrei. Ihre Telefonnummer wird nicht übertragen und Sie müssen Ihren Namen nicht sagen. Das Gespräch dauert so lange wie nötig.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion leider nicht beantwortet werden.

Rubriklistenbild: © Rolf Kremming/Imago

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