Gefährlicher Rausch

Dringender Rückruf von Fruchtgummis: Experten warnen vor Vergiftung – Sogar tödliche Folgen möglich

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Der Verbraucherschutz warnt vor Gummibärchen, die den psychoaktiven Stoff Muscimol enthalten. Hinter den Fruchtgummis steckt ein gefährlicher Trend.

Kassel – Es ist schon der zweite Rückruf binnen weniger Wochen. Erneut warnt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) vor Gummibärchen. Mit den süßen Snacks von Haribo oder Katjes haben diese Fruchtgummis jedoch absolut nichts zu tun – auch wenn sie so ähnlich aussehen. Die Süßigkeit ist mit dem Stoff Muscimol versetzt und kann im schlimmsten Fall sogar zu einer tödlichen Vergiftung führen.

„Tiefgreifender Einfluss auf die Psyche“: Bundesamt warnt vor Gummibärchen

Muscimol ist ein psychoaktiver Giftstoff, wie das BVL auf seiner Info-Seite lebensmittelwarnung.de erklärt. Gewonnen wird er aus dem Fleisch des getrockneten Fliegenpilzes. Bei oraler Einnahme kann eine dem Alkohol ähnlicher Wirkung eintreten, heißt es weiter. Die Gummibärchen, meist „Magic Gummis“ genannt, entwickeln sich zu einem gefährlichen Trend.

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit warnt vor diesen Gummibärchen. Sie enthalten einen Wirkstoff, der gefährliche Halluzinationen hervorruft.

Zu kaufen gibt es sie in der Regel im Onlinehandel, wo ihre „entspannende“ oder „beruhigende Wirkung“ beworben wird. Laut der Deutschen Apothekerzeitung kann Muscimol im besten Fall einen angenehmen Rausch und ein Gefühl der Euphorie und Schwerelosigkeit auslösen. Allerdings kommt es beim Umgang mit dem Stoff auch sehr schnell zu beängstigenden Halluzinationen und Vergiftung. Die Wirkung setzt etwa 30 Minuten bis zwei Stunden nach Einnahme ein und kann vier bis acht Stunden anhalten.

Laut BVL kann Muscimol „tiefgreifend die Psyche“ beeinflussen. Das Bundesamt warnte deshalb bereits im Sommer vor solchen Gummibärchen. Jetzt ruft das Bundesamt erneut Muscimol-Gummibärchen zurück. Erneut handelt es sich um einen Zweierpack zu je 5 Milligramm Muscimol, die unter dem Namen „Mind & Soul Muscimol Candy“ sowohl online als auch an einem Kiosk im hessischen Wetzlar verkauft wurden.

Hier noch einmal alle Informationen zum Rückruf im Überblick:

ProduktMuscimol-Gummibärchen
NameMind & Soul Muscimol Candy
Hersteller / InverkehrbringerCBD-Express / Kiosk Wetzlar in der Elisabethenstraße 3
Verpackungseinheit2 Gummibärchen pro Packung (je 5 Milligramm)

Fall in Hessen zeigt: Kann zu Vergiftung führen – auch tödliche Folgen nicht ausgeschlossen

Die Gummibärchen seien gesundheitsschädigend und besonders für Kinder gefährlich, die das Produkt für normale Süßigkeiten halten könnten, warnt das Bundesamt. Doch auch für ältere Menschen und chronisch Erkrankte kann der Stoff gefährlich sein. Zwar ist die Verpackung mit dem Hinweis versehen, dass der Konsum nicht empfohlen wird. Fälle aus der jüngeren Vergangenheit zeigen aber, welche Anziehung das Produkt besonders auf Jüngere haben kann.

Was die Gummibärchen anrichten können, zeigt etwa ein Fall in der Wetterau, rund 30 Autominuten von Wetzlar. Wie der Hessische Rundfunk berichtet, wurde erst Mitte Oktober ein Mann mit schweren Vergiftungserscheinungen in ein Krankenhaus eingeliefert, nachdem er Muscimol-Gummibärchen gegessen hatte. Besonders besorgniserregend: die Gummibärchen hatte er an einem Süßigkeiten-Automaten gezogen.

Anzeichen einer Vergiftung sind laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA):

  • Übelkeit
  • Erbrechen und Durchfälle
  • Schwindel
  • vermehrter Speichelfluss
  • Muskelzucken (Ataxie)
  • Psychosen

Ein absackender Kreislauf könne ebenfalls auf eine Muscimol-Vergiftung hinweisen. „Bei einer größeren Menge kommt es zu Muskelzuckungen, Verwirrtheit, Bauchschmerzen und Erregungszuständen, die bis zur Bewusstlosigkeit oder Koma führen könnten“, erklärt die BZgA. Raumwahrnehmung und Zeitgefühl seien gestört. Ein tödlicher Ausgang sei selten, aber möglich. Laut BZgA können schon 6 Milligramm Muscimol eine Vergiftung hervorrufen. Besteht der Verdacht, sollten Betroffene umgehend ins Krankenhaus gebracht werden.

Umstrittener, aber legaler Wirkstoff Muscimol trendet derzeit – Experten beunruhigt

Verboten sind weder die Gummibärchen, noch der Wirkstoff Muscimol an sich. Derzeit fällt er nicht unter die amtliche Liste des Betäubungsmittelgesetzes. Das BVL rät allerdings dringen vom Verzehr des zurückgerufenen Produktes ab. Seit dem Sommer besteht erhöhte Achtsamkeit vor dem Wirkstoff.

Wie die Tagesschau schreibt, wurde dem Rückruf im Sommer eine europaweite Warnung für entsprechende Gefahrenlagen in Zusammenhang mit diesem Lebensmittel herausgegeben. Das Gesundheitsamt schritt ebenfalls ein, wie die Frankfurter Rundschau schreibt.

Der Kiosk in Wetzlar hat auf den Rückruf reagiert: „Wir haben unverzüglich alle betroffenen Kunden informiert und den Kaufpreis erstattet“, heißt es in einem offiziellen Kundenaushang. (rku)

Rubriklistenbild: © © Montage / Guido Schiefer/IMAGO

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