Ursachen, Behandlung und Früherkennung

Welche Symptome für Eierstockkrebs sprechen und wie hoch die Heilungschancen sind

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Eierstockkrebs ist eine seltene Diagnose, häufig wird sie aber erst spät gestellt. Die Heilungschancen sinken infolge. Welche Symptome Sie ernst nehmen sollten.

Etwa eine von 76 Frauen erkrankt im Laufe ihres Lebens an Eierstockkrebs, auch Ovarialkarzinom genannt. Im Alter steigt das Risiko. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 68 Jahren, dann steigen die Erkrankungsraten mit fortschreitendem Alter an. Doch die Zahl der Frauen, die an Eierstockkrebs erkranken und versterben, sinkt seit der Jahrtausendwende kontinuierlich. Im Jahr 2020 waren es 7.180 Frauen, die neu an einem Ovarialkarzinom erkrankt waren. Damit zählt die Krebsart zu den eher seltenen Krebserkrankungen in Deutschland.

Inhalt

Arten von Eierstockkrebs

Es gibt gutartige und bösartige Tumore der Eierstöcke. Erstere kommen relativ häufig vor. Oft sind junge Frauen betroffen. Mediziner sprechen in dem Fall von gutartigen Zysten, das sind mit Flüssigkeit gefüllte Hohlräume im Gewebe. Diese zählen aber nicht zu Eierstockkrebs. Auch bösartige Tumorabsiedlungen anderer Krebsarten (Metastasen), die sich in den Eierstöcken ansiedeln, werden von Medizinern nicht als Eierstockkrebs bezeichnet.

Entwickeln sich bösartige Krebszellen aus Gewebe- und Zellarten der Eierstöcke, fällt die Diagnose „Eierstockkrebs“. Folgende Arten unterscheiden Mediziner:

  • Epitheliale Tumore: Zu dieser Art zählen auch sogenannte Borderline-Eierstocktumore. Epitheliale Tumore gehen von der obersten Zellschicht aus.
  • Keimstrangstromatumore: Diese werden selten diagnostiziert. Sie entstehen im sogenannten Stützgewebe.
  • Kleinzelltumore: Auch hierbei handelt es sich um eine seltene Diagnose. Die Krebsform entsteht aus den Eizellen.

Medizinische Begriffe kurz erklärt

Eierstöcke = Ovarien
Eierstockkrebs = Ovarialkarzinom

Welche Symptome für ein Ovarialkarzinom sprechen

Im Anfangsstadium von Eierstockkrebs zeigen sich in der Regel keine Symptome. Das ist tückisch, denn je später der Krebs erkannt wird, desto geringer die Heilungschancen. Das Problem: Ihre anatomische Lage macht es Tumoren der Eierstöcke möglich, zu wachsen, ohne auf andere Organe oder Gewebe zu drücken. Infolge kommt es oft erst spät zu Schmerzen oder anderen Symptomen. Echte Frühsymptome gibt es nicht.

Wer unspezifische Beschwerden an sich bemerkt, die nicht in kurzer Zeit wieder verschwinden, sollte einen Arzt aufsuchen. In Hinblick auf Eierstockkrebs sollten Sie vor allem folgende Symptome ernst nehmen:

  • Bisher nicht da gewesene Beschwerden im Bauchraum
  • Untypische Schmerzen im Bereich der Eierstöcke
  • Unbestimmte Verdauungsbeschwerden wie Durchfall
  • Völlegefühl und Blähungen 
  • Dicker Bauch, ohne Gewichtszunahme (Bauchwassersucht)
  • Blutungen oder blutiger Ausfluss außerhalb der Monatsregel oder nach den Wechseljahren
  • Verstärkter Harndrang und häufigeres Wasserlassen als üblich
  • Periode bleibt aus infolge von Hormonstörungen aufgrund von Eierstockkrebs

In fortgeschrittenem Stadium breitet sich der Krebs aus und bildet Metastasen, etwa am Bauchfell (Peritonealkarzinose) und in den Lymphknoten. Auch in Leber, Lunge und andere Organe kann der Eierstockkrebs streuen. Je nachdem, welche Regionen befallen sind, kommt es zu unterschiedlichen Symptomen. So können Metastasen in der Lunge im Endstadium zu Symptomen wie Schmerzen in der Brust, Hustenreiz mit blutigem Auswurf, Lungenentzündungen und Luftnot führen.

Tumore des Eierstocks: Verlauf und Stadien

Mediziner teilen Eierstockkrebs in vier Stadien ein. Entsprechend der FIGO-Klassifikation – FIGO steht für Fédération Internationale de Gynécologie et dʼObstétrique – unterscheidet man folgende Schweregrade:

  • FIGO I: In diesem frühen Stadium ist der Tumor auf die Eierstöcke oder Eileiter beschränkt.
  • FIGO II: Von diesem Stadium ist die Rede, wenn der Krebs sich im Becken ausbreitet.
  • FIGO III: Mediziner können im Labor nachweisen, dass der Tumor Absiedlungen im Bauchfell außerhalb des Beckens gebildet hat und/oder die umliegenden Lymphknoten befallen sind.
  • FIGO IV: In diesem stark fortgeschrittenem Stadium haben sich in weiter entfernten Organen und Geweben Metastasen gebildet. Ärzte können etwa Fernmetastasen in der Lunge nachweisen. Das vierte Stadium kann auch als Endstadium des Eierstockkrebs gesehen werden.

Heilungschancen und Lebenserwartung je nach Krankheitsstadium

Haben sich erst Metastasen im Körper gebildet, verschlechtert sich die Prognose in Hinblick auf die Lebenserwartung. Denn wie bei vielen anderen Krebserkrankungen gilt auch bei Eierstockkrebs: Je früher er entdeckt wird, desto besser die Heilungschancen. Doch da Eierstockkrebs oft erst in einem späten Stadium entdeckt werden, ist die Prognose eher ungünstig. So stehen die Überlebensaussichten von Patientinnen mit einer relativen 5-Jahres-Überlebensrate von derzeit 44 Prozent eher schlecht. Denn 76 Prozent der Tumore werden erst diagnostiziert, wenn sie bereits Stadium 3 oder 4 erreicht haben. Das liegt unter anderem daran, weil sie lange Zeit keine Beschwerden verursachen. Wird der Krebs aber früh im Stadium 1 erkannt, steigt die Lebenserwartung enorm an. In dem Fall liegen die relativen Überlebensraten bei 90 Prozent.

Wenn sich Krebs im Eierstock bildet, ist schnelles Handeln wichtig.

Wachsen bösartige Eierstocktumoren über den Eierstock und/oder die Eileiter hinaus, können sie in die Gebärmutter oder den Darm eindringen. Breitet sich der Krebs weiter im gesamten Bauchraum aus und bildet dort Metastasen, sammelt sich häufig Wasser in dieser Körperregion. Bei Wasser im Bauch sprechen Mediziner auch von Bauchwassersucht oder Aszites. In der Regel tritt Bauchwassersucht erst bei fortgeschrittener und nicht mehr heilbarer Krebserkrankung auf – außer bei Eierstockkrebs. Hier kann es bereits in früheren Krankheitsstadien zu Aszites kommen. Die Lebenserwartung bei Wasser im Bauch hängt stark vom Schweregrad des Eierstocktumors ab. Nur der behandelnde Mediziner kann bestimmen, welche Therapien zum Einsatz kommen sollten, um die Heilungschancen zu maximieren.

Eierstockkrebs: Behandlung des Ovarialkarzinoms

Bösartige Tumore der Eierstöcke und Eileiter werden im Rahmen einer Operation unter Vollnarkose entfernt. Ziel ist es, den Tumor vollständig zu entfernen. Haben sich bereits Metastasen gebildet, ist dies schwieriger, als wenn der Tumor örtlich begrenzt nur den Eierstock betrifft. Bei etwa jeder dritten Patientin, deren Tumor die behandelnden Ärzte zunächst als örtlich begrenzt eingeschätzt haben, finden sich Metastasen. In dem Fall greifen die Behandlungsmethoden, die bei fortgeschrittenem Eierstockkrebs eingesetzt werden. Neben einer Operation erhalten Patientinnen in dem Fall eine Chemotherapie. Auch zielgerichtete Therapien mit Medikamenten oder Immuntherapien können sinnvoll sein.

Diagnose von Eierstockkrebs durch Ultraschall, MRT und Bestimmung der Tumormarker

Bei Verdacht auf einen Tumor der Eierstöcke wird der behandelnde Mediziner in einem ersten Schritt die Beschwerden mit der Patientin besprechen. Im Anschluss folgt das Abtasten der Bauchdecke, der inneren Geschlechtsorgane sowie der Eierstöcke. Auch Blut wird abgenommen und im Labor auf Tumormarker untersucht. Finden sich diese Zellproteine im Blut, ist dies aber noch kein sicheres Anzeichen für Eierstockkrebs. Erst durch eine Operation können Mediziner herausfinden, ob sich tatsächlich bösartiger Krebs im Eierstock gebildet hat.

Auch bildgebende Verfahren wie Ultraschalluntersuchungen kommen in der Diagnose von Eierstockkrebs zum Einsatz. Im Ultraschall wird deutlich, ob die Eierstöcke vergrößert sind oder andere unklare Veränderungen aufweisen. Auch Wasser im Bauch, ein mögliches Anzeichen für Krebs, kann durch eine Ultraschalluntersuchung nachgewiesen werden. Zur näheren Untersuchung des möglichen Tumors und möglicher mitbetroffener Organe kommt Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT) zum Einsatz.

Einen einfachen Test zur Diagnose von Eierstockkrebs gibt es in der Form nicht. Das Standard-Verfahren sieht immer mindestens eine Ultraschalluntersuchung durch die Scheide, die Bestimmung von Tumormarkern im Blut und die Tastuntersuchung des Beckens vor.

Krebserregende Viren: Diese Erreger können Krebs auslösen

Herpesvirus
Das Epstein-Barr-Virus (EBV) zählt zur Gruppe der Herpesviren. Dem Deutschen Krebsforschungszentrum (dkfz) zufolge gilt als sicher, dass eine Infektion mit EBV zur Entstehung von B-Zell-Lymphomen beitragen kann, einer bösartigen Erkrankung von B-Lymphozyten. Mit Lymphom werden in der Medizin bösartige Tumoren des lymphatischen Systems bezeichnet. In Tumoren von T-Lymphozyten (T-Zell-Lymphome) konnte das Epstein-Barr-Virus ebenfalls nachgewiesen werden, so das dkfz. © Imago
Das Magenbakterium Helicobacter pylori
Das Magenbakterium Helicobacter pylori soll das Risiko in sich bergen, Magenkrebs zu fördern. Das Pikante daran: Etwa ein Viertel der deutschen Bevölkerung trägt es bereits in sich. Helicobacter soll Magengeschwüre begünstigen, welche sich dann zu Krebs ausweiten können. Allerdings ist eine Behandlung in den meisten Fällen mit einer Kombination aus Antibiotika und Magensäureblockern äußerst erfolgreich. © dpa
HIV: Eine Frau hat sich eine rote Schleife angeheftet
Die rote Schleife soll das Thema Aids und HIV in die Mitte der Gesellschaft rücken. Eine Infektion mit sogenannten HI-Viren (humane Immundefizienzviren) kann die Krankheit Aids auslösen. Menschen mit Aids sind häufiger von Krebs betroffen, vermutlich aufgrund ihres geschwächten Immunsystems, wie das Deutsche Krebsforschungszentrum informiert.  © Oliver Berg/dpa
Impfausweis
Hepatitis B fördert Leberentzündungen. Auch diese können sich zu Leberkrebs weiterentwickeln. Allerdings können Sie sich gegen diesen Hepatitis-Typ beim Hausarzt impfen lassen. © Martin Wagner/Imago
Hepatitis C Viren
Gegen Hepatitis-C-Viren gibt es unglücklicherweise (noch) keinen Impfstoff. Die aggressiven Erreger zählen zu den häufigsten Ursachen für Leberkrebs. Wie das Deutsche Krebsforschungszentrum informiert, werden Hepatitis-C-Viren inzwischen aber auch mit weiteren Tumorarten in Zusammenhang gebracht: Auch Krebs der Gallenwege sowie das Multiple Myelom könnten durch eine Infektion begünstigt werden, heißt es.  © CAVALLINI JAMES/Imago
HPV (Humane Papillomviren)
Humane Papillomviren (HPV) sind meist ungefährlich - doch es gibt Arten, die krebserregend wirken und Gebärmutterhalskrebs auslösen sollen. Zudem stehen sie im Verdacht, Anal- oder Peniskrebs zu begünstigen. Allerdings gibt es auch hier eine sehr effektive Schutzimpfung, die gegen alle HPV-Typen helfen soll. © CAVALLINI JAMES/Imago

Mögliche Ursachen für Eierstockkrebs

Warum Eierstockkrebs entsteht, ist noch nicht abschließend geklärt. Als sicher gilt allerdings, dass das Erkrankungsrisiko mit dem Alter steigt.

Risikofaktoren, die Eierstockkrebs begünstigen können, im Überblick:

  • Ansteigendes Alter
  • Umweltfaktoren
  • Ernährungsfaktoren
  • Unfruchtbarkeit
  • Kinderlosigkeit
  • Vererbbare Genmutation der Gene BRCA1 und BRCA2

Viele Menschen diskutieren auch psychische Ursachen hinter Eierstockkrebs. Die bisherige Forschung hat dafür bislang aber keinen Zusammenhang nachweisen konnte.

Vorsorge und Früherkennung

Eine gesetzlich vorgesehene Untersuchung zur Früherkennung von Eierstockkrebs gibt es nicht. Der Grund dafür ist, dass bisher nicht nachgewiesen werden konnte, dass eine jährliche Ultraschalluntersuchung oder eine jährliche Bestimmung von Tumormarkern den Krebs mit hoher Trefferquote frühzeitig anzeigen. Zwei Studien mit fast 300.000 Teilnehmerinnen ergaben, dass Frauen, die die Ultraschalluntersuchung regelmäßig wahrgenommen hatten, genauso häufig an Eierstockkrebs starben wie Frauen, die darauf verzichteten.

Die gesetzlich empfohlenen Krebsfrüherkennungsuntersuchungen sollten allerdings von jeder Frau wahrgenommen werden. Im Fall von Eierstockkrebs kommt der jährlichen Tastuntersuchung des inneren Genitales, die das Abtasten der Eierstöcke beinhaltet, eine besonders wichtige Rolle zu.

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FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Eierstockkrebs

Wie schnell wächst Eierstockkrebs?

Eierstockkrebs und Eileiterkrebs sind oftmals sehr rasch wachsende Tumore.

Sieht man Eierstockkrebs im Ultraschall?

Durch einen Ultraschall können unklare Veränderungen an den Eierstöcken in einem frühen Stadium entdeckt werden. Allerdings ist durch eine Ultraschalluntersuchung keine sichere Eierstockkrebsdiagnose möglich.

Wie erkennt man Eierstockkrebs?

Die Kombination aus Ultraschalluntersuchung durch die Scheide, Tumormarker-Test und Tastuntersuchung des Beckens gibt Fachärzten wichtige Informationen darüber, ob ein Tumor vorliegen könnte. Weitere Untersuchungen wie MRT und Biopsie sichern die Diagnose ab.

Ist Eierstockkrebs heilbar?

Ja, vor allem wenn der Krebs in einem frühen Stadium erkannt wird, stehen die Heilungschancen gut.

Quellen:

https://www.apotheken-umschau.de/krankheiten-symptome/krebs/eierstockkrebs-warum-nicht-jede-frau-einen-vorsorge-ultraschall-braucht-899059.html

https://www.apotheken-umschau.de/krankheiten-symptome/symptome/ausbleiben-der-regelblutung-amenorrhoe-741323.html

https://www.css.ch/de/privatkunden/meine-gesundheit/gesundheitslexikon/krankheitsbilder/eierstockkrebs.html

https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Eierstockkrebs/eierstockkrebs_node.html

https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/andere-krebsarten/eierstockkrebs/definition-und-haeufigkeit.html

https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/andere-krebsarten/eierstockkrebs/erkrankungsverlauf.html

https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/andere-krebsarten/eierstockkrebs/frueherkennung-und-vorsorge.html

https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/andere-krebsarten/eierstockkrebs/symptome.html

https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebs-und-psyche/psychische-faktoren-als-ursache-fuer-krebs.html

https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/nebenwirkungen-der-therapie/maligner-aszites-bauchwassersucht-als-folge-von-krebs.html

https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/eierstockkrebs.php

https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Eierstockkrebs-Ovarialkarzinom-Frueherkennung-kaum-moeglich,eierstockkrebs100.html

https://www.ordensklinikum.at/de/patienten/medizinische-schwerpunkte/frauengesundheit/eierstoecke/eierstockkrebs/

https://www.schoen-klinik.de/eierstockkrebs

https://www.umm.de/zentrum-fuer-metastasen-und-tumorrezidivchirurgie/lungenmetastasen/

https://zuerich.krebsliga.ch/praevention-frueherkennung/eierstockkrebs/fakten-zu-eierstockkrebs

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion nicht beantwortet werden.

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