Elektroauto-Absatz in der EU bricht massiv ein: Autobauer fordern „dringende Hilfsmaßnahmen“
VonSebastian Oppenheimer
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E-Autos werden in Europa zunehmend zum Ladenhüter. Den Herstellern drohen nun Milliardenstrafen, weil sie die Emissionsvorgaben möglicherweise nicht einhalten können. Sie rufen nach Hilfe.
Die E-Auto-Krise spitzt sich immer weiter zu: In Deutschland sind die Absatzzahlen seit Anfang des Jahres rückläufig – im August gab es hierzulande einen drastischen Rückgang bei den Elektroauto-Neuzulassungen um knapp 70 Prozent. Und auch europaweit geht es steil bergab: Im August sanken die E-Auto-Neuzulassungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 165.204 auf 92.627 Fahrzeuge – ein Rückgang von rund 44 Prozent. Insgesamt (alle Antriebsarten) gingen die Neuzulassungen in der Europäischen Union um 18,3 Prozent zurück. Der europäische Herstellerverband (ACEA) schlägt nun Alarm.
So seien die sinkenden Marktanteile von Elektroautos laut ACEA ein „äußerst besorgniserregendes Signal“ an die Industrie und die politischen Entscheidungsträger. Der Verband fordert die EU deshalb nun auf, „dringende Hilfsmaßnahmen zu ergreifen“, bevor 2025 neue CO₂-Ziele für Pkw und Transporter in Kraft treten. Das Hauptproblem der gesunkenen E-Auto-Verkäufe: Die Autobauer laufen Gefahr, die EU-Flottengrenzwerte nicht einhalten zu können – weshalb den Autobauern Strafen in Milliardenhöhe drohen.
Emissionsziele in Gefahr: Autohersteller fordern Änderungen der Rahmenbedingungen
Die aktuellen EU-Vorschriften berücksichtigen dem ACEA zufolge „nicht die tiefgreifenden Veränderungen des geopolitischen und wirtschaftlichen Klimas in den letzten Jahren“. Der Übergang zu emissionsfreien Fahrzeugen sei aktuell eine große Herausforderung, und „die Bedenken hinsichtlich der Erreichung der CO₂-Emissionsreduktionsziele für Pkw und Lieferwagen bis 2025 nehmen zu“. Es fehle an Ladestationen und Wasserstofftankstellen, an einem wettbewerbsfähigen Produktionsumfeld, bezahlbarer grüner Energie, Kauf- und Steueranreizen sowie einer sicheren Versorgung mit Rohstoffen, Wasserstoff und Batterien. Zudem sei momentan auch die Akzeptanz der Verbraucher nicht ausreichend entwickelt. Dies alles könne zu Produktionskürzungen und Job-Streichungen führen.
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Man müsse jetzt dringend „sinnvolle Maßnahmen ergreifen, um den Abwärtstrend umzukehren“, die Wettbewerbsfähigkeit der EU-Industrie wiederherzustellen und strategische Schwachstellen abzubauen, so der ACEA. Der Verband fordert die Europäische Kommission deshalb unter anderem auf, die für 2026 und 2027 geplante Überprüfung der CO₂-Regulierungfür leichte und schwere Nutzfahrzeuge auf 2025 vorzuziehen. Die Industrie könne es sich nicht leisten, so lange zu warten.