Trotz fehlender Bekanntheit

Elektroautos aus China: Deutsche Premium-Kunden offen für Umstieg

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Made in China. Für viele Kunden der deutschen Premiumhersteller ist das bei Elektroautos offenbar kein Problem. Wohl auch dank vermeintlich kleiner Preise.

Der Markt für Elektroautos boomt – und das auch in Deutschland. Immer mehr Modelle kommen auf den Markt, meist jedoch teure SUVs. Günstige Alternativen sind noch Mangelware, anders als in China. Viele der – zumeist neuen – Hersteller aus dem Reich der Mitte verschlägt es jetzt auch nach Europa und damit auch auf den deutschen Markt, wo offenbar ein reges Interesse an den Elektroautos aus Asien gibt.

So stehen beispielsweise die Kunden der deutschen Premium-Autobauer chinesischen Elektroautos offen gegenüber. Rund 25 Prozent ziehen den Kauf eines Fahrzeugs aus dem Reich der Mitte in Betracht, wie eine Umfrage der Unternehmensberatung Berylls unter Kunden von Audi, BMW und Mercedes ergeben hat.

Autos von chinesischen Herstellern wie Nio könnten in Zukunft häufiger auf deutschen Straßen zu sehen sein.

Elektroautos aus China: Deutsche Premium-Kunden offen für Umstieg

Aus Sicht der Experten ist das ein bemerkenswertes Ergebnis, da viele Autobauer aus China ihre Marketingaktivitäten in Europa noch nicht aufgenommen haben. Entsprechend fehlt es vielen Marken hierzulande schlichtweg noch an Bekanntheit bei den Kunden. Zu den wenigen Ausnahmen zählt der Volvo-Ableger Polestar.

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Kia EV6
Kia EV6: 309 Kilometer. Dank moderner 800-Volt-Ladetechnik fährt das Mittelklasse-SUV aus Südkorea klar an die Spitze. Die Version mit Heckantrieb und 77,4-kWh-Akku war das einziges Modell des Testfeldes, das die 300-Kilometer-Marke knackte. Basispreis: 46.990 Euro. © weigl.biz
Mercedes-Benz EQS 450+
Mercedes-Benz EQS 450+: 275 Kilometer. Die Luxuslimousine für mindestens 107.326 Euro holt aus der verwendeten 400-Volt-Technik dank präzisem Lade- und Temperatur-Management das Optimum heraus. Getestet wurde die Long-Range-Version mit 108-kWh-Akku und Heckantrieb. © Deniz Calagan/Mercedes-Benz AG
BMW iX
BMW iX: 273 Kilometer. Das große Elektro-SUV trat als xDrive50 mit serienmäßigem Allradantrieb zum Test in der Oberklasse-Kategorie an – und mit mächtigem 105,2-kWh-Akku. Der Basispreis des mächtigem Stromers liegt bei 84.600 Euro. © Uwe Fischer/BMW
Hyundai Ioniq 5
Hyundai Ioniq 5: 272 Kilometer. Das südkoreanische SUV ist technisch mit dem Testsieger Kia EV6 verwandt, und nutzt dieselbe schnelle 800-Volt-Technik. Die sparsamere Heckantriebsversion kostet ab 43.900 Euro, getestet wurde die Ausführung mit 72,6-kW-Akku für 4.000 Euro Aufpreis. © Dino Eisele/Hyundai
Porsche Taycan GTS
Porsche Taycan: 271 Kilometer. In der Oberklasse lagen die Testwerte relativ dicht beieinander. In der Version GTS fährt der Elektro-Porsche (Basispreis 86.733 Euro) mit 93,4-kWh-Akku nur knapp hinter den Klassenbesten her, er kann ebenfalls mit 800 Volt laden. © Porsche AG
Audi e-tron GT quattro
Audi e-tron GT quattro: 237 Kilometer. Der viertürige, Elektrosportler mit Allradantrieb basiert auf dem Porsche Taycan und verfügt daher ebenfalls über schnelle 800-Volt-Technik und einen 93,4-kWh-Akku, ist aber etwas größer und geräumiger. Preis: ab 104.000 Euro. © Audi
BMW i4 eDrive40
BMW i4: 235 Kilometer. Die Elektroversion der konventionell angetriebenen 4er-Reihe ist das sportlichste Modell der Mittelklasse-Wertung. Als eDrive40 kostet er ab 59.200 Euro und verfügt über einen Akku mit 83.9 kWh Kapazität. © BMW
Tesla Model 3
Tesla Model 3: 221 Kilometer. Der Elektroauto-Pionier legt seit jeher mehr Wert auf Reichweite als auf schnelles Laden, was bei der Akku-Auslegung ein Zielkonflikt ist. Der Test der Long-Range-Version mit 82,1-kWh-Akku erfolgte an markeneigenen Superchargern. Basispreis des Model 3: 52.965 Euro. © Tesla
Polestar 2
Polestar 2: 218 Kilometer. Die noch junge Marke gehört zum chinesischen Geely-Konzern, die Autos werden von dessen Tochter Volvo entwickelt und in China produziert. Den Polestar gibt es ab 46.495 Euro, gemessen wurde die heckgetriebene Long-Range-Version mit 78-kWh-Akku. © Polestar
BMW iX3
BMW iX3: 201 Kilometer. Ein weiterer BMW nach dem bewährten Muster, ein Verbrennermodell zum Stromer umzurüsten. Das Mittelklasse-SUV kostet ab 67.300 Euro und verfügt über einen Akku mit 80 kWh Kapazität. © BMW

Doch warum können sich so viele deutsche Premium-Kunden den Wechsel von Audi, BMW und Mercedes hin zu chinesischen Herstellern wie BYD oder Nio vorstellen? Einer der Hauptgründe ist der Umfrage zufolge ein angenommenes niedrigeres Preisniveau der neuen Konkurrenten aus Fernost.

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Elektroautos aus China: Deutsche Premium-Kunden hoffen auf niedrige Preise – Problem für Neulinge aus Fernost

Das könnte den Experten zufolge zu einem Problem für die chinesischen Hersteller werden, denen es schwerfallen dürfte, ähnliche Preise zu verlangen wie die deutsche Premium-Konkurrenz. Zudem seien sich die Elektroautos der chinesischen Marken zu ähnlich, eine Markendifferenzierung fehle bislang.

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Entsprechend blicken die Experten mit Skepsis auf die ehrgeizigen Absatz- und Wachstumsziele der Neulinge aus China. So will BYD 2026 alleine in Deutschland Modelle im sechsstelligen Bereich absetzten. Die deutschen Premiumhersteller sieht man dabei jedoch nicht als Konkurrenz, sondern allen voran Tesla. (Mit Material von SP-X)

Rubriklistenbild: © Nio/dpa-mag

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