Renteneintrittsalter

Erst mit 70 Jahren in Rente gehen? Welche Jahrgänge längsten Arbeiten

  • schließen

Mit der schrittweisen Anhebung des Rentenalters tauchen immer wieder Gerüchte über eine Rente mit 70 auf. Das müssen Arbeitnehmer jetzt wissen.

Kassel – In Deutschland sorgt die Frage nach dem tatsächlichen Renteneintrittsalter immer wieder für Verwirrung und Diskussionen. Das Problem: Wann Menschen hierzulande in Rente gehen dürfen, lässt sich pauschal nicht beantworten. Stattdessen kommt es auf individuelle Faktoren wie das Geburtsjahr und den Beitragsjahren zur Rentenversicherung an. Aus diesem Grund geht das Gerücht herum, dass manche Jahrgänge bis zum 70. Lebensjahr arbeiten müssen. Was ist dran?

Demografischer Wandel – Rente mit 70 wegen instabilem Rentensystem?

Fakt ist: Das Renteneintrittsalter in Deutschland wird schrittweise angehoben, um die finanzielle Stabilität des Rentensystems zu sichern, das auf dem Generationenvertrag basiert. Da immer weniger junge Menschen in die Rentenkasse einzahlen, während die Zahl der Rentner steigt, gerät dieses System zunehmend unter Druck. Die Erhöhung des Rentenalters soll die Balance zwischen Beitragszahlern und Rentenempfängern aufrechterhalten und die Renten somit langfristig sichern.

Was ist der Generationenvertrag?

Der Generationenvertrag regelt die gesetzliche Rente in Deutschland. Dabei finanzieren die Arbeitenden durch ihre Beiträge die Renten der älteren Generation. Laut der Bundeszentrale für politische Bildung basiert dieses System auf dem Solidaritätsprinzip und dem Vertrauen, dass die nachfolgende Generation später ebenfalls Beiträge leistet. Ziel ist eine finanzielle Absicherung im Alter, ohne dass individuelle Rücklagen entscheidend sind.

Wie weit der demografische Wandel schon fortgeschritten ist, erklärt Wirtschaftsweiser Martin Werding in der ZDF-Doku „Die Wahrheit über unsere Rente“: „Das waren in den 50er Jahren, als wir unser Rentensystem auf die Bahn gesetzt haben, sechs zu eins.“ Sechs Beitragszahler haben also einen Rentner finanziert. Bald kommen nur noch zwei potenzielle Beitragszahler auf einen Rentner. Die „Renten-Titanic“, wie es der Moderator formuliert, fährt schon seit 50 Jahren Richtung Eisberg.

Rente mit 70 – So lang müssen Arbeitnehmer in Deutschland schuften

Wie bereits erwähnt, hängt das Renteneintrittsalter vom Geburtsjahr und den Beitragsjahren ab. Ein frühestmöglicher Renteneintritt mit 63 Jahren war nur für vor 1953 Geborene abschlagsfrei möglich, während für spätere Jahrgänge das Renteneintrittsalter stufenweise steigt. Wer dennoch mit 63 in Rente gehen möchte, muss nach Informationen der Deutschen Rentenversicherung (DRV) Abschläge hinnehmen und mindestens 35 Beitragsjahre nachweisen.

Für eine abschlagsfreie Rente müssen Versicherte je nach Jahrgang unterschiedlich lange Beiträge geleistet haben. Personen mit 45 Beitragsjahren gelten als „besonders langjährig Versicherte“ und können – je nach Geburtsjahr – zwischen 63 und 65 Jahren in den Ruhestand gehen. Wer 1964 oder später geboren wurde, erreicht die reguläre Altersrente erst mit 67 Jahren, während eine vorzeitige Rente mit 65 Jahren nur für diese besonders langjährig Versicherten möglich ist.

Das Renteneintrittsalter in Deutschland wird schrittweise erhöht. Dabei geht das Gerücht herum, dass manche Jahrgänge bis 70 arbeiten müssen. (Symbolbild)

Das reguläre Renteneintrittsalter liegt derzeit bei 67 Jahren und stellt somit den spätesten Zeitpunkt für den Renteneintritt dar. Das weitverbreitete Gerücht, dass manche erst mit 70 Jahren in Rente gehen können, ist daher falsch. Allerdings können Arbeitnehmer freiwillig über das reguläre Rentenalter hinaus weiterarbeiten, um ihre Rente zu erhöhen. Mit der Flexi-Rente lässt sich der Übergang in den Ruhestand individuell gestalten. Außerdem erwartet Rentner einen Zuschlag.

Der große Renten-Ratgeber

Mit unserem umfangreichen Renten-Ratgeber erhalten Sie alle wichtigen Informationen und Tipps rund um das Thema Rente übersichtlich zusammengefasst. Jetzt kostenlos herunterladen.

Debatte um Rente mit 70 – Ökonomen wollen Rentenalter anheben

Allerdings kommt das Gerücht nicht von irgendwo her: Wer etwas tiefer in die Geschichtsbücher schaut, wird feststellen, dass es die Rente mit 70 schon einmal in Deutschland gab. Als Reichskanzler Otto von Bismarck Ende des 19. Jahrhunderts die gesetzliche Rentenversicherung einführte, lag die Altersgrenze bei 70 Jahren. Heute fordern einige deutsche Ökonomen eine Rückkehr zu diesem Modell, da sie es aufgrund des demografischen Wandels für notwendig halten.

Auch in der Politik sorgt dieses Thema immer wieder für Debatten, besonders im Vorfeld der Bundestagswahl 2025. Die SPD sprach sich in ihrem Wahlprogramm dafür aus, das Renteneintrittsalter bei 67 Jahren zu belassen und das Rentenniveau dauerhaft bei mindestens 48 Prozent zu sichern. Die Union (CDU/CSU) betonte die Notwendigkeit von Reformen, um die Rentenfinanzierung langfristig zu gewährleisten, wobei sie das aktuelle Renteneintrittsalter beibehalten möchte. (cln)

Rubriklistenbild: ©  Lobeca/Imago

Kommentare