VonPatricia Huberschließen
Die Bundesregierung versucht, den Fachkräftemangel durch attraktive Rentenoptionen zu bekämpfen. Doch die Resonanz ist geringer als erwartet.
München – Das Altern unserer Gesellschaft verschärft den Fachkräftemangel voraussichtlich immer weiter. Bis zum Jahr 2036 werden 12,9 Millionen Personen, die im August 2022 noch erwerbstätig waren, das Renteneintrittsalter überschritten haben. Das geht aus einer Mitteilung des Statistischen Bundesamts (Destatis) hervor. Diese Summe entspricht unglaublichen 30 Prozent der dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehenden Erwerbspersonen, bezogen auf das Berichtsjahr 2021.
Später in Rente: Mehr Geld für längere Arbeit
Die Bundesregierung möchte hier gegensteuern und hat daher bereits kleine Maßnahmen geschaffen, um einen späteren Renteneintritt attraktiver zu gestalten. Denn: Wer länger arbeitet, kann dadurch seine Rente erheblich steigern. Dazu muss man lediglich über sein reguläres Renteneintrittsalter hinaus weiterarbeiten.
Für jeden Monat, den man länger arbeitet, erhält man einen Zuschlag von 0,5 Prozent auf seine Rente. Wer also ein Jahr über das Erreichen der Regelaltersgrenze hinaus arbeitet, der kann seinen Rentenanspruch um ganze sechs Prozent erhöhen. Hinzu kommen dann zusätzlich noch die in dieser Zeit erworbenen Rentenansprüche.
Angebot zum späteren Renteneintritt: Kaum jemand nutzt es
Klingt eigentlich nach einem guten Angebot. Doch die offiziellen Zahlen zeigen, dass viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer lieber auf das Geld verzichten und sich eher für den pünktlichen Renteneintritt entscheiden. Von den Rentnerinnen und Rentner, die im Jahr 2022 das erste Mal Altersrente überwiesen bekommen haben, haben nur 39.000 den oben genannten Zuschlag erhalten. Das geht aus einer Antwort auf eine Anfrage des CDU-Abgeordneten Stephan Stracke an das Bundesarbeitsministerium hervor, die Ihre Vorsorge, einem Portal der Deutschen Rentenversicherung (DRV) vorliegt. Zum Vergleich: 2022 gingen insgesamt 1,464 Millionen Menschen in Rente.
Hinzu kommt, dass viele, die später in Rente gehen, nicht allzu lange weiterarbeiten. Etwa die Hälfte nutzt das Zuschlag-Angebot lediglich ein gutes halbes Jahr. (ph)
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