Reise zur Europameisterschaft

Internationale EM-Fans spotten über Deutsche Bahn – „Deutsche Effizienz? Vergessen Sie alles“

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Derzeit wird die Deutsche Bahn wegen zahlreichen Verspätungen während der EM weltweit kritisiert. Selbst Philipp Lahm bleibt davon nicht verschont.

München – Wie schlimm es um die Deutsche Bahn (DB) steht, wird jetzt während der Fußball-Europameisterschaft (EM) mehr als deutlich. Während sich Facebook, X und Co. längst zu einem Sammelbecken für enttäuschte Fans entwickelt haben, folgt ein negativer Pressebericht nach dem anderen. So titelte etwa die New York Times: „Euro 2024 und deutsche Effizienz: Vergessen Sie alles, was Sie zu wissen glaubten.“ Was danach kommt, ist Deutschen längst bekannt.

Harsche Kritik von EM-Fans aus aller Welt: Ruiniert die Deutsche Bahn gerade unseren Ruf?

Derweil befindet sich Deutschland nicht nur im Fadenkreuz von Fans und der Presse. Selbst beim überraschenden Ausgleich der Deutschen im Spiel gegen die Schweiz und nach dem späten Tor von Niclas Füllkrug in der 92. Minute kommt die kritische DB-Referenz nicht zu kurz. Denn laut der britischen Tageszeitung The Guardian, sei Deutschland bei dem Spiel „wie einer seiner Züge“ ins Straucheln geraten und habe gestottert.

Für die Europameisterschaft reisen Fans aus aller Welt nach Deutschland. Weil sich das mit der Deutschen Bahn aber kompliziert gestaltet, erntet das Unternehmen Spott.

Die britische Boulevardzeitung Daily Mail brachte es dagegen auf den Punkt: „Die Züge sind in Deutschland nicht mehr verlässlich.“ Mithin erinnerten sie an die „geschmeidige Organisation“ bei der Weltmeisterschaft (WM) 2006 und schrieben, dass der „nationale Stereotyp ruiniert“ wurde. Das mussten auch die Fans aus England nach dem Spiel gegen Serbien am eigenen Leib erfahren. Sie steckten in Gelsenkirchen fest, weil die Züge vor Ort zu spät kamen oder ganz ausfielen.

Jedenfalls behaupten das verärgerte Fahrgäste der DB, darunter ESPN-Reporter James Olley, der seinen Unmut auf X kundtat. Ein Nutzer teilte seinen Beitrag und kommentierte: „England-Fans treffen auf unzuverlässige Deutsche Bahn.“ In einer Stellungnahme verwies die Stadt Gelsenkirchen darauf, die Abreise habe sich „mit vereinzelten Ausnahmen“ wie geplant gestaltet. Nach dem Vorfall kündigte die Football Association (FA) in England an, mit der UEFA zu sprechen.

„Einfach nur peinlich“: Wie EM-Fans kommt Philipp Lahm wegen der Deutschen Bahn zu spät

Ähnliche negative Erfahrungen machten Fahrgäste aus Österreich am 17. Juni: Wegen einer Baustelle waren hunderte Fans bei der Anreise in Bayern gestrandet, darunter ein Vater mit seinem kleinen Sohn. Die beiden reisten der Kronen Zeitung zufolge von Wien aus zu dem EM-Spiel nach Düsseldorf. Die geplanten Gleisbauarbeiten zwischen Passau und Regensburg waren bekannt. Nicht bekannt war hingegen, dass der geplante Schienenersatzverkehr der DB so rar ausfällt.

„Alle Fans und Passagiere waren lange sehr geduldig, aber irgendwann kippte die Stimmung“, sagte der Vater gegenüber der Kronen Zeitung. Die beiden erreichten das Stadion zusammen mit einer kleinen Leidensgemeinschaft erst zur 70. Minute und konnten somit nur die Schlussminuten miterleben. Daraufhin erntete die DB heftige Kritik von einer österreichischen Zeitung. „Einer Euro absolut unwürdig“, so der verärgerte Reporter, der selbst alles live miterlebt hatte.

Dabei macht DB in puncto Zuverlässigkeit bei Promis keine Ausnahme: Der Ex-Fußballprofi Philipp Lahm konnte wegen einer Verspätung nicht pünktlich zu einem TV-Auftritt erscheinen. Später entschuldigte sich die DB und bedauerte, dass sie den Turnierdirektor der diesjährigen EM nicht pünktlich nach Düsseldorf bringen konnte. „Immerhin die zweite Halbzeit konnte er im Stadion schauen“, so ein Bahnsprecher gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. (cln)

Rubriklistenbild: © Achim Zweygarth/Imago

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