VonAdrian Kilbschließen
Beim Bürgergeld und der Grundsicherung erwartet die Empfänger 2026 wieder eine Nullrunde. Der VdK Deutschland dagegen fordert eine deutliche Anhebung der Regelsätze.
Die staatliche Grundsicherung sorgt mit finanziellen Mitteln für Menschen, die dauerhaft voll erwerbsgemindert oder im Alter sind und ihren Lebensunterhalt nicht aus eigenem Einkommen und Vermögen sicherstellen können. Die kräftige Anhebung der Regelsätze zum 1. Januar 2024 aufgrund hoher Inflationsraten führte zu einer größeren Gruppe von Leistungsberechtigten. Das teilte das Statistischem Bundesamt (Destatis) mit. Seitdem blieben die Regelsätze, ebenso wie beim Bürgergeld, stabil auf dem gleichen Niveau – während Verbraucherpreise weiter steigen. Wie gerecht ist das?
Zu wenig Geld für Bürgergeld-Empfänger? Sozialverband kritisiert Nullrunde 2026
Die Regelsätze in der Sozialhilfe und im Bürgergeld bleiben auch im Jahr 2026 unverändert, hat sich die Merz-Regierung festgelegt. Damit droht 2026 eine erneute Nullrunde bei der Grundsicherung. Alleinstehende bekommen weiterhin 563 Euro im Monat. Der Bundesrat muss dem Kabinettbeschluss noch abschließend zustimmen, er tagt dazu am 17. Oktober 2025.
Nach dem starken Anstieg der Regelsätze in den Jahren 2023 und 2024 bekommen die Sozialhilfeempfänger laut Bundesregierung sogar mehr Geld, als ihnen nach Berechnung der Regelbedarfsstufen zusteht. Rein rechnerisch nach dem sogenannten Fortschreibungsmechanismus für Bürgergeld und Sozialhilfe müssten die staatlichen Leistungen im Jahr 2026 um sechs Euro auf 557 Euro für einen Alleinstehenden sinken. Nur durch eine geltende Besitzschutzregelung, die regelt, dass der gewährte Betrag in den Folgejahren mindestens beibehalten werden muss, werde das verhindert. Der Sozialverband VdK Deutschland sieht das anders und kritisiert die geplante Nullrunde.
VdK Deutschland: So hoch müssen die Regelsätze bei der Grundsicherung steigen
„Die geplante Nullrunde beim Bürgergeld und in der Grundsicherung stellt faktisch eine Kürzung der Sozialbezüge dar, weil Lebensmittel- und Energiepreise weiter steigen“, sagt Margret Böwe, Referentin für Grundsicherung und Armut beim VdK, im Gespräch mit echo24.de. Die Betroffenen hätten mit real enormen Kaufkraftverlusten zu kämpfen, die ihren Alltag erschweren. Die Verbraucherpreise in Deutschland sind im Jahresdurchschnitt 2024 um 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.
Aufgrund dessen fordert der Sozialverband für das kommende Jahr eine Erhöhung des Regelsatzes um mindestens 12 Euro. „Die Regelsätze machen nur einen geringen Teil der Sozialausgaben aus und an ihnen kann man auch nicht sparen, da sie das Existenzminimum absichern“ so Armutsexpertin Böwe.
Deutschland habe kein Ausgaben- sind vielmehr ein Einnahmenproblem, der Sozialstaat kann laut dem VdK sinnvollerweise durch eine Vermögenssteuer für die Superreichen sowie einer Erbschaftssteuer, die bei hohen Erbschaften ansetzt, finanziert werden.
Warum eine Anhebung der Freibeträge vielen Sozialhilfeempfängern nichts nutzen würde
Der VdK macht sich für einen unterjährigen Kontrollmechanismus stark, mit dem die Sätze auch innerhalb des Jahres bei einer großen Steigerung der Preise für regelbedarfsrelevante Güter ausgeglichen werden können. Eine Anhebung geltender Einkommensfreibeträge für Einkommen aus einer Erwerbstätigkeit dagegen würde vielen Betroffenen nicht nutzen, weil sie dem Arbeitsmarkt aus verschiedenen Gründen nicht zur Verfügung stehen.
So gebe es eine Vielzahl an Personen, die kleine Kinder oder pflegebedürftige Angehörige betreuen oder selber unter schweren chronischen Krankheiten leiden. Viele der Letztgenannten warten auf die Anerkennung ihrer Reha-Verfahren oder der Erwerbsminderung.
Immer mehr Menschen beziehen staatliche Grundsicherung
Der Kreis der Grundsicherungsempfänger wächst derweil munter weiter: Ende 2024 kletterte die Zahl der Bezieher dieser Sozialleistung auf 1,2 Millionen Menschen – zirka vier Prozent mehr als im Vorjahr. 739.000 Menschen davon empfangen die Grundsicherung im Alter, was ein Anstieg um 7,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ausmacht. Dazu kommen 522.000 Menschen, welche eine Grundsicherung aufgrund einer dauerhaften vollen Erwerbsminderung erhalten. Gleichzeitig gibt es für diese immer größer werdende Gruppe, ebenso wie für die Bürgergeldempfänger, in naher Zukunft nicht mehr Geld.
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