VonJudith Braunschließen
In Deutschland erkranken jedes Jahr über 4.000 Frauen an Gebärmutterhalskrebs. Wird er früh erkannt, besteht eine Chance auf Heilung.
Beim Gebärmutterhals (Zervix) handelt es sich um einen kräftigen Muskelschlauch, dessen unteres Ende den Muttermund bildet. Dieser wölbt sich in der Scheide leicht vor und ist innen mit einer Schleimhaut ausgekleidet. Normalerweise verhindert der Zervixschleim, der von den Drüsen der Schleimhaut produziert wird, dass Krankheitserreger aus der Scheide in die Gebärmutter gelangen. Bilden sich bei Frauen Tumore am unteren Teil der Gebärmutter, spricht man von Gebärmutterhalskrebs. Dieser entwickelt sich in der Regel aus Gewebeveränderungen am Muttermund. Werden Vorstufen bei einer Früherkennungsuntersuchung rechtzeitig erkannt und entfernt, kann der Krebs geheilt werden.
Inhalt
Was ist Gebärmutterhalskrebs?
Jährlich erkranken laut Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) über 4.000 Frauen in Deutschland an Gebärmutterhalskrebs. Der Tumor entsteht im unteren Bereich der Gebärmutter, der sogenannten Zervix. Dabei wuchert das Gewebe am Gebärmutterhals und es entsteht ein bösartiger Tumor. Die Hauptursache von Gebärmutterhalskrebs ist eine Infektion mit humanen Papillomviren (HPV). Dabei kommt eine asymptomatische HPV-Infektion häufig vor, heilt jedoch in der Regel ohne weitere Folgen aus. Obwohl die Infektionen also weit verbreitet sind, erkrankt nicht jede betroffene Frau an einem Zervixkarzinom. Zudem gibt es eine Impfung gegen HPV. Für die meisten Betroffenen kommt in frühen Stadien der Erkrankung eine Operation infrage. Bei den meisten Patientinnen, die bereits unter einem fortgeschrittenen Tumor leiden, wird Gebärmutterhalskrebs mit einer Kombination aus Bestrahlung und Chemotherapie behandelt.
Ursachen und Risikofaktoren
Ein bösartiger Tumor entsteht zudem nicht von heute auf morgen: Wenn das Gewebe am Gebärmutterhals wuchert, dann zieht sich diese Veränderung gewöhnlich über Jahre hinweg. So können sogar Jahrzehnte vergehen, bis sich aus gutartigen Zellveränderungen über die Entstehung von Krebsvorstufen ein bösartiger Krebs am Gebärmutterhals entwickelt. Neben HPV, der Hauptursache für Gebärmutterhalskrebs, gibt es dabei weitere Risikofaktoren für einen Tumor:
- Rauchen: Bei Raucherinnen sorgen Abbauprodukte von Tabak in der Schleimhaut des Gebärmutterhalses dafür, dass Krankheitserreger leichter in die Zellen der Schleimhaut eindringen können. Je mehr Zigaretten oder Tabakprodukte eine Frau am Tag konsumiert und je früher sie damit beginnt, desto höher ist das Infektionsrisiko.
- Sexuelll übertragbare Krankheiten: Das Risiko für Gebärmutterhalskrebs steigt mit weiteren Infektionen, z. B. durch Chlamydien oder Genitalherpes.
- Früher Beginn der sexuellen Aktivität, häufig wechselnde Geschlechtspartner und ungeschützter Geschlechtsverkehr: Ohne Verhütung und beim häufigen Wechseln von Geschlechtspartnern steigt das Risiko für Gebärmutterhalskrebs.
- Immunschwäche: Auch die Einnahme von bestimmten Medikamenten, beispielsweise nach einer HIV-Infektion oder einer Organtransplantation, kann zu einem schwächeren Immunsystem (Immunsuppression) führen. Dadurch können HPV-Erreger schlechter abgewehrt werden.
- Mangelnde Hygiene: Gegen Infektionen hilft das regelmäßige Waschen des Intimbereichs – am besten nur mit sauberem Wasser. Zudem sollte darauf geachtet werden, dass keine Keime vom After in die Scheide übertragen werden.
Kann Gebärmutterhalskrebs seelische Ursachen haben?
Manche Menschen fragen sich, ob Erkrankungen wie Gebärmutterhalskrebs auch durch seelische Leiden ausgelöst oder verursacht werden können. Dabei ist ein direkter Zusammenhang zwischen einem Zervixkarzinom und Stress oder anderen psychischen Belastungen eher unwahrscheinlich. Jedoch können psychische Leiden indirekt zu einer Erkrankung führen oder dazu beitragen. Frauen mit Depressionen könnten sich beispielsweise nicht dazu aufraffen, zu einer Früherkennungsuntersuchung zu gehen. Manche Menschen greifen außerdem bei Kummer und Sorgen zu Zigaretten.
Symptome und Warnzeichen
Bei Gebärmutterhalskrebs sind die Symptome im Frühstadium meist so allgemein und untypisch, dass sie auch andere Ursachen und Auslöser haben können. Zudem verursachen Zellveränderungen im Gebärmutterhals zunächst noch keine Beschwerden. Symptome treten überwiegend auf, wenn der Tumor bereits eine gewisse Größe erreicht hat. Bei folgenden Anzeichen sollten Sie diese von einem Arzt abklären lassen:
- Unregelmäßige Monatsblutungen
- Blutungen und blutiger oder fleischfarbener Ausfluss außerhalb der Monatsregel
- Kontaktblutungen nach dem Geschlechtsverkehr
- Schleimabsonderungen und unangenehme Gerüche aus der Scheide
- Blutungen nach hartem Stuhlgang
- Schmerzen im Unterbauch (z. B. beim Wasserlassen oder Stuhlgang)
- Unerklärlicher Gewichtsverlust
Wie erfolgt die Diagnose von Gebärmutterhalskrebs?
Entdeckt wird ein Zervixkarzinom meist im Rahmen einer Früherkennungsuntersuchung oder aufgrund von Beschwerden, die Patientinnen festgestellt haben und daraufhin einen Mediziner aufsuchen. Um eine Diagnose stellen zu können, wird der Gynäkologe die Patientin zunächst nach Auffälligkeiten und Beschwerden fragen. Danach erfolgt in der Regel das Abtasten der Gebärmutter von außen über die Bauchdecke und von innen über die Scheide.
Außerdem wird ein Abstrich, ein sogenannter Pap-Test, gemacht. Dabei entnimmt der Arzt eine Zellprobe vom Gebärmutterhals. Anschließend werden die Zellen auf einem Objektträger oder in einer geeigneten Flüssigkeit zur Untersuchung unter dem Mikroskop in ein Labor gebracht. Dabei lässt sich erkennen, ob die Zellen gesund sind oder ob Zellveränderungen vorliegen. Sind die Befunde auffällig, schafft eine Gebärmutterhalsspiegelung – auch Kolposkopie genannt – weitere Klarheit.
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Verlauf und Behandlung
Oft dauert es Jahre oder Jahrzehnte, bis sich aus einer Krebsvorstufe tatsächlich Krebs entwickelt. Eine vollständige Heilung ist möglich, wenn Gebärmutterhalskrebs früh erkannt wird. In frühen Stadien ist es deshalb das Ziel der Behandlung, sämtliche Krebszellen zu entfernen. Da eine Heilung bei fortgeschrittenem Stadium unter Umständen nicht mehr möglich ist, sollen mithilfe der Therapie vor allem Beschwerden gelindert, die Lebensqualität der Patientin verbessert und die Lebenserwartung etwas verlängert werden. Folgende drei Behandlungsmethoden werden bei einem Zervixkarzinom am häufigsten eingesetzt:
- Operation
- Bestrahlung
- Chemotherapie
Auch eine Kombination aus den drei Methoden ist dabei möglich. In welchem Stadium sich der Krebs befindet und ob er noch heilbar ist, ist ausschlaggebend dafür, welche Methode am besten für eine Therapie geeignet ist. Außerdem werden bei der Wahl der Behandlung der Gesundheitszustand, die Lebenssituation und die Behandlungswünsche der Patientin berücksichtigt. Bei einem kleinen Karzinom, bei dem die Krebszellen noch nicht die Lymphknoten befallen haben, behandeln Mediziner dieses meist mit einer Operation. Ist der Krebs bereits fortgeschritten, aber noch heilbar, kommen hauptsächlich Strahlen- und Chemotherapie infrage. Bestehen nur noch geringe Heilungschancen, dann können verschiedene Behandlungsmethoden zur Linderung der Beschwerden beitragen oder das Wachstums des Tumors bremsen.
FAQs – Häufig gestellte Fragen zu Gebärmutterhalskrebs
Wie bekommt man Gebärmutterhalskrebs?
Die Gebärmutter ist mit der Scheide über den Gebärmutterhals verbunden, an dessen unteren Ende sich der äußere Muttermund befindet. Die sich im Gebärmutterhalskanal befindliche Schleimhaut grenzt an dieser Stelle an diejenige an, die den sichtbaren Teil des Gebärmutterhalses bedeckt. Der medizinische Fachausdruck für diesen Teil der Gebärmutter lautet Portio vaginalis uteri. Bei Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs (CIN, cervical intraepithelial neoplasia) verändert sich diese Transformationszone. Dabei werden folgende drei Stufen von Zellveränderungen der sogenannten Epithelschicht unterschieden:
- Leichte Dysplasie (CIN I): Dabei ist nur die obere Schicht des Epithels betroffen.
- Mittelschwere Dysplasie (CIN II): In dieser Vorstufe sind mehrere Schichten des Epithels betroffen.
- Schwere Dysplasie (CIN III): Hier befinden sich in allen Schichten Zellveränderungen.
Kommt es zu einer Veränderung der Schleimschicht am Gebärmutterhals (Dysplasie), muss diese nicht zwingend zu Krebs führen. Bei den beiden ersten Krebsvorstufen CIN I und CIN II ist die Entstehung von Krebs sehr unwahrscheinlich. Die Veränderungen bilden sich sogar bei rund der Hälfte der betroffenen Fälle von selbst zurück. Bei diesen Stufen ist daher kein direktes Eingreifen nötig. Allerdings sollte eine regelmäßige Kontrolle durch einen Gynäkologen stattfinden. Bei der letzten Stufe, einer schweren Dysplasie, ist die Gefahr für Gebärmutterhalskrebs jedoch hoch und in diesen Fällen wird meist eingegriffen.
Wie erkennt man Gebärmutterhalskrebs?
Beim Kampf gegen Gebärmutterhalskrebs spielt die Früherkennung eine wichtige Rolle. Je früher eine Krebserkrankung oder ein Zervixkarzinom erkannt wird, desto größer sind die Chancen auf Heilung. Zudem sollte es entdeckt und behandelt werden, bevor es Beschwerden verursacht. Frühe Stadien lassen sich außerdem häufig schonender und erfolgreicher therapieren. In fortgeschrittenen Stadien hingegen kann es sein, dass bereits Tochtergeschwülste entstanden sind. Daher ist es wichtig, bei bestimmten Symptomen frühzeitig zum Arzt zu gehen.
Wie schnell entwickelt sich Gebärmutterhalskrebs?
Die Entwicklung von Gebärmutterhalskrebs kann sich über Jahre hinweg ziehen. So können beispielsweise nach einer HPV-Infektion, der Hauptursache für Gebärmutterhalskrebs, vom Zeitpunkt der Infektion bis zur Krebserkrankung zehn bis 15 Jahre vergehen. In seltenen Fällen kann es jedoch auch zu einem raschen Verlauf kommen.
Was ist Gebärmutterhalskrebs?
Bei Gebärmutterhalskrebs wuchert das Gewebe am Gebärmutterhals und es entsteht ein bösartiger Tumor. Als Hauptursache für Gebärmutterhalskrebs gilt eine Infektion mit humanen Papillomviren (HPV).
Wie kann man sich gegen Gebärmutterhals schützen?
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt eine Impfung für Mädchen und Jungen im Alter von neun bis 14 Jahren. Doch auch für Erwachsene kann eine Impfung noch sinnvoll sein. Ziel der HPV-Impfung ist es, das Risiko für HPV-bedingte Krebsformen wie Gebärmutterhalskrebs und Analkrebs zu reduzieren. Jungen beziehungsweise Männer sind häufig Träger der gefährlichen HP-Viren, ohne es zu wissen, und können Mädchen beziehungsweise Frauen anstecken.
Quellen
https://www.gesundheitsinformation.de/gebaermutterhalskrebs.html
https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Gebaermutterhalskrebs/gebaermutterhalskrebs_node.html
https://www.krebshilfe.de/informieren/ueber-krebs/krebsarten/gebaermutterhalskrebs/
https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/gebaermutterhalskrebs
https://www.medizin.uni-tuebingen.de/de/das-klinikum/einrichtungen/kliniken/frauenklinik/zentrum-gynaekologische-onkologie/rat-gebaermutterhalskrebs
https://www.t-online.de/gesundheit/krankheiten-symptome/id_91280328/gebaermutterhalskrebs-ursachen-vorstufen-lebenserwartung.html#ursachen-von-gebaermutterhalskrebs-hauptrisikofaktor-hpv
https://www.usz.ch/krankheit/gebaermutterhalskrebs/
https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/basis-informationen-krebs-allgemeine-informationen/hpv-impfung-gebaermutterhalskre.html
https://www.impfen-info.de/impfempfehlungen/fuer-jugendliche-12-17-jahre/hpv-humane-papillomaviren/
Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion leider nicht beantwortet werden.
