VonSina Eberhardtschließen
Wer im Sommer abends in seinem Garten oder in einem Park unterwegs ist, könnte Zeuge eines besonderen Naturphänomens werden: das Paarungsritual der Igel.
In seltsamen, schwankenden Bewegungen umkreist das Igel-Männchen seine Herzensdame. Was ulkig aussieht, ist ein wichtiger Bestandteil des Liebesspiels der Stacheltiere. Dieses Schauspiel wird oft als „Igel-Karussell“ bezeichnet. Torkelnde Stacheltiere in den Abendstunden sind daher meist kein Grund zur Sorge.
Um die auserwählte Partnerin von sich zu überzeugen, muss sich der Igel-Mann mächtig ins Zeug legen. Dafür zieht er mitunter stundenlang seine kreisförmigen Bahnen. Bei dem Ritual braucht er ein ziemlich dickes „Fell“. Denn zunächst ist das Weibchen wenig paarungsbereit. Mit aufgestellten Stacheln faucht sie ihren Verehrer an – und macht sich im schlechtesten Fall einfach aus dem Staub. War das Männchen hingegen erfolgreich, paaren sich die Wildtiere. Nach dem Liebesakt verschwindet er schnell und die Romantik ist vorbei. Ihren Nachwuchs bringt das Weibchen allein zur Welt und zieht ihn ohne Hilfe des Igel-Mannes groß.
Igel-Wurfnester liegen versteckt in Laubhaufen – Gartengeräte können die Tiere verletzen
Im Alter von drei bis vier Wochen verlassen die Jungen ihr Nest und gehen auf kleine Abenteuer-Touren durch Gärten und Parks. Von Juni bis September herrscht dann Baby-Boom im Igelreich. In der Zeit sollten Gärtner ihre Arbeit umsichtig erledigen. Besonders in der Nähe von Laubhaufen und Totholz ist Vorsicht geboten, um den Lebensraum der Tiere zu erhalten. Denn dort errichtet die Igel-Mama mit Vorliebe ihr Wurfnest. Fühlt sie sich gestört, flüchtet sie aus dem Nest und ihre Babys verhungern. Sechs Wochen nach der Geburt sind die Tiere auf die Muttermilch angewiesen.
„Wird ein Nest durch den Einsatz von Gartengeräten beschädigt oder zerstört, kann es zu tödlichen Verletzungen der Igel kommen“, erklärt Lea-Carina Mendel, Natur- und Artenschützerin bei der Deutschen Wildtier Stiftung. In der Wurf- und Aufzuchtzeit gilt daher: Statt Maschinen lieber Handwerkzeuge (z. B. Heckenschere, Rechen und Besen) einsetzen und Mähroboter nicht bei Dämmerung und in der Nacht laufen lassen.
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Jungigel verirrt sich auf dem Rasen – Mama eilt meist schnell zur Hilfe
Auf der Suche nach Käfern, Insektenlarven und Würmern wühlen sich die jungen Igel im Garten durch Kompost- und Laubhaufen. Weggeworfene Nahrungsreste neben Mülleimern führen den Nachwuchs ebenfalls in Versuchung. „Manchmal verliert ein Igeljunges bei all den kulinarischen Verlockungen den Überblick und findet den Weg zum Nest nicht mehr zurück. Mit leisen Pieplauten ruft es dann nach seiner Mutter“, erklärt Mendel. Sitzt ein verirrter Igel tagsüber alleine auf dem Rasen, sollten Tierfreunde ihn erstmal beobachten. Denn meist ist Mama schnell zur Stelle und bringt ihren Sprössling zurück ins sichere Heim. Und auch ein verliebter Igel-Mann, der um ein Weibchen torkelt, braucht meist keine Hilfe.
Verhält sich das Wildtier dagegen anhaltend auffällig oder ist sogar augenscheinlich verletzt, sollten Gartenbesitzer genauer hinschauen und sich im Notfall an eine der Wildtierstationen in Deutschland wenden.
Rubriklistenbild: © brennweiteffm/Imago

