VonSina Eberhardtschließen
Jedes Jahr nehmen Tierheime vermeintlich hilfsbedürftige Igelbabys auf. Doch die Wildtiere benötigen nur in drei Ausnahmefällen Unterstützung.
Um sich eine ausreichend dicke Fettschicht für den Winterschlaf anzufuttern, sind zurzeit viele Igelbabys auf Nahrungssuche. Ein Verhalten, das für die stacheligen Gesellen völlig normal ist. Übereifrige Tierfreunde halten jedoch viele junge Igel für hilfsbedürftig und bringen sie in eine Pflegestelle. Somit landen jedes Jahr mehrere hundert Igel beim Hamburger Tierschutzverein von 1841 e.V. (HTV). 2022 waren es fast 600 Tiere – eine Tendenz, die sich auch in diesem Jahr wieder abzeichnet. Wann die Tiere wirklich Hilfe brauchen, erklären Dr. Urte Inkmann und Katrin Hallmeyer vom HTV.
Igel in Not? Drei Ausnahmen, wann die Wildtiere wirklich Hilfe brauchen
Was viele nicht wissen: Laut Bundesnaturschutzgesetz ist es grundsätzlich verboten, Igel aus der Natur zu entnehmen. „Die meisten Igel brauchen keine Starthilfe in ein selbstständiges Leben – im Gegenteil: Ein Jungtier muss lernen, Nahrung zu finden. Steht immer ein voller Napf vor der Nase, wird das Tier darauf trainiert und somit fehlgeprägt“, warnt Dr. Urte Inkmann, tierärztliche Leiterin und Tierheimleitung des HTV.
Grundsätzlich gilt: Igelfreunde sollten nur in bestimmten Ausnahmen und nach gewissenhafter Beobachtung eingreifen. „Oft werden Igel im Tierheim abgegeben, weil sie vermeintlich zu mager sind. Das stimmt aber nicht immer“, weiß Katrin Hallmeyer, Leiterin der HTV-Tieraufnahme, aus Erfahrung. Als einheimische Wildtiere sind sie nämlich bestens an die kalten Wintermonate angepasst. Nur eindeutig verletzte, kranke oder sehr schwache Igel benötigen Hilfe.
1. Igel ist verletzt oder krank
Fundorte wie Straßen oder Baustellen geben bereits Hinweise auf mögliche Verletzungen. Kranke Igel erkennt man daran, dass sie tagsüber herumliegen und mager sind. Den mangelhaften Ernährungszustand können Sie gut an der sogenannten Nackenfalte beziehungsweise an einer Einbuchtung am Hinterkopf erkennen. Außerdem verhalten sich die Tiere oft apathisch oder taumelig. Ebenfalls besorgniserregend sind ein starker Parasitenbefall mit Zecken und Flöhen sowie Fliegeneier oder geschlüpfte Maden.
2. Igel ist jung und verwaist
Halten sich Igelkinder tagsüber außerhalb ihres Nests auf, haben ihre Augen noch geschlossen und fühlen sich kühl an, ist das ein eindeutiger Hilferuf. Auf den ersten Blick kann man diese Tiere allerdings leicht mit älteren Jungigeln verwechseln, die auch tagsüber nach Nahrung suchen. Der Unterschied: Sie sind selbstständig lauffähig, haben die Augen geöffnet und bereits ein vollständiges Fell- und Stachelkleid entwickelt.
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3. Igel läuft bei Dauerfrost oder Schnee herum
Draußen herrschen eisige Temperaturen und Sie haben tagsüber einen Igel entdeckt? Dabei könnte es sich um ein krankes oder geschwächtes Alttier handeln. Häufig sind es auch Jungtiere, die zu spät geboren wurden, um sich ein ausreichendes Fettpolster für den Winterschlaf zuzulegen. Für die Witterung ist es allerdings noch zu früh. „Gewichtsangaben für den Frühherbst als Hochrechnung für das Überwinterungspolster sind unseriös, da die Fortpflanzungsperiode gerade erst anfing und ein Jungigel bis zu 100 Gramm die Woche zulegen kann. Ein ausgewachsener Igel aus dem Vorjahr ist mit aktuell 500 Gramm besorgniserregend dünn, ein Jungigel mit diesem Gewicht ist dagegen ausreichend gut genährt“, erklärt Dr. Urte Inkmann.
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Igeln im natürlichen Lebensraum helfen – „unaufgeräumter“ Garten und passendes Futter
Wer den Wildtieren helfen möchte, kann seinen Garten im Herbst tierfreundlich gestalten. Hier ist weniger oft mehr. „Man tut den Igeln einen großen Gefallen, wenn man Laubhaufen im Garten liegenlässt – dort können die Tiere einerseits sicher schlafen und finden andererseits ausreichend Nahrung“, gibt Katrin Hallmeyer einen Tipp. Als Unterschlupf für Igel eignen sich außerdem folgende Naturmaterialien:
- alte Baumstümpfe
- Hecken
- Holzstapel
- Reisig
- Holzverschnitt
- fachgerechte Igelhäuser
Sind die Möglichkeiten im eigenen Garten begrenzt, kann man für die Igel etwas Futter bereitstellen und ihnen damit die Nahrungssuche erleichtern. „Sinnvoll sind nur getreidefreies Katzen-Feuchtfutter mit einem Fleischanteil von mindestens 60 Prozent, sowie Insekten. Zudem sollte Wasser immer bereitstehen“, erklärt Katrin Hallmeyer. Lebensmittel wie Milch, Obst, Gemüse, rohe Eier oder gewürzte Lebensmittel gehören dagegen nicht auf den Speiseplan der nachtaktiven Insektenfresser.
Rubriklistenbild: © Andrew Mason/Imago

