Rührendes Video

Zum ersten Mal im Leben: Schimpanse Vanilla sieht nach 28 Jahren den Himmel

  • schließen

Die 28-jährige Schimpansin Vanilla hat zum ersten Mal in ihrem Leben den Himmel erblickt. Als Versuchstier eines medizinischen Labors kannte sie bisher nur das Leben in Gefangenschaft.

Etwas ängstlich blickt sie nach oben, dann lässt sie sich in die liebevollen Arme ihres Artgenossen Dwight fallen und drückt sich schließlich fest an ihn – als würde sie Kraft tanken wollen für das, was ihr gleich bevorsteht. Sicher gelandet, blickt Schimpansin Vanilla schließlich ungläubig nach oben. Für die betagte Primaten-Dame muss es das bisher schönste Erlebnis in ihrem ganzen Leben gewesen sein: Nach 28 Jahren in Gefangenschaft durfte sie nun endlich den Himmel sehen.

Leben in Gefangenschaft: Schimpansin Vanilla kannte nichts anderes

Vanilla musste ihre ersten Lebensjahre ohne Tageslicht und eingesperrt in einen winzigen Käfig im „Labor für experimentelle Medizin und Chirurgie bei Primaten“ (LEMSIP) in Tuxedo, New York verbringen. Nach ihrer Geburt in Gefangenschaft wurde sie sofort von ihrer Mutter getrennt und musste ihre Kindheit unter grausamen Bedingungen zubringen. Auch die Umsiedelung in eine kalifornische Auffangstation verbesserte die Situation für den Menschenaffen nur bedingt. Zwar lebte Vanilla hier gemeinsam mit Artgenossen, doch von einer artgerechten Haltung war das Schimpansen-Weibchen dort weit entfernt: Ohne ein Außengehege mit Gras, stattdessen in einem Käfig mit Erd- und Betonboden, umgeben von Maschendrahtzaun, fristete Vanilla auch hier ein trostloses Dasein.

Noch mehr spannende Tier-Themen finden Sie im kostenlosen Partner-Newsletter von Landtiere.de, den Sie gleich hier abonnieren können.

Erst dank „Save the Chimps“, einer der größten Schimpansenauffangstationen der Welt, wendete sich das Leben der tapferen Schimpansin zum Guten. Auf dem riesigen Gelände in Florida darf Vanilla nun der Rest ihres Lebens verbringen – und zum ersten Mal überhaupt das Himmelsgewölbe über sich bestaunen. Ein Video, aufgenommen und veröffentlicht von „Save the Chimps“, hat den magischen Moment festgehalten. Weltweit hatten die Medien über Vanillas Geschichte und ihre Neuentdeckung berichtet – und damit die Herzen zahlreicher Menschen berührt. Bereits mehr als 1,2 Millionen Aufrufe verzeichnet das YouTube-Video der Tierschutzorganisation aktuell.

Tierschutzorganisation „Save the Chimps“

„Save the Chimps“ ist weltweit eine der größten Schimpansenauffangstationen. Sie bietet bedürftigen Schimpansen Zuflucht und liebevolle Pflege. „Save the Chimps“ betreut Schimpansen, die aus Forschungslabors, dem Tierhandel und der Unterhaltungsindustrie gerettet wurden, meist ihr Leben lang.

Schimpansen-Dame Vanilla sieht Himmel über sich – zum ersten Mal

Es ist nicht nur der Himmel, den die erstaunte Schimpansin das erste Mal erblickt. Auch Gras ist ihr neu. Im Video ist zu sehen, wie sie es zum ersten Mal in ihrem Leben berührt. Im Interview mit der New York Post berichtet Dan Mathews, der Leiter der Abteilung für Veranstaltungen und Sonderprojekte der Rettungsstation, von Vanillas besonderen ersten Minuten in ihrem neuen Zuhause: „Sie ist offensichtlich überglücklich, dass sie plötzlich in Freiheit ist.“

Nach einem Jahr in der Auffangstation, das sie in Quarantäne verbringen musste, durfte die zunächst verängstigte Primaten-Dame vor Kurzem zum ersten Mal in ihren 28 Lebensjahren ins Freie. Wie Mathews erzählt, sei Vanilla anfangs nicht sicher gewesen, ob sie überhaupt nach draußen gehen wollte. Doch dann kam ihr ein Artgenosse zur Hilfe: „Dwight, das Alphamännchen, das für die Schimpansen verantwortlich ist, hat sie mit offenen Armen nach draußen gelockt. Im Video sieht man, wie sie in seine Arme geht und ihn umarmt“, berichtet der Veranstaltungsdirektor.

Zögerlich tritt Vanilla ihre Erkundungstour durch das Gehege an. Von ihren Mitbewohnern ermutigt, betritt sie schon kurz darauf die Wiese und kann endlich ihre wohlverdiente Freiheit genießen. In der Auffangstation gibt es für die 12 Schimpansenfamilien weitläufige Inseln, die von Bächen umspült werden sowie allerlei Spielgeräte – und den Himmel. „Es ist eine Freude zu sehen, wie sie die Gesellschaft und die Freiheit genießen, die ihnen das Leben in der Zuflucht unter dem blauen Himmel bietet, den sie von Anfang an verdient haben“, erzählt Dan Mathews über die geretteten Primaten.

„Labor für experimentelle Medizin und Chirurgie bei Primaten“ (LEMSIP) in Tuxedo, New York

In dem US-Labor wurde unter grausamen Bedingungen an Schimpansen geforscht. Über die vorherrschenden Zustände berichtete „Save the Chimps“-Eventdirektor Dan Mathews gegenüber der New York Post: „Es war ein schreckliches Labor, gegen das Tierschützer jahrzehntelang protestierten.“ Die bekannte Primatenforscherin Jane Goodall habe es als Höllenloch bezeichnet und wollte dagegen vorgehen. „Die Schimpansen dort haben ferngesehen, nie das Licht der Welt erblickt.“

Weil sich die Experimente schwierig gestaltet hätten, habe man dort die Mütter von ihrem Nachwuchs trennen müssen. Über die grausamen Forschungsmethoden weiß Mathews: „Vanilla war eines der letzten Tiere, das hätte getestet werden können. Forscher nahmen Blut, führten Biopsien durch. Sie infizierten die Schimpansen mit verschiedenen Krankheiten, aber ich weiß nicht, ob auch Vanilla infiziert wurde.“ Unter furchtbaren Bedingungen mussten die Schimpansen ihre Tage in den Käfigen absitzen: „Die Tiere mit einem starken Geruchssinn wurden gezwungen, über Kot zu essen und zu schlafen.“

Einer Aufforderung des US-Landwirtschaftsministeriums, bessere Käfige anzuschaffen, sei die Firma aus finanziellen Gründen nicht nachgekommen. „Daraufhin wurde das Labor geschlossen und mehr als 100 Schimpansen mussten umgesiedelt werden“, so Mathews.

Blauer Himmel so weit das Auge reicht – im Zuhause für immer

Zu Vanillas Lieblingsbeschäftigungen zählt laut „Save the Chimps“ das Erforschen und Dinge herauszufinden. Ihre Persönlichkeit beschreibt die Tierschutzorganisation als „unabhängig, neugierig und intelligent.“ Endlich darf die gepeinigte Schimpansin ihren Lebensabend in größtmöglicher Freiheit genießen. Sie soll sich bereits gut eingelebt haben, oft Sonne tanken und Gefallen am Seilschwingen gefunden haben.

Hier kommen die tierischen Lebensretter: Elf Tiere, die Gefahren erkennen, bevor wir es tun

Nahaufnahme einer Fruchtfliege, die auf einer Bananenschale sitzt.
Fruchtfliegen riechen Brustkrebszellen. Forscher haben herausgefunden, dass diese Fliegen ein umfassendes Duftriechsystem haben. Für eine zuverlässige Diagnose muss nicht einmal ein Training erfolgen: Die Fruchtfliegen „erriechen“ die erkrankten Zellen einfach. (Symbolbild) © Daniel Naupold/picture alliance
Eine Riesenhamsterratte wird auf strohigem Boden mit einem kleinen Geschirr geführt. Sie streckt ihre Nase in den Wind, ganz so als ob sie im Moment der Aufnahme etwas riechen würden.
Riesenhamsterratten erkennen Tuberkulosebakterien am Geruch: Die Ratten, die etwa so groß sind wie Kaninchen, haben dementsprechend eine besonders lange Schnauze. Die Ausbildung zur „Riech-Ratte“ startet, wenn die Tiere vier Wochen alt sind. Dabei werden sie auf viele verschiedene Gerüche trainiert. Im Verlauf von sechs bis neun Monaten wird dann das Erkennen von Tuberkulosebakterien mit einem Klicker belohnt – auf das Geräusch folgt eine leckere Belohnung, beispielsweise eine Banane. Eine fertig ausgebildete Riesenhamsterratte überprüft in zweiter Instanz innerhalb von rund 20 Minuten mehr als 100 Proben auf Tuberkulose. Eine solche Karriere dauert bis zu sieben Jahren und hilft dabei, die Eindämmung der Infektionskrankheiten einzudämmen. (Symbolbild) © picture alliance/dpa
Ein Hund mit cremefarbenem Fell streckt seine Hundenase prominent in den Fokus des Bildes.
Der beste Freund der Menschen kann gleichzeitig zu seinem Lebensretter werden. Denn: Hunde können Krebs erschnüffeln. Mit ihren bis zu 300 Millionen Riechzellen gelingt es den Fellnasen oft, den Krebs zu erkennen, noch bevor der Patient Symptome entwickelt hat. Die Profi-Schnüffler haben eine Erfolgsrate von bis zu 72 Prozent und sind häufig Lebensretter, da beispielsweise Lungenkrebs nur im frühen Stadium erfolgreich behandelt werden kann. Auch Diabetes, Epilepsie, Malaria, Parkinson oder COVID-19 können von Hunden durch ihr feines Riechorgan identifiziert werden. In der Pandemie hatten sich die Fellnasen außerdem beim Erriechen von Corona-Infektionen bewährt gemacht. Mit einer Genauigkeit von bis zu 94 Prozent waren ihre Ergebnisse präziser als die von manchen Antigen-Tests mit nur 72 Prozent. (Symbolbild) © Stephan Schulz/Imago
Ein Hund mit länglichem braunen Fell schnuppert an einem Rehkitz, das keine Angst zu haben scheint und dem Hund vertraulich zugewandt ist.
Hunde erkennen nicht nur beim Menschen Krankheiten. Auch bei anderen Tieren gelingt es ihnen, Erkrankungen zu erschnüffeln. Bei Cerviden (beispielsweise Rehe, Hirsche, Rentiere, Elche) können sie eine besonders grausame Krankheit feststellen: die Chronic Wasting Disease (CWD), eine infektiöse und degenerative Erkrankung, die das Gehirn der betroffenen Tiere befällt und tödlich enden kann. © blickwinkel/Imago
Eine getigerte Katze liegt entspannt auf einem Bett. Sie hat ihre Augen halb geschlossen und streckt die Beine von sich. Der Untergrund scheint ein Fell zu sein.
Einzelne Katzenbesitzer berichten immer wieder von den feinsinnigen Fähigkeiten ihrer Samtpfoten. Ein faszinierendes Beispiel dafür ist Katze Missy aus England: Sie soll sich wiederholt auf Frauchens Brust gelegt haben – und damit genau die Stelle gefunden haben, an der sich ein Tumor gebildet hatte. Eine andere, beinahe unheimliche Fähigkeit hat Kater Oscar aus den USA: Er wohnt in einem Seniorenheim und legt sich genau zu jenen Patienten aufs Bett, die nur noch wenige Stunden zu leben haben. Seine Prognosen sind derart präzise, dass das Personal sogar die Angehörigen informiert, sobald Oscar sich auf einem Bett einrollt. Wissenschaftliche Belege für diese Fähigkeiten gibt es bis dato keine. (Symbolbild) © Sabine Fallend/Imago
Eine mikroskopische Aufnahme zeigt einen Fadenwurm vor einem hellblauen Untergrund.
Kaum sichtbar und doch so wichtig: Fadenwürmer gelingt offenbar die Identifizierung von Krebs. In verschiedenen Studie hatten die Forschenden festgestellt, dass sich die Fadenwürmer auf Bauchspeicheldrüsen- und Brustkrebszellen zubewegten, während sie sich von den gesunden Zellen fernhielten. © blickwinkel/Imago
Ein länglicher Käfer sitzt auf einem Stück Holz. Sein Körper ist schwarz und hat größere weiße Punkte.
Keine Krankheit, aber ebenso eine lauernde Gefahr für Menschen: Waldbrände, die sich der Zivilisation oft rasend schnell nähern. Einige Käferarten, beispielsweise der Schwarze Kiefernprachtkäfer, besitzt die Fähigkeit, brennende Wälder aus bis zu 80 Kilometern Entfernung zu erkennen. Forscher haben herausgefunden, dass er diese hören kann. Sein Mechanismus könnte sogar sehr viel schneller auf Brände ansprechen als industrielle Infrarotsensoren.(Symbolbild) © blickwinkel/Imago
Eine Honigbiene fliegt vor grasgrünem Hintergrund eine lila Blüte an. Ihre Beine sind vollgepackt mit Blütenpollen.
Fleißig und hochmodern unterwegs: Honigbienen sind nicht nur in ihrer Funktion als Bestäuber unersetzlich, sondern haben sich auch während der Pandemie als nützlich erwiesen. Forscher haben 2021 herausgefunden, dass Bienen COVID-19 diagnostizieren können. Dank des Trainings, das nur wenige Minuten dauert, versprechen sich Experten hohe Erfolg im Kampf gegen Corona. In abgelegenen Gebieten könnten sie dazu beitragen, die Testmethodik zu erleichtern.  © Panthermedia/Imago
Mehrere dunkle bis schwarze Ameisen sind auf einem hölzernen Untergrund zu erkennen.
Die Grauschwarze Sklavenameise ist mehr als nur eine fleißige Arbeiterin. Sie kann Brustkrebszellen anhand des Urins erkennen. Nach einem Training setzt ihre feine Ameisennase nutzbringend ein. (Symbolbild) © blickwinkel/Imago
Eine V-förmige Formation von Zugvögeln fliegt vor blauem Himmel in die Ferne.
Eine Fähigkeit, die viele Menschenleben retten könnte, wurde bei der Beobachtung der Flugrouten von Zugvögeln entdeckt. Auf eine abrupt geänderte Flugroute folgte beispielsweise einige Tage später ein Sturm in der observierten Region. Die Vögel erlangten demzufolge bereits früher Kenntnis über zukünftige Ereignisse. Damit sind sie als eine Art Frühwarnsystem im Besitz einer Ahnung, die uns Menschen vor zahlreichen Naturkatastrophen retten könnte. Forscher nehmen an, dass die Vögel den Infraschall wahrnehmen können, der von heftigen Stürmen produziert wird und von Menschen nicht wahrgenommen werden kann. (Symbolbild) © Panthermedia/Imago
Eine große, pink-rosa Qualle, schwimmt in tiefblauem Wasser.
Und sie könnte die Erlösung von allen Krankheiten sein: Eine spezielle Quallen-Art, die Turritopsis dohrnii, begeistert die Welt der Wissenschaft. Ihre Besonderheit: Sie ist unsterblich. Hat die Qualle ihren Lebenshöhepunkt erreicht, stirbt sie nicht, sondern verwandelt sich wieder in ihren Anfangszustand. Der frische Lebenszyklus beginnt mit neuen Tentakeln und einem geschrumpften Körper. Die Qualle kann diesen Kreislauf beliebig oft wiederholen und gilt somit als unsterblich. Manche Forscher nehmen an, dass der Mensch diese Fähigkeit eines Tages übernehmen könnte. Hinweis: Die Qualle auf dem Foto ist keine Turritopsis dohrnii. (Symbolbild) © Panthermedia/Imago

Dan Mathews verrät: „Sie scheint begeistert zu sein, ihre eigene Welt zu haben. Endlich das, was einem natürlichen Lebensraum am nächsten kommt. Sie liebt es.“ Im Schimpansenreservat kann Vanilla nun, so lange wie sie möchte, in den blauen Himmel über ihr schauen. Oder wie „Save the Chimps“ auf der Homepage schreibt: „Von nun an nichts als blauer Himmel.“ Laut Mathews bleibt Vanilla ausreichend Zeit, um ihr Leben fortan zu genießen: Ganze 30 bis 40 Jahre habe sie laut dem Mitarbeiter in ihrem neuen Zuhause für immer noch vor sich.

 

Rubriklistenbild: © Save the Chimps/YouTube

Kommentare