VonNatalie Hull-Deichselschließen
Scharlach, Masern, Mumps, Röteln sowie Windpocken gelten als Kinderkrankheiten. Diese Erkrankungen können Komplikationen und Spätfolgen mit sich bringen, gerade auch für Erwachsene.
Infektionskrankheiten wie Scharlach, Röteln, Windpocken oder Masern werden häufig als sogenannte Kinderkrankheiten zusammengefasst, da sie sich aufgrund der hohen Ansteckungsgefahr schnell verbreiten können, sodass die meisten Menschen bereits als Kind daran erkranken. Erwachsene können diese Erkrankungen jedoch ebenfalls durchmachen, häufig sogar mit schwererem Verlauf, sollten sie nicht als Kind bereits daran erkrankt sein oder einen Impfschutz dagegen besitzen.
Anders als bei in der Regel gut ausheilenden Erkrankungen wie Kopfbefall von Läusen, Hand-Fuß-Mund-Krankheit oder Drei-Tage-Fieber können Infektionen durch vermeintliche Kinderkrankheiten sowohl für Kinder als auch Erwachsene schwer verlaufen und mit Komplikationen oder gar Spätfolgen verbunden sein. Das Robert-Koch-Institut (RKI) spricht daher regelmäßig öffentlich Empfehlungen aus.
Masern, Mumps, Röteln, Windpocken und Scharlach: Schwere Verläufe sind möglich
Die wohl bekanntesten Kinderkrankheiten sind Masern, Mumps, Röteln, Windpocken und Scharlach, die jeweils durch ein Virus oder Bakterien wie Streptokokken hervorgerufen werden und sich schlagartig verbreiten können. Die meisten sind mit zum Teil hohem Fieber und grippeähnlichen Symptomen sowie schmerzhaftem und juckendem Hautausschlag verbunden – erhabene, rote Bläschen zeigen sich etwa bei Windpocken, bei Masern eher großflächige, rote Flecken, Scharlach ist von roten Papeln begleitet.
Diese Viren und Bakterien machen uns krank




Scharlach: Streptokokken-Infektion kann schwere Folgen wie Meningitis und Schock-Syndrom hervorrufen
Scharlach gilt als klassische Kinderkrankheit und gehört zu den häufigsten bakteriellen Infektionskrankheiten in dieser Altersgruppe, so die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Scharlach ist hochansteckend und wird durch sogenannte A-Streptokokken hervorgerufen. Typische Symptome sind eine schwere Halsentzündung sowie ein großflächiger Hautausschlag. Das Scharlachexanthem, bestehend aus Papeln, beginnt ca. am zweiten Krankheitstag am Oberkörper und kann sich unter Aussparung des Mund-Kinn-Bereichs (sogenannte periorale Blässe), der Handinnenflächen und Fußsohlen über den ganzen Körper ausbreiten, laut Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) aus. Zu den zusätzlichen Symptomen gehört auch die bekannte Himbeerzunge, die rot belegt ist und sich später schält. Der Hautausschlag geht nach ca. sechs bis neun Tagen zurück. Einige Tage danach kommt es häufig zur Abschuppung der Haut, insbesondere der Handinnenflächen und Fußsohlen.
Die Bakterien entwickeln bei jeder Infektion verschiedene Giftstoffe, sogenannte Toxine, wodurch es möglich ist, mehrfach an Scharlach zu erkranken, insbesondere in der kälteren Jahreszeit zwischen Oktober und März. Eine Immunität wird immer nur gegen das bei der durchlaufenen Infektion vorherrschende Toxin entwickelt.
Wird eine Scharlach-Infektion nicht möglichst schnell mit Antibiotikum behandelt, kann sie gerade bei Erwachsenen zu schweren Komplikationen und Spätfolgen führen. Dazu zählen beispielsweise chronische Gelenkbeschwerden (Polyarthritis), Lungenentzündung, Herzmuskelentzündung (Endokarditis), Nierenschäden, Hirnhautentzündung (Meningitis) oder rheumatisches Fieber mit möglichem tödlichen Ausgang führen, wie Dr. Ursula Marschall, leitende Medizinerin bei der BARMER erläutert.
Das gefürchtete Streptokokken-Toxic-Shock-Syndrom (STSS) oder Toxisches Schocksyndrom (TSS) kann entstehen, wenn Streptokokken der Gruppe A oder auch Staphylococcus aureus in die Blutbahn gelangen, eine Blutvergiftung hervorrufen und durch die Giftstoffe im Körper zu einem Multiorganversagen führen. Über 30 Prozent der Fälle würden dadurch tödlich enden, so das RKI. Die Infektion kann sich von innen nach außen ausbreiten, so zu Wundbrand führen und Gewebe absterben lassen. Um betroffene Patienten zu retten, hilft in den meisten Fällen nur mehr die Amputation von betroffenen Gliedmaßen.
Weitere Auslöser für das Toxische Schocksyndrom können sein:
- Verwendung hochsaugfähiger Tampons, die nicht regelmäßig gewechselt werden
- Eine operative Einschnittstelle, die sich infiziert
- Eine Infektion nach der Geburt bei Frauen im Uterus
- Nach einer Nasenoperation – durch Mullbinden, die den Sekretfluss auffangen
- Bei normalerweise gesunden Menschen, die eine durch Streptokokken der Gruppe A hervorgerufene Hautinfektion erleiden
Wegen des raschen und potenziell tödlichen Verlaufes ist es bei einem sich entwickelnden Toxischen Schocksyndrom durch A-Streptokokken besonders wichtig, so früh wie möglich eine intensivmedizinische Behandlung durchzuführen.
Masern-Infektion: Welche schweren Verläufe und Spätfolgen durch das Virus möglich sind
Da schwere Krankheitsverläufe bei Masern nicht selten sind, gilt mittlerweile in Deutschland eine Impfpflicht für all jene, die öffentliche Einrichtungen wie Kitas und Schulen besuchen oder dort tätig sind. Auch Mitarbeiter in Flüchtlingsunterkünften, Arztpraxen sowie Krankenhäusern müssen gegen die Infektionskrankheit nachweislich geschützt sein, um auch andere wie Babys und Kleinkinder unter zwei Jahren sowie Menschen mit schwachem Immunsystem zu schützen.
Masern verlaufen in zwei Krankheitsphasen: zunächst zeigen Betroffene Fieber, Erkältungssymptome beispielsweise Gliederschmerzen sowie mitunter stark lichtempfindliche Augen bis hin zur Bindehautentzündung, insbesondere bei Erwachsenen. Zum Teil entwickeln Kinder wie Erwachsene weiße Belege auf der Schleimhaut im Mund, sogenannte „Kopliksche Flecken“. Erst nach zwei bis ca. vier Tagen kommt es in der Regel zur zweiten Phase der Erkrankung: Der ganze Körper – beginnend im Gesicht und hinter den Ohren – wird von dem typischen Hautausschlag, den hellroten, nicht juckenden, ineinander übergehenden Flecken übersät.
Masern können bei Kindern zwar auch ohne schwere Symptome verlaufen, bei Babys und Erwachsenen ist das Risiko für Komplikationen jedoch besonders hoch. Da Masernviren das Immunsystem über Monate stark schwächen können, sind Folgeerkrankungen wie Mittelohr- und Lungenentzündungen möglich. Im schlimmsten Fall kann es zu einer gefährlichen Gehirnentzündung, der postinfektiösen Enzephalitis, oder einer Masern-SSPE, die sogenannte Subakute Sklerosierende Panenzephalitis, als Spätfolge der Masern kommen, wie das RKI warnt.
Windpocken: Hochansteckende Virusinfektion, die bei Erwachsenen häufig schwerer verläuft
Windpocken sind eine Infektionskrankheit, von der in erster Linie Kinder betroffen sind. Sie wird durch das Varizella-Zoster-Virus hervorgerufen, bei dem es sich um eine Form von Herpes handelt. Bei Neugeborenen und Personen mit geschwächter Immunabwehr können sich schwere Krankheitsverläufe entwickeln, zum Teil auch mit tödlichem Ausgang. Eine schwere Form der Windpocken kann sich aber auch bei sonst gesunden Kindern einstellen. Die Bedeutung der Windpocken ergibt sich vor allem aus der Gefahr möglicher Komplikationen, wie der bakteriellen Superinfektion der Hautentzündungen, meist verursacht durch Streptokokken.
Eine sehr schwerwiegende Komplikation ist die Varizellen-Pneumonie, eine Lungenentzündung, die bei Erwachsenen häufiger auftritt als bei Kindern und die sich ca. drei bis fünf Tage nach Ausbruch der Windpocken entwickeln kann. Schwangere Frauen sind besonders gefährdet, so das Robert-Koch-Institut. Wer an Windpocken erkrankt, kann auch später immer wieder eine sogenannte Gürtelrose entwickeln, die ebenfalls schwere Komplikationen wie eine Gehirnentzündung nach sich ziehen kann.
Röteln: Gefahr für Frauen in der Schwangerschaft, schwere Komplikationen möglich bei Erwachsenen
Schwangere Frauen sind auch dann gefährdet, wenn es um mögliche Spätfolgen durch das Röteln-Virus geht. Besonders groß ist das Risiko für den Fötus in den ersten Wochen der Schwangerschaft durch eine sogenannte Röteln-Embryopathie. Dadurch kann es zu einer Fehlgeburt oder erheblichen Behinderungen des Kindes kommen. Je früher sich eine Frau in der Schwangerschaft mit dem Röteln-Virus ansteckt, desto schwerwiegender sind die Komplikationen. Der einzige Schutz für die Schwangere sind letztlich Antikörper, die sie selbst aufgrund einer Röteln-Infektion vor der Schwangerschaft oder durch eine Impfung entwickeln konnte. Gleichzeitig ist die Gefahr von Spätfolgen für das Ungeborene minimiert, je mehr Kinder und Erwachsene im Umfeld das Röteln-Virus nicht mehr weitergeben können – sei es durch eine bereits überstandene Infektion oder durch eine Impfung gegen Röteln.
Weitere mögliche Komplikationen – gerade bei Jugendlichen und Erwachsenen – sind:
- Bronchitis
- Mittelohrentzündung
- Gelenkschmerzen
- Gehirnentzündung, sogenannte Enzephalitis
- Herzmuskelentzündung
- Herzbeutelentzündung
Das Röteln-Virus wird über feinste Tröpfchen beim Sprechen, Husten oder direktem Schmierkontakt übertragen.
Mumps: Eine Infektion kann zu Unfruchtbarkeit bei Männern führen
Zu einer Übertragung des Mumps-Virus und einer Ansteckung kommt es durch Tröpfcheninfektion und direkten Speichelkontakt, seltener durch mit Speichel kontaminierten Gegenständen. Die Erkrankung macht sich zunächst durch grippeähnliche Symptome wie Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Fieber bemerkbar, woraufhin eine sehr schmerzhafte, entzündliche Schwellung der Ohrspeicheldrüsen – einseitig oder beidseitig – folgt. Im Rahmen der Erkrankung kann eine Reihe von Komplikationen auftreten, so das Robert-Koch-Institut, die mit steigendem Alter häufiger werden. Eine Erkrankung des Gehirns und Zentralen Nervensystems (ZNS), von der männliche Erkrankte häufiger betroffen sind als weibliche, gehört nach der Speicheldrüsenentzündung zu den häufigsten Komplikationen.
Eine weitere Komplikation besteht bei jugendlichen oder erwachsenen Männern: 15 bis 30 Prozent der Erkrankten entwickeln eine Infektion der Hoden (Orchitis), die in seltenen Fällen auch zu einer anhaltenden Unfruchtbarkeit führen kann. Bei Frauen hingegen kann es im Rahmen der Mumps-Infektion bei ca. 30 Prozent zu einer Brustdrüsenentzündung (Mastitis) oder in etwa fünf Prozent der Fälle zur Entzündung der Eierstöcke (Oophoritis) kommen. Ca. vier Prozent der Patienten erkranken in Folge an einer Bauchspeicheldrüsenerkrankung (Pankreatitis), Nierenentzündung (Nephritis) oder Herzmuskelentzündung. Eine Mumps-Enzephalitis kann bei 1,5 Prozent der Fälle tödlich verlaufen.
Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion nicht beantwortet werden.
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