Probefahrt über 1.600 Kilometer

„Gelegentlich gefährlich unfähig“: Kritische Situationen bei Tesla-„Autopilot“-Test

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1.600 Kilometer legten Tester mit der aktuellsten „Full Self-Driving“-Variante eines Teslas zurück. Sie waren größtenteils „beeindruckt“ – und genau das sei die große Gefahr.

Wie gefährlich ist Teslas „Autopilot“ wirklich? Die Technik ist hochumstritten – denn es handelt sich (trotz des Namens) lediglich um ein Assistenzsystem, das ständig vom Fahrer überwacht werden muss. Auch in der höchsten Ausbaustufe namens „Full Self-Driving“ (FSD) ist das nicht anders. Immer wieder kommt es mit dem System zu kritischen Situationen, wie beispielsweise „Phantombremsungen“, derentwegen auch ein deutscher Tesla-Kunde vor Gericht klagt. Nun hat ein US-Automobilforschungsunternehmen die neueste Version des FSD getestet – und ein drastisches Fazit gezogen.

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Teslas FSD wiegt Kunden laut den AMCI-Testern in falscher Sicherheit

Rund 1.000 Meilen (umgerechnet etwa 1.600 Kilometer) waren die Experten von AMCI mit einem Tesla Model 3 Performance mit der neuesten FSD-Version an Bord unterwegs. Laut ihrem Bericht ging es dabei durch die Stadt, über Landstraßen, Bergstraßen und Autobahnen. 75 Mal mussten die Fahrer im Testzeitraum manuell eingreifen – sprich also alle 21 Kilometer. Das Tückische am FSD-„Autopilot“: Er funktioniert laut den Experten über weite Strecken, insbesondere für ein kamerabasiertes System, „beeindruckend“ – was die Fahrer aber in falscher Sicherheit wiege. Denn in manchen Fällen scheitert das FSD – und dann wird es hochkritisch.

Ein US-Automobilforschungsunternehmen hat die neueste FSD-Version von Tesla auf rund 1.600 Kilometern getestet. Es kam zu einigen kritischen Situationen. (Symbolbild)

Kritische Situationen: Tesla überfährt eine rote Ampel und doppelt durchgezogene Linien

Unter anderem überfuhr das Model 3 der Tester nachts eine rote Ampel (im YouTube-Video weiter unten zu sehen), ein anderes Mal blieb der Tesla an einer grünen Ampel stehen, während die anderen Fahrzeuge weiterfuhren. Auf einer kurvenreichen Landstraße überfuhr das Elektroauto eine doppelt durchgezogene gelbe Linie und geriet in den Gegenverkehr – der menschliche Fahrer musste eingreifen. Das Tester-Fazit zum FSD: „Überraschend fähig, aber gleichzeitig problematisch (und gelegentlich gefährlich unfähig)“.

„Scheinbare Unfehlbarkeit“: Warum Teslas FSD laut den Testern so gefährlich ist

Die „scheinbare Unfehlbarkeit in den ersten fünf Minuten des FSD-Betriebs erzeugt ein Gefühl der Ehrfurcht, das unweigerlich zu gefährlicher Selbstgefälligkeit führt“, erklärt Guy Mangiamele, Leiter von AMCI Testing. Doch: „Wenn Fahrer mit aktiviertem FSD fahren, ist es unglaublich gefährlich, mit den Händen im Schoß oder vom Lenkrad weg zu fahren.“ Am beunruhigendsten sei, dass man das FSD viele Male dabei beobachten könne, wie es ein bestimmtes Szenario erfolgreich bewältige – oft auf demselben Straßenabschnitt oder an derselben Kreuzung –, nur um es beim nächsten Mal unerklärlicherweise scheitern zu sehen.

Zeitenjagd auf Nordschleife: Diese 10 Elektroautos waren am schnellsten

Porsche Taycan Turbo auf der IAA.
Platz 9 – Porsche Taycan Turbo: Die Zuffenhausener sind fast schon Stammgast in der Eifel. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis man nach dem Rekord für in Serie gebaute Elektroautos greift. Und so schickten die Schwaben 2019 einen Vorserien Taycan Turbo auf die Nordschleife. Die offizielle Zeit: 7:42,3. Ein neuer Rekord! Übrigens: Der BMW M4 CS der vorherigen Generation war genauso schnell. © Manfred Segerer/Imago
Tesla Model S
Platz 8 – Tesla Model S Plaid: Wo es um Elektroautos geht, ist Tesla nicht weit weg. Und so wollten die Amerikaner auch den Rundenrekord auf der Nordschleife. Um Porsche abzulösen, schickte man 2021 das Model S Plaid ins Rennen. Mit Erfolg: Das 1.020 PS starke Elektroauto durchquerte die Grüne Hölle in 7:35,5 Minuten. Es war der Anfang eines Duells um die Bestzeit. © Tesla
Porsche Taycan Turbo S auf der Nordschleife.
Platz 7 – Porsche Taycan Turbo S: Nur ein Jahr später schickte sich Porsche an den Tesla-Rekord zu knacken. Dieses Mal sollte es der Taycan Turbo S richten. Und er pulverisierte die Bestmarke der Texaner. Mit 7:33,3 Minuten war er knapp zehn Sekunden schneller als das Model S Plaid. © Porsche
Tesla Model S auf der Nordschleife.
Platz 6 – Tesla Model S Plaid Track Pack: Im Jahr 2023 folgte dann ein weiterer Anlauf von Tesla. Dieses Mal war das Model S Plaid zusätzlich noch mit dem Track Pack ausgestattet. Perfekte Voraussetzungen für einen Trackday mit Rundenrekord. Und den schnappten sich die Texaner auch. Die Zeit: 7:25,2 Minuten. Satte 8,1 Sekunden schneller als Porsche. © Tesla
Toyota TMG EV P002 auf der Nordschleife.
Platz 5 – Toyota TMG EV P002: Der Name dieses Stromers ist ähnlich kryptisch, wie der des ersten Elektro-Toyotas bz4X. Dahinter verbirgt sich aber ein elektrischer Prototyp eines Rennautos mit 469 PS. Mit 7:22,32 stellte Toyota 2012 für kurze Zeit den Rekord für Elektroautos auf der Nordschleife auf. © Toyota Gazoo Racing Europe
Porsche Taycan Turbo GT auf der Nordschleife.
Platz 4 – Porsche Taycan Turbo GT: Und täglich grüßt das Murmeltier oder in diesem Fall Zuffenhausen. Im Januar 2024 schickte die VW-Tochter einmal mehr eine Vorserienversion des Elektrosportlers auf die Nordschleife, um den Tesla Rekord einzustellen. Und das gelang eindrucksvoll. Mit 7:07,5 Minuten blieb man nur knapp über sieben Minuten. Platz drei verpasste der Taycan um grade einmal 2,3 Sekunden. Zeitgleich war man knappe 18 Sekunden schneller als Dauerkonkurrent Tesla. © Sebastian Kubatz/Porsche
Rimac Nevera
Platz 3 – Rimac Nevera: Mit einer Zeit von 7:05,2 ist das Hypercar hauch dünn, das schnellste Serien-Elektroauto auf der Nordschleife. Die 1.088 PS haben bei der Rekordfahrt Ende 2023 sicherlich geholfen, um Porsche, Tesla und Co. hinter sich zu lassen. Den Sprint von null auf 100 schafft der Nevera in 1,7 Sekunden. Auch abseits der Grünen Hölle ist er somit eines der schnellsten Elektroautos auf dem Markt. Zudem hält der Sportwagen einen Weltrekord für die höchste Geschwindigkeit im Rückwärtsgang. © Cover-Images/Imago
NIO EP9
Platz 2 – NIO EP9: Auch wenn der Sportwagen zwischen 2016 und 2019 für etwa 1,55 Millionen Euro verkauft wurde, ein Serienfahrzeug ist er nicht. Lediglich zehn Exemplare wurden gebaut. Auf der Nordschleife durfte das 1.360-PS-Monster 2017 zeigen, was in ihm steckt. Und das ist einiges: Als erstes Elektroauto bezwang er die Grüne Hölle in unter sieben Minuten. Und zwar deutlich. Am Ende zeigte die Stoppuhr 6:45,9 Minuten. Beim ersten Versuch im Vorjahr blieb das Hypercar mit 7:05,12 Minuten noch knapp darüber. © Pond5 Images/Imago
Ein Lotus Elvija X auf der Nordschleife.
Platz 2 – Lotus Elvija X: Schon die Serienversion des Elektro-Hypercars ist beeindruckend. 2.039 PS katapultieren den Lotus Elvija in 9,1 Sekunden auf Tempo 300, das maximale Drehmoment beträgt 1.704 Newtonmeter. Daran hat sich auch bei der Nordschleifen-Version nichts geändert. Lediglich an der Aerodynamik hat Lotus geschraubt. Der Elvija X trägt einen massiven Heckflügel sowie einen ausgeprägten Frontsplitter und Luftleitbleche. Hinzu kommen Karbonbremsen und Rennreifen von Pirelli. Mit diesen minimalen Modifikationen brannte das Hypercar eine Zeit von 6:24,047 Minuten in den Asphalt der Grünen Hölle. Damit ist es das schnellste Auto mit Serienfahrwerk. © Lotus
VW ID.R auf der Nordschleife.
Platz 1 – VW ID.R: Noch bevor Volkswagen voll auf Elektro gesetzt hat, experimentierte man in Wolfsburg mit dem Alternativ-Antrieb herum. Heraus kam der ID.R. Mit 680 PS und weniger als 1.100 kg Gewicht war die Studie ein offensichtlicher Kandidat für den Elektro-Rekord in der Eifel. 2019 war es dann so weit und die Grüne Hölle war kein Gegner für den ID.R. Der Elektrorenner brauchte nur 6:05,3 Minuten für die Nordschleife. Damit ist er mit deutlichem Abstand der schnellste Stromer auf der Kult-Strecke. Einzig der Porsche 919 Hybrid Evo legte die 23 Kilometer schneller zurück. © Bildagentur Kräling/Volkswagen

Experten testen FSD: „Zweifel an der Gesamtqualität seiner Basisprogrammierung“

„Ob es an mangelnder Rechenleistung liegt, an einem Pufferproblem, wenn das Auto bei den Berechnungen ,hinterher‘ gerät, oder an einem kleinen Detail der Umgebungsbewertung, lässt sich nicht sagen“, so Mangiamele „Diese Fehler sind am heimtückischsten. Aber es gibt auch ständige Fehler aufgrund einfacher Programmiermängel, wie zum Beispiel, wenn der Spurwechsel zu einer Autobahnausfahrt erst knapp eine Zehntel Meile vor der Ausfahrt selbst beginnt, was das System behindert und Zweifel an der Gesamtqualität seiner Basisprogrammierung aufkommen lässt.“

Die Problematik der Bezeichnung „Autopilot“ und „Full Self-Driving“ für ein System, das nicht wirklich vollautonom fährt, ist schon länger bekannt. Zuletzt musste der US-Elektroautobauer mit seinen Versprechungen zurückrudern – und das Tesla-FSD bekam einen bedeutsamen Namenszusatz.

Rubriklistenbild: © Bihlmayerfotografie/Imago

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