VonSebastian Oppenheimerschließen
An Selbstbewusstsein mangelt es Elon Musk wahrlich nicht. Dennoch rudert sein Unternehmen Tesla nun bei den Versprechungen zum autonomen Fahren zurück.
Am Anfang herrschte die ganz große Euphorie – doch schon lange ist Teslas „Autopilot“ hochumstritten. Vor allem die höchste Ausbaustufe namens „Full Self-Driving“ führt immer wieder zu extrem kritischen Situation, wie kürzlich, als ein Mann mit seinem Tesla Model 3 fast mit einem Güterzug kollidierte – auch bei einer Testfahrt mit einem Analysten zeigte sich das Tesla-System oft überfordert und es kam beinahe zu einem Unfall. Vor allem die Bezeichnung als „Autopilot“ oder „Full Self-Driving“ ist extrem problematisch – nun ändert Tesla die Bezeichnung.
Namensänderung bei Tesla: „Full Self-Driving“ bekommt bedeutsamen Zusatz
Bereits mehrfach hatte Tesla bereits juristischen Ärger wegen der Bezeichnungen – denn diese implizieren deutlich mehr als System kann. Doch letzten Endes können die Fahrzeuge eben mitnichten vollautonom fahren, es handelt sich um Assistenzsysteme, die permanent vom Fahrer überwacht werden müssen. Nun hat Tesla in den USA die Art und Weise, wie es seine Full Self-Driving (FSD) Fähigkeiten vermarktet, angepasst – darauf weist das Portal Electrek hin. Im Konfigurator der US-Webseite ist jetzt die Bezeichnung „Full Self-Driving (Supervised)“‚ zu finden – in Klammern wird also „unter Aufsicht“ hinzugefügt. Bislang wurde das ganze als „Full Self-Driving Capability“ beworben – also dem „Potenzial“ für vollautonomes Fahren. Diese Umstellung deutet auf einen vorsichtigeren Ansatz hin, da das Unternehmen damit klarstellt, dass diese Funktionen eine aktive Überwachung durch den Fahrer erfordern.
Leere Versprechungen: Teslas „Full Self-Driving“ muss immer noch vom Fahrer überwacht werden
Elon Musk hatte wiederholt erklärt, dass Tesla-Fahrzeuge eines Tages Level-5-Autonomie erreichen würden, also vollständig autonom fahren können. Dieses Versprechen galt quasi auch rückwirkend: Für ältere Fahrzeuge (ausgestattet mit dem entsprechenden Paket) sollte dies per Software-Update möglich sein. Diese Erwartungen wurden jedoch bisher nicht erfüllt. Stattdessen erfordert das FSD-Paket immer noch eine aktive Überwachung durch den Fahrer. Diese Anpassung in der Wortwahl könnte eine Reaktion auf regulatorische Untersuchungen und Sicherheitsbedenken sein, die den Elektroauto-Hersteller in den letzten Jahren begleitet haben.
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Enttäuschte Kunden: Werden bereits gekaufte FSD-Teslas niemals vollautonom fahren?
Die Änderung der Vermarktung hat sowohl für Tesla-Besitzer als auch für Investoren erhebliche Bedeutung. Viele Kunden haben das FSD-Paket in der Hoffnung auf zukünftige Autonomie gekauft und könnten nun enttäuscht sein – und auch deshalb drohen Tesla juristische Konsequenzen. Zudem könnte der Wiederverkaufswert der Fahrzeuge betroffen sein, da das FSD-Paket in letzter Zeit extremen Preisschwankungen unterlag. Einst für 15.000 US-Dollar (umgerechnet rund 13.600 Euro, Stand: Mitte September 2024) angeboten, liegt der Preis inzwischen bei 8.000 US-Dollar (rund 7.260 Euro). Hat man seinen Tesla mit FSD vor der Preissenkung gekauft, mindert das natürlich den Wert des Fahrzeugs – was bei Kunden kaum auf Begeisterung stoßen dürfte.
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Trotz der Anpassungen plant Tesla, im Oktober ein spezielles Robotaxi vorzustellen, das vollständig autonom fahren können soll. Diese Veranstaltung wird als bedeutender Moment für das Unternehmen angesehen. Zudem plant Tesla, das System für autonomes Fahren im Jahr 2025 in Europa einzuführen, vorbehaltlich der behördlichen Zulassung. Ob diese Pläne die Erwartungen der Kunden und Investoren erfüllen werden, bleibt abzuwarten.
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