Schluss mit dem Herumgehopse

Gut sitzen auf dem Pferd: So klappt das Aussitzen im Trab

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Im Trab auszusitzen, bereitet selbst erfahrenen Reitern oft Probleme. Gründe dafür gibt es viele. Diese fünf Lösungsansätze können helfen.

Der Trab des Pferdes kann für den Reiter eine holprige Angelegenheit werden. Besonders, wenn es ums Aussitzen geht. Dabei bleibt der Reiter im Trab im Sattel sitzen und schwingt in der Hüfte in der Bewegung des Pferdes mit. Gerade bei Reitanfängern ist das Aussitzen unbeliebt, weil es anstrengend und unbequem erscheint. Doch genau das Gegenteil ist der Fall: Wenn Reiter und Pferd locker und ausbalanciert sind, kann Aussitzen sogar bequem sein.

Der Unterschied zwischen leichttraben und aussitzen

Damit das Aussitzen im Trab funktioniert, müssen Pferd und Reiter locker sein. Ein ausbalancierter, sicherer Sitz ist die Voraussetzung.

Beim Leichttraben steht der Reiter jeden zweiten Trabtritt des Pferdes im Sattel auf. Das macht es einfacher, in der Bewegung mitzugehen und entlastet das Pferd. Beim Aussitzen hingegen bleibt der Reiter mit dem Gesäß durchgehend im Sattel. Besonders am Anfang der Trainingseinheit ist Leichttraben sinnvoll. Das Pferd kann erst einmal warm werden und die Muskulatur lockern.

Genau das ist auch oft der Grund, warum das Aussitzen nicht klappt: Das Pferd ist nicht locker und hält sich im Rücken fest. Das macht die Bewegung hart und schwer zu sitzen. Ein lockeres Pferd hingegen hat weiche, schwungvolle Bewegungen, die für den Reiter in der Regel gut zu sitzen sind. Die Aussage, das Pferd habe zu viel Schwung und sei deshalb unbequem, stimmt demnach so nicht. Das Aussitzen erfordert jedoch vom Reiter einiges an Können. Der Sitz muss sicher und ausbalanciert sein, stabil und gleichzeitig flexibel. Dazu sind gute Bauchmuskeln und ein bewegliches Becken nötig.

Warum muss man überhaupt aussitzen?

Es lohnt sich, am Aussitzen zu feilen. Denn wer aussitzt, kann präzisere Hilfen geben und das Pferd besser darin unterstützen, mit den Hinterbeinen unter den Schwerpunkt zu treten. Letztendlich lässt sich so an der Lastaufnahme und Versammlung arbeiten. Ein Muss, wenn man reiterlich weiterkommen möchte. Übrigens kann man auch als Erwachsener noch reiten lernen.

Im Gegensatz zu den anderen Gangarten Schritt und Galopp ist der Trab ein schwungvoller Zweitakt. Das macht das Aussitzen durchaus anspruchsvoll. Wer Probleme mit dem Aussitzen hat, kann unterschiedlichen Lösungsansätzen nachgehen. Die gute Nachricht: Mit ein bisschen Übung und Training kann jeder Reiter lernen, auszusitzen. Natürlich sollte man vorher abklären, dass das Pferd keine Schmerzen hat und die Ausrüstung gut passt. Diese sieben Tipps für Reitanfänger erleichtern den Einstieg in das neue Hobby.

Lösungsansatz 1: Aufwärmübungen für den Reiter

Wer den ganzen Tag am Schreibtisch gesessen hat, wird abends kaum in der Lage sein, geschmeidig im Sattel zu sitzen. Deshalb sind Aufwärmübungen für den Reiter eine gute Möglichkeit, den Bewegungsapparat locker zu machen. Dazu kann man, kurz bevor man aufs Pferd steigt, die Arme und das Becken locker kreisen lassen. Wer mit dem Fahrrad zum Stall fährt, schlägt gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Man kommt aufgewärmt an und hat sein Becken bereits mobilisiert. So viel Reitergewicht kann ein Pferd tatsächlich tragen.

Lösungsansatz 2: Die Lösungsphase verlängern

Sanftmütige Begleiter: Diese zehn Pferderassen eignen sich für Reitanfänger

Haflinger
Haflinger sind die wohl bekannteste Pferderasse. Sie sind robust, vielseitig und haben ein sanftes Temperament. Aufgrund ihres freundlichen und umgänglichen Wesens eignen sie sich besonders gut für Reitanfänger. © IMAGO
Deutsches Reitpony
Der Name sagt es schon: Das Deutsche Reitpony ist ein idealer Reitbegleiter. Hauptsächlich wurde diese Rasse als Turnierpferd für Kinder und Jugendliche gezüchtet. Deutsche Reitponys sind geduldig, zuverlässig und lernwillig. Dank ihres sanften Charakters können sie auch als Therapiepferde genutzt werden. © IMAGO
Shetlandpony
Klein, aber robust: Shetland-Ponys eignen sich hervorragend für Kinder und Jugendliche, die mit dem Reiten anfangen. Tatsächlich können sie auch leichte Erwachsene tragen, denn trotz ihrer geringen Körpergröße sind Shetland-Ponys sehr stark. © Ade Zech/IMAGO
Zwei Island-Pferde
Island-Pferde zeichnen sich durch ihre besondere Gangart, den Tölt, aus. Dabei berühren drei Beine gleichzeitig den Boden. Dadurch sitzen Reiter noch fester im Sattel und können problemlos auch längere Strecken reiten. © Pablo Menendez/IMAGO
Noriker steht auf einer grünen Wiese.
Als Reitanfänger können schnell mal Fehler passieren. Dann ist es gut, dass Rassen wie der Noriker entspannt reagieren. Das Kaltblutpferd gilt als kräftig, gutmütig und ausgeglichen. © Imago
Welsh Cob
Der Welsh Cob ist ein vielseitiges Pony, das sowohl für Freizeit- als auch für Sportzwecke genutzt werden kann. Die Rasse beeindruckt mit ihrem imposanten und muskulösen Aussehen. Charakterlich kann der Welsh Cob mit seiner Geduld und Freundlichkeit punkten. © IMAGO
Fjordpferd auf einer Wiese
Gutmütig, kinderlieb, ruhig: Diese Attribute machen das Fjordpferd zum idealen ersten Reitbegleiter. Die Rasse stammt aus den westlichen Küstengebieten Norwegens und ist bekannt für ihre Trittsicherheit und Robustheit. Außerdem lernen die intelligenten Skandinavier schnell. © G. Lacz/Imago
Quarter Horse
Das Quarter Horse ist eine amerikanische Farm- und Western-Rasse. Doch nicht nur im Westernreiten brilliert dieses Pferd, es kann auch im Dressur- und Springsport eingesetzt werden. Aufgrund seiner schnellen Auffassungsgabe und umgänglichen Art kommt das Quarter Horse auch für Reitanfänger infrage. © IMAGO
Morgan Horse
Eine weitere beliebte Pferderasse aus den USA ist das Morgan Horse. Halter wissen vor allem den Arbeitswillen und die Zuverlässigkeit der Morgan-Pferde zu schätzen. Aufgrund ihrer Sanftmütigkeit sind sie außerdem gute Therapiepferde. © IMAGO
Connemara-Pony
Connemara Ponys gelten als robust, freundlich und intelligent. Die irische Rasse ist auch in hohen Lagen trittsicher unterwegs. Ihr genügsamer und ruhiger Charakter macht sie zum idealen Pferd für Reitanfänger. © G. Lacz/IMAGO

Als Lösungsphase bezeichnet man die Aufwärmphase des Pferdes im Training. Wenn sich das Aussitzen holprig anfühlt, kann das ein Zeichen dafür sein, dass das Pferd noch nicht locker ist. Man sollte also noch nicht mit der Arbeitsphase beginnen. Effektive Übungen, um das Pferd zu lösen, sind das Reiten von Übergängen, sowohl von Schritt und Trab als auch von Trab und Galopp. Bahnfiguren mit großen Bögen wie Schlangenlinien fördern Stellung und Biegung und somit auch die Losgelassenheit, Tempounterschiede im Trab und Galopp ebenso. Fortgeschrittene Reiter können ihr Pferd mit Schenkelweichen, also leichten Seitwärtsgängen, im Schritt und Trab zusätzlich mobilisieren.

Lösungsansatz 3: Langsam herantasten

Man muss nicht gleich mehrere Minuten am Stück aussitzen können. Wer Schwierigkeiten damit hat, sollte sich besser langsam herantasten und aus dem Leichttraben erst einmal zwei, drei Tritte aussitzen und dann wieder leichttraben. Wenn sich das Aussitzen gut anfühlt, kann man es nach und nach verlängern. Aber nicht übertreiben: Wer krampfhaft versucht, auszusitzen, hält sich fest. Das überträgt sich auch auf das Pferd, das dann ebenfalls verkrampft und den Rücken festhält. Das macht die Bewegungen hart und noch schwerer zu sitzen. Ein Teufelskreis.

Lösungsansatz 4: Steigbügel überschlagen

Das Steigbügel-Überschlagen wurde lange als Allheilmittel für vielfältige Probleme und Sitzfehler eingesetzt. Es kann auch sinnvoll sein, allerdings sollte man es nicht übertreiben. Vorteil des Überschlagens der Steigbügel ist, dass der Reiter tiefer im Sattel sitzt und sich nicht über die Steigbügel abstützt. Das kann dabei helfen, besser zum Sitzen und somit auch zum Mitschwingen und Aussitzen zu kommen. Allerdings neigen Reiter dazu, sich ohne Steigbügel mit den Knien am Sattel festzuklammern. Das wiederum blockiert das Becken und macht das Mitschwingen unmöglich. Wer ohne Steigbügel reiten möchte, sollte das erst nach der Lösungsphase machen und zunächst auf wenige Minuten beschränken. Ohne Sattel zu reiten, kann auch hin und wieder sinnvoll sein.

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Lösungsansatz 5: Lockere Gelenke

Gutes Aussitzen beginnt nicht, wie oft vermutet, im Becken des Reiters, sondern im Fußgelenk. Ist das Fußgelenk blockiert oder fest, kann die Bewegung des Pferdes nicht weiter durch den Körper des Reiters fließen. Dabei ist auch die Position des Fußes im Steigbügel entscheidend. Der Reiter muss den Steigbügel mit der breitesten Stelle seines Fußes aufnehmen und mit dem Absatz locker nach unten federn. Auch ein klemmendes Knie sorgt für Blockaden. Das Knie sollte möglichst locker am Sattelblatt anliegen und Bewegung zulassen. Um das Knie zu lockern, kann der Reiter sein Pferd anhalten und im Sattel beide Füße aus den Steigbügeln nehmen, seine Beine vom Pferd abspreizen und dann die Knie wieder locker ans Sattelblatt legen.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Dreamstime

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