Mehr Geld für Krankenkassen

Gutverdiener müssen mehr Sozialabgaben zahlen: Bas plant Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze

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Arbeitsministerin Bas plant, die Beitragsbemessungsgrenze zu erhöhen. Gutverdiener müssen ab 2026 mehr Sozialabgaben entrichten. Aus der Union kommt Kritik.

Berlin – Gutverdienerinnen und Gutverdiener müssen ab 2026 für die Krankenkasse voraussichtlich tiefer in die Tasche greifen. Das Bundesarbeitsministerium (BMAS) unter SPD-Ministerin Bärbel Bas hat am Freitag (5. September) einen Verordnungsentwurf zur Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenzen in den Sozialversicherungen an die anderen Ressorts geschickt. Der Entwurf, über den zuvor das Portal Politico berichtete, liegt der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vor.

Gutverdiener sollen ab 2026 höhere Sozialabgaben zahlen. (Montage)

Konkret soll die Beitragsbemessungsgrenze in der allgemeinen Rentenversicherung von derzeit 8050 Euro im Monat auf 8450 Euro steigen. Bei der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ist eine Anhebung von monatlich 5512,50 Euro auf 5812,50 Euro vorgesehen. Auch die Versicherungspflichtgrenze, bis zu der Arbeitnehmende in der Regel gesetzlich krankenversichert sein müssen, soll von aktuell 6150 Euro auf 6450 Euro Bruttomonatseinkommen angehoben werden.

Krankenkassen in finanzieller Schieflage: Bas plant Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze

Laut dem Bundesverwaltungsamt legt die Beitragsbemessungsgrenze fest, bis zu welchem Bruttoeinkommen Beiträge zur Sozialversicherung berechnet werden. Einkommen oberhalb dieser Grenze bleiben beitragsfrei, höhere Beiträge fallen nicht an. Dabei wird grundsätzlich zwischen Kranken- und Pflegeversicherung sowie Renten- und Arbeitslosenversicherung unterschieden. Die Höhe der Grenze orientiert sich an der allgemeinen Lohn- und Gehaltsentwicklung.

Der finanzielle Druck auf die Krankenversicherungen wächst. Im ersten Halbjahr stiegen die Leistungsausgaben der rund 90 Krankenkassen laut Kennzahlen des GKV-Spitzenverbands um 7,95 Prozent auf 166,1 Milliarden Euro. Vor diesem Hintergrund hatte der SPD-Gesundheitsexperte Christos Pantazis im Juni vorgeschlagen, die Beitragsbemessungsgrenze um rund 2500 Euro zu erhöhen, um die angespannte Finanzlage zu stabilisieren. Auch der gesundheitspolitische Sprecher der Grünen, Janosch Dahmen, plädierte für eine stufenweise Anhebung auf das Niveau der gesetzlichen Rentenversicherung.

14 Jobs, die fast niemand machen will, obwohl sie gut bezahlt sind

Flugzeugenteiser als Job
Flugzeugenteiser: Flugzeugenteiser arbeiten in den Wintermonaten auf Flughäfen und sind dafür verantwortlich, Flugzeuge von Eis und Schnee zu befreien. Die Arbeit ist oft stressig und erfordert das Arbeiten unter extrem kalten Bedingungen. Das Gehalt ist jedoch attraktiv und liegt je nach Erfahrung zwischen 40.000 bis 70.000 Euro pro Jahr. © Imago
Gerümpel- und Entrümpelungsfachkraft
Gerümpel- und Entrümpelungsfachkraft: Diese Fachkräfte sind für die Räumung von Wohnungen, Häusern oder anderen Immobilien verantwortlich, oft nach Todesfällen, Zwangsräumungen oder wenn Menschen unter extremen Messie-Bedingungen gelebt haben. Die Arbeit kann emotional und physisch belastend sein, da sie oft in sehr unhygienischen Umgebungen durchgeführt wird. Das Gehalt kann zwischen 30.000 bis 55.000 Euro pro Jahr liegen. © Imago
Kanalarbeiter als Job
Kanalarbeiter: Kanalarbeiter sind für die Wartung und Reparatur von Abwassersystemen verantwortlich, oft in engen, dunklen und schmutzigen Umgebungen. Die Arbeit ist körperlich anstrengend und mit starkem Schmutz und unangenehmen Gerüchen verbunden. Dennoch können erfahrene Kanalarbeiter ein Gehalt von 35.000 bis 60.000 Euro pro Jahr erwarten. © Shotshop/Imago
Forensischer Entomologe
Forensischer Entomologe: Forensische Entomologen untersuchen Insekten und deren Entwicklungsstadien an Verbrechensorten, um Todeszeitpunkte und andere Details zu ermitteln. Die Arbeit kann extrem unangenehm sein, da sie oft den direkten Umgang mit verwesenden Körpern erfordert. Das Gehalt liegt in der Regel zwischen 50.000 bis 90.000 Euro pro Jahr.  © Imago
Weltkriegsmunition-Entschärfer
Weltkriegsmunition-Entschärfer: Diese Spezialisten sind für die Entschärfung von Blindgängern und alter Kriegsmunition zuständig, eine extrem gefährliche Arbeit, die höchste Konzentration und Sorgfalt erfordert. Das hohe Risiko wird jedoch durch eine sehr gute Bezahlung kompensiert. Je nach Einsatzort und Gefährlichkeit können die Verdienste zwischen 60.000 bis 120.000 Euro pro Jahr liegen.  © Imago
Schädlingsbekämpfer entfernt Hornissen-Nest
Schädlingsbekämpfer: Schädlingsbekämpfer beseitigen Insekten, Nagetiere und andere Schädlinge aus Gebäuden und öffentlichen Bereichen. Die Arbeit ist oft unangenehm, da sie in engen, schmutzigen und manchmal gefährlichen Umgebungen durchgeführt wird. Die Bezahlung ist jedoch gut und kann zwischen 30.000 bis 50.000 Euro pro Jahr betragen. © Imago
Schlachter als Job
Fleischzerleger/Schlachter: Fleischzerleger und Schlachter arbeiten in Schlachthöfen und verarbeiten Tierkörper, was physisch und emotional belastend sein kann. Die Arbeit erfordert Kraft und Geschicklichkeit, und viele Menschen empfinden den Umgang mit toten Tieren als unangenehm. Dennoch können die Verdienste zwischen 30.000 bis 55.000 Euro pro Jahr liegen. © Imago
Bergarbeiter im Kohlebergbau
Bergarbeiter im Kohlebergbau: Bergarbeiter arbeiten unter der Erde im Kohlebergbau, was körperlich extrem anstrengend und gefährlich ist. Die Arbeit erfordert oft lange Schichten in einer gefährlichen Umgebung. Das Gehalt ist hoch, insbesondere in Regionen mit aktiver Kohleförderung, und liegt zwischen 45.000 bis 80.000 Euro pro Jahr. © Imago
Taucher für Unterwasserarbeiten
Taucher für Unterwasserarbeiten: Diese Taucher führen Arbeiten wie Reparaturen und Inspektionen unter Wasser durch, oft in trüben oder gefährlichen Gewässern. Die körperliche Belastung und die potenziellen Gefahren machen diesen Beruf unattraktiv, aber die Bezahlung ist hoch, insbesondere bei riskanten Einsätzen. Das Gehalt kann zwischen 50.000 bis 100.000 Euro pro Jahr liegen. © Imago
Leichenbestatter als Job
Leichenbestatter: Leichenbestatter sind für die Vorbereitung und Durchführung von Bestattungen verantwortlich, was den ständigen Umgang mit dem Tod und trauernden Angehörigen bedeutet. Die Arbeit kann emotional belastend sein, bietet jedoch auch Stabilität und ein gutes Einkommen. Je nach Region und Erfahrung können Leichenbestatter 40.000 bis 65.000 Euro pro Jahr verdienen. © Imago
Klärwerkstechniker als Job
Klärwerkstechniker: Klärwerkstechniker überwachen und warten die Prozesse in Kläranlagen, wo sie ständig mit Abwasser und unangenehmen Gerüchen konfrontiert sind. Die Arbeit erfordert technisches Wissen und die Bereitschaft, in einer unattraktiven Umgebung zu arbeiten. Das Gehalt liegt im Bereich von 35.000 bis 60.000 Euro pro Jahr. © Imago
Feldmesser auf Offshore-Ölplattformen
Feldmesser auf Offshore-Ölplattformen: Diese Spezialisten führen technische Messarbeiten auf abgelegenen Ölplattformen durch, oft unter extremen Wetterbedingungen. Die Arbeit ist gefährlich und erfordert lange Abwesenheiten von zu Hause, was sie unattraktiv macht. Dafür wird ein hohes Gehalt gezahlt, das zwischen 70.000 bis 120.000 Euro pro Jahr liegen kann. © Marc Morrison/Imago
Rattenfänger oder Schädlingsbekämpfer als Job
Rattenfänger: Rattenfänger oder Schädlingsbekämpfer bekämpfen Ratten und andere Schädlinge in urbanen oder ländlichen Gebieten. Die Arbeit erfordert oft den Einsatz in schmutzigen, unhygienischen Umgebungen, was den Job für viele unattraktiv macht. Das Gehalt kann je nach Erfahrung und Erfolg bei 30.000 bis 50.000 Euro pro Jahr liegen. © Christian Brenneke/Imago
Tatortreiniger als Job
Tatortreiniger: Tatortreiniger sind für die Reinigung von Schauplätzen verantwortlich, an denen Gewaltverbrechen, Unfälle oder Todesfälle stattgefunden haben. Die Arbeit erfordert eine hohe emotionale Belastbarkeit und eine gewisse Distanz zu unangenehmen Szenen. Die Bezahlung variiert je nach Erfahrung und Region, liegt aber oft zwischen 40.000 bis 70.000 Euro pro Jahr. © Imago

Höhere Sozialabgaben für die Krankenkasse: „Viele haben einfach die Nase voll“

„Entscheidend ist am Ende doch, was auf dem Lohnzettel übrig bleibt“, kritisiert der Präsident des Bundes der Steuerzahler, Reiner Holznagel, gegenüber dpa die geplanten Änderungen. „Statt immer nur Grenzen hochzuschrauben, braucht es endlich Einsparungen bei den Sozialleistungen.“

Auch aus der eigenen Koalition bekommt Bas Gegenwind. CDU-Politiker und Vorsitzender der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft Deutschlands, Dennis Radtke, erkennt zwar an, dass die Bundesregierung bei der Beitragsbemessungsgrenze „wenig Gestaltungsspielraum“ hat. Gleichzeitig warnt er im Tagesspiegel vor einem Dilemma: „Parallel zur Anhebung der Bemessungsgrenze zeichnet sich die Erhöhung der Zusatzbeiträge in der GKV ab.“ Somit würden viele Beschäftigte gleich doppelt getroffen. „Viele haben einfach die Nase voll, weil sie trotz harter Arbeit kaum noch vom Fleck kommen.“

Bereits Anfang dieses Jahres waren die Zusatzbeiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung im Durchschnitt auf 2,9 Prozent gestiegen. Diese werden von den einzelnen Krankenkassen je nach ihrer Finanzsituation festgelegt, nachdem ein Schätzerkreis im Herbst 2024 einen Orientierungswert ermittelt hat. Um das Finanzloch zu stopfen, plant Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) ein Darlehen. Der Sozialverband VdK will stattdessen Milliardäre zur Kasse bitten. (cln/dpa)

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