VonConstanze Julitaschließen
Retinol wird oft als das Geheimnis jugendlicher Haut gepriesen. Eine Dermatologin klärt auf, wie es funktioniert und was man beachten muss.
Kaum ein Wirkstoff sorgt in der Hautpflege für so viel Aufmerksamkeit wie Retinol. Seine Wirkung reicht von feinerer Hautstruktur bis hin zur Aknebehandlung. Doch wie nachhaltig und sichtbar kann Retinol das Hautbild wirklich verändern? Im Interview mit 24vita erklärt die Dermatologin Dr. Lela Ahlemann, was hinter dem Wirkstoff steckt, welche Anwendungen sinnvoll sind und warum Retinol keine Wunder vollziehen, aber einiges leisten kann.
So wirkt Retinol in der Haut
Retinol, auch Vitamin A1 genannt, gehört zu den am besten erforschten Wirkstoffen in der Hautpflege. Es handelt sich hierbei um eine Vorstufe der Retinsäure. Seine volle Wirkung entfaltet es allerdings erst nach einem Umwandlungsprozess in der Haut: „Retinol wird zunächst zu Retinal und anschließend zur Retinsäure, auch Tretinoin genannt, umgewandelt – diese ist die biologisch aktive Form, die schließlich auf zellulärer Ebene wirkt“, erklärt Ahlemann.
In der Zelle bindet sich die Retinsäure an bestimmte Rezeptoren im Zellkern, die gezielt Gene aktivieren – etwa für die Kollagenbildung oder die Entzündungshemmung. „Man kann sich das vorstellen, wie ein Orchester: Die DNA enthält die Noten, aber die Retinsäure-Rezeptoren bestimmen, welche Noten gespielt werden und wie laut“, so die Dermatologin. Die genetische Feinsteuerung erklärt, warum Retinol vielfältig wirkt – es unterstützt die Hauterneuerung, reguliert die Talgproduktion und kann Pigmentflecken mildern.
Expertin Dr. Lela Ahlemann
Dr. Lela Ahlemann ist Fachärztin für Dermatologie mit Zusatzqualifikationen in Phlebologie, Proktologie und Ernährungsmedizin. Seit rund 20 Jahren ist sie in der medizinischen Praxis tätig, seit 2014 leitet sie zwei eigene dermatologische Praxen in Hagen und Dortmund. Neben der klassischen Dermatologie mit Schwerpunkten wie Hautkrebsdiagnostik und chronischen Hauterkrankungen liegt ihr Fokus auf Best-Aging-Konzepten und medizinischer Kosmetik. In ihrem Buch „Glow up“ gibt Ahlemann Einblicke in bewährte Hautpflegekonzepte, erklärt Wirkstoffe sowie Behandlungen und ordnet aktuelle Beauty-Trends fachlich ein.
Warum der Wirkstoff Retinol immer mehr Aufmerksamkeit erhält
Retinol ist in der Dermatologie kein neuer Wirkstoff. Die medizinische Nutzung reicht 50 bis 60 Jahre zurück, zunächst vor allem zur Aknebehandlung.
Seine aktuelle Popularität als Anti-Aging-Wirkstoff ist weniger auf neue Studien als auf veränderte Kommunikationswege zurückzuführen. „Was früher vor allem Hautärzten und Forschern vorbehalten war, ist heute durch die sozialen Medien für viele zugänglich“, erklärt die Dermatologin. Plattformen wie Instagram und TikTok haben das Wissen um Retinol in den Mainstream gebracht – oft begleitet von überzogenen Erwartungen. Der Effekt ist zwar wissenschaftlich belegt, braucht jedoch eine realistische Einordnung.
