Änderungen im Heizungsgesetz

Heizen mit Fernwärme statt Wärmepumpe: So funktioniert der Umstieg für Haushalte

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Zukünftig wird neben der Wärmepumpe auf den Ausbau von Fernwärme gesetzt. Eine Energie-Expertin erklärt, wie der Umstieg auf Fernwärme funktioniert.

München – Nach dem Fernwärme-Gipfel mit Branchenvertretern und Verbänden in Berlin am 12. Juni wurde klar, dass Bewegung in den Streit über das neue Heizungsgesetz gekommen ist. Es sickerte durch, dass Habeck die Ausnahme Fernwärme statt Wärmepumpe für Hausbesitzer in Erwägung zieht. In der Nacht zu Dienstag (27. Juni) hat sich die Ampel-Koalition nun endlich auf letzte Änderungen beim Heizungsgesetz geeinigt – es kann somit wie geplant noch vor der Sommerpause verabschiedet werden.

Geplant ist: Wer an ein Fernwärmenetz angeschlossen ist oder wird, ist von der Pflicht zur Wärmepumpe befreit. Dafür soll eine „verpflichtende kommunale Wärmeplanung“ bis 2028 eingeführt werden, die der Umstellungspflicht für Hausbesitzer vorausgeht. Merkur.de von IPPEN.MEDIA sprach mit der Energie-Expertin Ramona Mittag von der Verbraucherzentrale NRW darüber, was das für Verbraucher bedeutet.

Fernwärme zum Heizen: Wie man umsteigen kann 

Tagelang haben die Spitzen der Ampel zäh über eine Lösung für das umstrittene Heizungsgesetz verhandelt. Über allem schwebend: das Damoklesschwert, dass ein Beschluss sich über die Sommerpause hinaus verzögert – und Hausbesitzer und Mieter weiter im Ungewissen gelassen werden. Auch mit dem neuen Fokus auch auf Fernwärme wurde das nun wohl abgewendet.

„Eins vorab: Auch Wärmenetze sind nicht die goldene Lösung“, relativiert Ramona Mittag die Begeisterung vor allem der Opposition über die geplanten Änderungen beim Heiz-Gesetz, die Tausende Immobilienbesitzer betreffen.

Fernwärme als Alternative zur Wärmepumpe: „Gute Wärmelösung“ – aber nicht für jeden

„Aber Fernwärme ist eine gute Wärmelösung und super Wärmepumpen-Alternative für eng bebaute Innenstädte und schlecht zu sanierende Bestandsgebäude“, erklärt Mittag. „Über die Stadtwerke oder Karten, die kommunal über das Internet zu finden sind, kann ich einsehen, ob Fernwärme für mich überhaupt verfügbar ist“. Ist das der Fall, gilt es, sich über Verträge und Mindestabnahmemengen schlau zu machen.

 Gebäude sollte einen gewissen Energieverbrauch haben, damit sich Fernwärme lohnt.

Ramona Mittag, Verbraucherzentrale NRW

„Das Gebäude sollte einen gewissen Energieverbrauch haben, damit sich Fernwärme lohnt. Denn das Kraftwerk und die Wärmenetze werden anteilig über den Grundpreis mitfinanziert – und die Verträge werden über lange Laufzeiten – oft über Jahrzehnte – geschlossen und nicht angepasst, wenn der Energieverbrauch sinkt, etwa bei energetischer Sanierung“, so die Expertin von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Umstieg auf Fernwärme: das Wichtigste im Überblick

  • Fernwärme wird über Rohrleitungen von einem Kraftwerk in Ihre Wohnung geliefert, wodurch keine eigene Heizanlage erforderlich ist.
  • Es besteht kein Wettbewerb: Jedes Fernwärmenetz ist ein lokales Monopol, daher ist ein Wechsel zu einem anderen Versorger nicht möglich.
  • Die Entscheidung für Fernwärme bindet langfristig an einen Anbieter. Es ist daher ratsam, die Vor- und Nachteile von Fernwärme individuell abzuwägen.
  • Es ist neuerdings möglich, während der Vertragslaufzeit eine Reduzierung der Leistung zu verlangen, was sich kostensenkend auf den Grundpreis auswirkt.
  • Die unabhängigen Energieberater der Verbraucherzentralen können Ihnen bei der Entscheidung, ob Fernwärme oder eine andere Heizungsart für Sie geeignet ist, helfen.
  • Quelle: Netzwerk der Verbraucherzentralen

Fernwärme statt Wärmepumpe: Überschaubare Nebenkosten, unkomplizierte Umrüstung

Ist der Anschluss an die Fernwärme möglich, erfolgt der Anschluss über eine Wärmeübergabestation, die an der Hauswand angebracht wird und den bisherigen Ölbrenner oder Gaskessel ersetzt. Die Vorteile liegen auf der Hand, sagt Mittag: „Die Installation ist mit überschaubaren Nebenkosten verbunden, vor allem in Häusern mit vielen Parteien“. Bestehende Heizkörper könnten weitergenutzt werden.

Handwerker installieren eine Wärmepumpe in einem Haus (Symbolbild)

Darüber hinaus spare die Anlage einiges an Platz. „Obendrauf kommen allerdings die Kosten für den Netzabschluss beim Gas. Betreiber nehmen zum Teil für den Rückbau und die Trennung vom Netz nicht unerhebliche vierstellige Summen“, so die Energie-Expertin, „die Verbraucherzentrale hofft, diese Kosten werden in Förderungen in Zukunft mitberücksichtigt“.

Die Vorteile von Fernwärme:

  • Fernwärme bietet Komfortvorteile: Sie benötigen keinen eigenen Heizkessel und keinen Platz für die Lagerung von Brennstoffen. Damit entfallen hohe Investitionskosten sowie der Brennstoffkauf oder Wartungsarbeiten.
  • Fernwärme trägt zur klimafreundlichen Beheizung bei, indem sie die Kraft-Wärme-Kopplung und vorhandene Abwärme aus Industrie und Gewerbe nutzt. Darüber hinaus werden zunehmend erneuerbare Energien für die Wärmeerzeugung eingesetzt. Wenn Ihnen dies wichtig ist, sollten Sie prüfen, welchen Energiemix Ihr Fernwärmeanbieter verwendet.
  • Einige Anbieter bieten attraktive Verträge, mit denen Fernwärme eine kostengünstige Heizoption sein kann.
  • Einige Stadtwerke und Kommunen fördern den Anschluss an das Fernwärmenetz mit Zuschüssen von 500 bis 3.000 Euro, abhängig vom Wärmebedarf des angeschlossenen Gebäudes.

Förderungs-Plan für Fernwärme „bringt neue Musik ins Spiel“

Bisher war das Umrüsten auf Fernwärme für Vermieter nicht attraktiv, weil sie die Investitionen nicht umlegen konnten. Vielleicht ein Grund, warum derzeit nur 14 Prozent aller Haushalte in Deutschland an Fernwärmesystem angeschlossen sind. „Der neue Plan der Regierung, die Investition gegebenenfalls umlagefähig zu machen, bringt jedoch neue Musik ins Spiel“, erklärt die Verbraucherschützerin. Was genau sich für Vermieter und Mieter ändern wird, werde sich zeigen, wenn der Entwurf verabschiedet wird. Erwartet wird, dass dieser bis Mittwoch (28. Juni) vorliegen soll, berichtet die Bild.

Eigentümer von Ein- und Zweifamilienhäusern sollten ihre persönliche Energiewende nicht auf die lange Bank schieben.

Ramona Mittag, Verbraucherzentrale NRW

Förderung für Fernwärme, Heizpumpen und Co.: Soziale Staffelung, Details noch offen

„Abzusehen ist, dass die Förderungen sozial gestaffelt werden, das begrüßen wir auch“, so Mittag. Hausbesitzern in Ballungsräumen und Besitzer von Bestandsbauten, die schlecht zu sanieren sind, rät sie darum erst einmal zum Abwarten. Anders sieht das bei Eigentümern von Ein- und Zweifamilienhäusern aus: „Die sollten ihre persönliche Energiewende nicht auf die lange Bank schieben. Hier bleiben Sanierung und die Wärmepumpe die günstigste und sinnvollste Lösung.“

Denn anders als bei der Fernwärme senke jede energetische Sanierung die Energiekosten dort deutlich. „Darum steckt eine Gefahr dahinter, nur kurzfristig auf die etwas höheren Investitionskosten zu schauen. Für viele wird Fernwärme langfristig nicht günstiger sein“, erklärt die Expertin.

Rubriklistenbild: © Martin Moxter/IMAGO

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