Video-Serie „Hey, Doc!“, Teil 6

ISG-Blockade lösen – Experte gibt Tipps zur Soforthilfe und Prävention

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Was tun, wenn der untere Rücken plötzlich schmerzt und Bewegung kaum mehr möglich ist? Prof. Dr. Oliver Tobolski gibt praktische Tipps zur Behandlung und Vorbeugung einer ISG-Blockade finden Sie hier.

Wenn plötzlich stechende Schmerzen im unteren Rücken auftreten, die bis in die Oberschenkelrückseite ausstrahlen, könnte eine Iliosakralgelenk-Blockade (ISG-Blockade) dahinterstecken. Doch was genau ist das ISG, wie kommt es zu einer Blockierung und wie lässt sie sich behandeln? Wir haben mit Prof. Dr. Oliver Tobolski, Facharzt für Orthopädie, gesprochen, um Licht ins Dunkel zu bringen.

Im Video oben sehen Sie das vollständige Interview.

Zur Person: Prof. Dr. Oliver Tobolski

- Praxis: Ortho4Sport in Köln
- Schwerpunkt: Sporttraumatologie /Sportorthopädie
- Facharzt für Chirurgie, Sportmedizin, Chirotherapie
- Verbandsarzt Tennisverband Mittelrhein
- ATP-Arzt
- Ehemaliger Leiter des offiziellen Medizinzentrums des Olympiastützpunkts Rheinland
- Ausbildungen an Universitätskliniken Köln und Münster
- Dozent an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement

Mögliche Ursachen und Symptome einer ISG-Blockade

Was genau ist eine ISG-Blockade und warum tritt sie auf?
Prof. Dr. Oliver Tobolski: Anatomisch gesehen ist das Iliosakralgelenk die gelenkartige Verbindung zwischen dem unteren Bereich der Lendenwirbelsäule und dem Becken. Auch wenn der Begriff „Gelenk“ verwendet wird, handelt es sich eigentlich um eine Synostose*, die nur minimale Bewegungen zulässt. Eine ISG-Blockade entsteht, wenn es zu einer ungünstigen Verschiebung dieser Gelenkpartner kommt. Der Körper reagiert darauf mit einer schmerzhaften muskulären Verhärtung, um die Stabilität zu gewährleisten.

Begriff Synostose

Eine Synostose zählt zu den sogenannten unechten Gelenken. Es ist eine knöchern verwachsene Verbindung zweier Knochen (griech. syn und osteon für „zusammen“ und „Knochen“), die zuvor durch Knorpel- oder Bindegewebsstrukturen verbunden waren.

Welche Symptome weisen auf eine ISG-Blockade hin?
Prof. Dr. Oliver Tobolski: Die Symptome ähneln häufig einem Hexenschuss. Betroffene spüren plötzlich einen stechenden Schmerz im unteren Rücken, der in das Gesäß oder die Rückseite des Oberschenkels ausstrahlen kann. Typisch ist, dass Bewegungen unbewusst vermieden werden, weil die Muskulatur um die betroffene Region sofort verhärtet. Patienten berichten oft, dass sie ein Gefühl von „eingeklemmtem“ Rücken haben – fast wie eine Art „Kloß“ im unteren Rückenbereich. Diese muskuläre Blockade sorgt dann für eine eingeschränkte Beweglichkeit.
Wie stellen Sie eine ISG-Blockade fest? Braucht man Bildgebung?
Prof. Dr. Oliver Tobolski: Eine ISG-Blockade diagnostizieren wir hauptsächlich durch eine gründliche manuelle Untersuchung. Ich frage die Patienten nach ihren Beschwerden und analysiere ihre Beweglichkeit. In der Regel sind bildgebende Verfahren wie Röntgen oder MRT nicht notwendig. Durch gezielte Beweglichkeitstests kann ich feststellen, ob eine Blockade vorliegt.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es, beziehungsweise wie löst man eine ISG-Blockade?
Prof. Dr. Oliver Tobolski: Die gute Nachricht ist: Eine ISG-Blockade lässt sich oft schnell lösen – vor allem, wenn die Patienten frühzeitig zum Arzt kommen. In vielen Fällen kann eine chirotherapeutische Behandlung helfen. Mit gezielter Manipulation lösen wir die Blockade oft innerhalb von Sekunden. Diese Technik ist vielen als das typische „Einrenken“ bekannt. Es funktioniert allerdings nicht bei jedem Patienten. Ist die Muskulatur schon zu stark verhärtet, kann es einige Tage dauern, bis sich die Blockade von selbst löst. Physiotherapie, sanfte Mobilisationsübungen sowie Wärmeanwendungen unterstützen den Heilungsprozess.
Wie lange dauert es, bis eine ISG-Blockade verheilt ist?
Prof. Dr. Oliver Tobolski: Eine akute ISG-Blockade dauert in der Regel sieben bis zehn Tage. Solange die Schmerzen bestehen, sollten Patienten intensive Belastungen vermeiden. Besonders Stop-and-Go-Sportarten wie Fußball oder Tennis sind ungünstig. Sanfte Bewegungsformen wie Radfahren oder Spazierengehen sind hingegen hilfreich. Auch selbstständige Dehnübungen können die Heilung beschleunigen.
Prävention: Wie kann man eine ISG-Blockade vermeiden?
Prof. Dr. Oliver Tobolski: Prävention spielt eine große Rolle! Eine der wichtigsten Maßnahmen ist das regelmäßige Dehnen der Hüftmuskulatur und der Oberschenkelrückseite. Besonders die Hamstringmuskulatur neigt dazu, sich zu verkürzen, was wiederum die Beckenstatik verändert und damit das Risiko für eine Blockierung erhöht. Tägliche oder zumindest alle zwei Tage durchgeführte Dehnübungen können das Risiko erheblich reduzieren. Jeder Sportler – aber auch Menschen mit sitzenden Tätigkeiten – sollten sich diese wenigen Minuten gönnen, um Beschwerden vorzubeugen.

Die wichtigsten Maßnahmen bei einer ISG-Blockade

Soforthilfe: Intensive Bewegung vermeiden, Wärme anwenden
Sanfte Mobilisation: Leichte Bewegungen wie Spazierengehen oder Radfahren
Chirotherapie: Wenn frühzeitig behandelt, kann ein Arzt die Blockade „einrenken“
Physiotherapie: Gezielte Übungen zur Mobilisation des Beckens
Prävention: Regelmäßige Dehnübungen für Oberschenkelrückseite und Hüftmuskulatur

Fazit: Frühzeitig handeln und gezielt vorbeugen!

Eine ISG-Blockade kann extrem schmerzhaft sein, ist aber mit der richtigen Behandlung meist schnell zu beheben. Wer sich regelmäßig mobil hält und seine Muskulatur gezielt dehnt, kann das Risiko deutlich senken. Besonders Sportler sollten darauf achten, ihre Beckenmuskulatur ausreichend zu stabilisieren, um Blockaden zu vermeiden.

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Rubriklistenbild: © Ippen Media

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