Koffeinkonsum eindämmen

Kaffee am Abend: Neurowissenschaftler gibt klare Empfehlung

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Ein Espresso nach dem Abendessen kann die Verdauung unterstützen, aber auch den Schlaf stören. Warum Sie nicht zu spät zu Kaffee greifen sollten.

Die Verstoffwechselung von Nährstoffen variiert von Mensch zu Mensch. Nehmen wir das Körpergewicht als Beispiel: Während einige schnell Fett ansetzen, bleiben andere schlank, selbst wenn sie den ganzen Tag über essen. Ähnliche Unterschiede gibt es auch beim Koffein. Manche Menschen können drei Tassen Espresso trinken, ohne etwas zu spüren, während andere nach nur einer Tasse bereits nervös und unruhig werden. Die letztere Gruppe metabolisiert die Inhaltsstoffe der Kaffeebohne effizienter, was dazu führt, dass mehr wachhaltende Substanzen ins Blut gelangen und im Körper verteilt werden.

Kaffee am Abend beeinflusst die innere Uhr

Können also diejenigen, die Koffein schnell abbauen, auch abends Kaffee trinken? Laut dem Wissensportal GEO lautet die Antwort „Ja“. Auch Vieltrinker hätten in der Regel keine Probleme einzuschlafen, wenn sie abends eine Tasse Kaffee trinken. Eine Studie aus den USA und Großbritannien kommt jedoch zu anderen Schlussfolgerungen.

Kaffee: Welche 8 gesundheitlichen Vorteile als wissenschaftlich erwiesen gelten

Frau trinkt Kaffee und lächelt in die Kamera.
Kaffee macht wach und wirkt auf manche sogar euphorisierend. Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, dass der Trank aus der Kaffeebohne sogar Depressionen vorbeugen kann. Zwei bis drei Tassen täglich verringerten bei Frauen das Erkrankungsrisiko um 15 Prozent. Tranken sie mehr als drei Tassen, war das Risiko sogar um 20 Prozent geringer, heißt es vonseiten der Apotheken Umschau.  © Joseffson/Imago
Frau trägt Kaffeetasse.
Kaffee wird mit einem niedrigeren Diabetes-Risiko in Verbindung gebracht. Professor Chahan Yeretzian, Leiter des Coffee Excellence Centers an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften erklärt im Interview mit der Apotheken Umschau, dass die gesundheitsfördernde Wirkung vor allem auf die in Kaffee enthaltenen Substanzen Koffein und Antioxidantien zurückzuführen ist. Letztere schützen vor freien Radikalen, die unsere Zellen angreifen und so sogar das Krebsrisiko erhöhen. Doch warum schützt Kaffee vor Diabetes? Woran genau das liegt, ist noch nicht völlig geklärt, informiert die Apotheken Umschau. Kaffee verbessere offenbar die Empfindlichkeit für das Hormon Insulin, infolge könne der Körper Zucker besser verarbeiten. Bestimmte Stoffe, die der Körper nach dem Genuss ausschüttet, wirken zudem gefäßschützend und entzündungshemmend, heißt es weiter.  © Imago
Mann sitzt am Arbeitsplatz, eine Kaffeetasse steht auf dem Tisch.
Kaffee hemmt sogar die Aktivität von Coronaviren – allerdings bislang nur im Laborversuch. Trotzdem sollen die potenziell antiviral wirksamen Effekte von Kaffee in dieser Aufzählung einen Platz finden. Professor Nikolai Kuhnert von der Jacobs University und sein Team hatten im Labor untersucht, wie Inhaltsstoffe von Kaffee und Coronaviren miteinander interagieren. Sie fanden dabei heraus, dass eine chemische Verbindung in der Kaffeebohne die Fähigkeit des Spike-Proteins von Coronaviren hemmt, an die sogenannten ACE-2-Rezeptoren in menschlichen Zellen anzudocken. Die Schlussfolgerung der Forschenden: Kaffee könnte Corona-Infektionen verhindern. Um diese These zu beweisen, fehlt allerdings noch ein klinischer Versuch am Menschen.  © Jose Luis Carrascosa/Imago
Tasse Kaffee und Gebäck
Kaffee wirkt sich positiv auf Herz und Kreislauf aus: so das Ergebnis einer Studie von ungarischen Forschern. Ein Team der Semmelweis-Universität in Budapest um Dr. Judit Simon vom Herz- und Gefäßzentrum der Universität untersuchte, ab wie vielen Tassen Kaffee pro Tag eine lebensverlängernde Wirkung einsetzt. Die Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, dass bis zu drei Tassen Kaffee täglich mit einem geringeren Risiko für Schlaganfälle und tödliche Herzkrankheiten verbunden sind.  © Annie Hall/Imago
Frau trinkt Kaffee
Kaffee ohne Zucker habe sich in einer großen Metaanalyse als effizienter Schutzfaktor für die Leber erwiesen, wird Professor Dr. Christian Trautwein, Direktor der Medizinischen Klinik III der RWTH Aachen, von der Pharmazeutischen Zeitung (PZ) zitiert. Eine Menge von drei bis fünf Tassen Kaffee täglich gilt als besonders empfehlenswert, so die PZ. Sie vertragen Koffein nicht sonderlich gut? Dann greifen Sie zur koffeinfreien Alternative: Auch diese Art von Kaffee entfaltet leberschützende Wirkung.  © Julia Bradley/Imago
Zwei Frauen frühstücken.
Ein Espresso zum Frühstück? Ja, gerne – wenn es nach der leberschützenden Wirkung von Kaffee geht. Eine groß angelegte italienische Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Substanzen im Kaffee vor Leberkrebs schützen können. Ein Team um Carlo LaVecchia vom pharmakologischen Forschungsinstitut „Mario Negri“ in Mailand hatte untersucht, wie sich Kaffeetrinken auf das Leberkrebs-Risiko auswirkt. Wie das Ärzteblatt berichtete, kam es in der Gruppe der Kaffeetrinker ganze 40 Prozent seltener zu Leberkrebs. Der Erklärungsansatz der Forschenden: Eine Reihe von bioaktiven Substanzen in Kaffee wirkt sich in Summe protektiv auf die Leber aus.  © William Perugini/Imago
Zwei Tassen Kaffee von oben, Milchschaum ist verziert
Das Demenzrisiko soll durch regelmäßigen Kaffeegenuss sinken. Zu diesem Ergebnis kommt ein Forscherteam um Yuan Zhang von der School of Public Health an der Tianjin Medical University in Tianjin, China. „Wir fanden heraus, dass Kaffee- und Teekonsum einzeln oder in Kombination mit einem geringeren Schlaganfall- und Demenzrisiko verbunden sind“, so eine Erkenntnis der chinesisch-US-amerikanischen Forschergruppe. Das Demenzrisiko war bei Menschen, die zwei- bis dreimal täglich Kaffee tranken, sogar um bis zu 28 Prozent geringer als bei Studienteilnehmern, die keinen Kaffee tranken. © Manfred Segerer/Imago
Frauen prosten sich mit Kaffeetassen zu.
Bei Kopfschmerzen kann ein Espresso wahre Wunder wirken. Denn das enthaltene Koffein hat schmerzstillende Wirkung. Daher wird Koffein in Kombipräparaten gegen Kopfschmerzen genutzt. Darin enthalten, steigert Koffein den schmerzlindernden Effekt von ASS und Paracetamol um bis zu 70 Prozent, informiert die Apotheken Umschau.  © Jake Jakab/Imago

John O‘Neill, Zellbiologe am staatlichen britischen Labor für Molekularbiologie in Cambridge, und ein Team von acht Forschern aus Großbritannien und den USA kamen zu dem Schluss, dass Kaffee am Abend die innere Uhr durcheinanderbringt. In ihrer Studie untersuchten sie die Auswirkungen von Koffeinkonsum am Abend auf den menschlichen Körper. Drei Stunden vor dem Schlafengehen erhielten die Probanden Koffeinkapseln, die vom Wirkstoff her zwei Tassen Espresso entsprachen. Eine Kontrollgruppe erhielt ein Placebo. Nach der Messung des Melatoninspiegels im Speichel der Teilnehmer stellten die Forscher fest, dass das schlafinduzierende Hormon in der ersten Gruppe später freigesetzt wurde. „Heraus kam, dass die biologische Uhr bei den Koffein-Konsumenten langsamer schlug. Wir nennen das ‚Phasen-Verzögerung‘. Es dauerte etwa 40 Minuten länger, bis die Nachtphase einsetzte“, zitiert der Deutschlandfunk Kenneth Wright vom Labor für Schlaf- und Chronobiologie an der Universität von Colorado in den USA, wo die Studie durchgeführt wurde.

Wer abends zu Kaffee greift, bringt seine innere Uhr durcheinander.

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Kein Kaffee mehr sechs Stunden vor dem Schlafengehen

Aufgrund dieser Ergebnisse empfiehlt Neurowissenschaftler Wright, mindestens sechs Stunden vor dem geplanten Schlafengehen keine koffeinhaltigen Getränke wie Kaffee zu konsumieren. Dadurch könne man verhindern, dass die innere Uhr die Tagesphase verlängert, was Schlafstörungen verursachen kann.

Rubriklistenbild: © Panthermedia/Imago

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