Katzenverhalten einordnen

Plötzliches Herumtoben oder ständiges Putzen: Wie Sie Ihre Katze besser verstehen können

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Katzen sind niedliche Weggefährten, können aber auch seltsame Attitüden an den Tag legen. Warum sich Samtpfoten von Zeit zu Zeit merkwürdig verhalten und was dahinter steckt– lesen Sie hier mehr.

Wer selbst eine Katze besitzt, weiß: Das Verhalten der Stubentiger ist meist zuckersüß, doch hin und wieder treten erstaunliche Verhaltensweisen zutage. Dann fragt man sich, was ein bestimmtes Benehmen zu bedeuten hat. Hintergründe zu einigen der häufigsten Verhaltensweisen von Katzen erfahren Sie hier.

Warum lecken sich Katzen so oft das Fell?

Mehrere Stunden pro Tag verbringen Katzen damit, ihr Fell zu lecken. Damit halten sie sich frisch und sauber. Indem sie sich häufig putzen, kommen sie einem ihrer größten Bedürfnisse nach – denn Katzen sind sehr reinliche Tiere. Schon von klein auf lernen sie von der Mutter, wie man sich richtig putzt. Dank ihrer speziellen Zunge, die mit winzigen Haken besetzt ist, können Katzen Staub, Schmutz und lose Haare aus ihrem Fell lecken.

Ein weiterer Grund für das ständige Lecken ist eine Art Imprägnierung. Beim Putzen und Rupfen am Fell wird die Durchblutung angeregt, sodass die Talgdrüsen in der Haut aktiv werden. Dadurch verteilt sich eine leichte Fettschicht im Fell und der Pelz bleibt weiterhin geschmeidig und sogar wasserabweisend. Weitere Gründe für das häufige Lecken sind: eine Duftnote für Artgenossen setzen, Temperaturregelung an heißen Tagen, aber auch Langeweile oder Stress.

Geht Ihre Katze dazu über, Sie als ihren Besitzer weiterzuputzen, nachdem sie sich ausgiebig um ihr eigenes Fell gekümmert hat, drückt sie damit ihre Zuneigung und Liebe aus. Haben Sie beispielsweise stark geschwitzt oder sich mit einer fettigen Bodylotion eingecremt, kommt der Mieze das ebenfalls gelegen und sie wird Ihre Haut mit Vorliebe ablecken. Darüber hinaus könnte Ihre Katze Sie mit dem Ablecken auch markieren wollen: Durch das Lecken hinterlassen die Samtpfoten ihren Geruch auf der Menschenhaut und wollen damit sagen: „Du gehörst mir!“ Katzen verändern durch ihr Lecken gerne den Geruch in ihrer Umgebung, um ihn für sich angenehmer zu gestalten.

Weshalb treteln Katzen häufig in Weiches?

So niedlich Katzen meist sind – hin und wieder irritieren sie ihre Besitzer mit seltsamen Verhaltensweisen. (Symbolbild)

Als Babys regen Katzen durch das possierliche Treten mit den Pfoten, dem sogenannten Milchtritt, die Milchproduktion der Mutter an. Behalten sich die Samtpfoten dieses Verhalten auch im Erwachsenenalter bei und treten beispielsweise gleichmäßig in die Luft, an einem Gegenstand oder in ihren Untergrund, bedeutet dies oftmals, dass sie sich in ihrem Umfeld besonders wohlfühlen. Zwar setzen manche Katzen beim Milchtritt ihre Krallen ein und fahren sie ein und aus, ein Grund zur Sorge besteht dabei allerdings nicht.

Eine weitere Herleitung besagt, dass Katzen mit dem Treten ihren Schlafplatz gemütlich gestalten wollen. Dabei treten sie mit den Pfoten den Boden, beispielsweise ein Kissen oder eine Decke, weich. Ähnlich wie das Schnurren kann auch Treteln von Katzen als Methode zur Selbstberuhigung herangezogen werden. Zum Beispiel dann, wenn sie krank sind. Fällt Ihnen auf, dass Ihre Katze häufiger als sonst tretelt, sollten Sie das in jedem Fall von einem Tierarzt abklären lassen. Zuletzt ist es so, dass Katzen zwischen ihren Zehen Duftdrüsen besitzen. Durch den Milchtritt werden Duftstoffe abgegeben, mit denen die Katze ihren Schlafplatz markiert, was wiederum zu ihrem Wohlgefühl beiträgt.

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Warum bringen Katzen tote Tiere nach Hause?

Während die meisten erschrecken und ihre Katze dafür schimpfen, hat die Mieze mit diesem Verhalten eigentlich nur Positives im Sinn. Zu der, zugegeben etwas morbiden, Verhaltensweise gibt es verschiedene Herleitungen. Eine Theorie, die Katzenbesitzern inzwischen geläufig sein dürfte, besagt, dass Katzen ihren Menschen mit dem tierischen Opfer ein Geschenk machen möchten. Manche gehen auch davon aus, dass Katzen sich auf diese Art bedanken wollen. Sie möchten demnach sicherstellen, dass auch ihre Halter mit ausreichend Nahrung versorgt sind. Eine zweite Theorie formuliert, dass die Stubentiger ihren Menschen auf diese Weise das Jagen beibringen möchten.

Wieso steht Katzen manchmal grundlos der Mund offen?

Mit einem Mal nimmt die Katze einen rätselhaften Gesichtsausdruck an: Ihr Maul steht offen, die Zunge wölbt sich leicht, das Näschen rümpft sich und der Kopf wird etwas nach hinten gereckt. Fast könnte man meinen, der Stubentiger würde lachen. Die Wahrheit ist: Die Katze hat einen für sie äußerst interessanten Duft wahrgenommen. Das sogenannte Flehmen ist eine erstaunliche Fähigkeit von Katzen. Dabei schmecken und riechen sie gewissermaßen auf einmal. Denn steht der Katzenmund offen, verknüpfen sich Geruchs- und Geschmackssinn miteinander. Beim Flehmen sind Katzen in der Lage, Gerüche noch intensiver und differenzierter wahrzunehmen. So können Kater beispielsweise eine rollige Katze erkennen.

Katzen sind stets für einen Lacher zu haben.

Verantwortlich für diese besondere Fähigkeit ist das sogenannte Jacobson-Organ, das bei Katzen am Gaumen auf der Höhe der Schneidezähne sitzt. Mithilfe dieses Organs filtert die Katze zusätzliche Informationen aus verschiedenen Gerüchen heraus. Flehmen Katzen, ziehen sie die Oberlippe hoch und inhalieren ruckartig Luft, die sich im Maul mit Speichel vermischt. Die Zunge der Katze vibriert und drückt das Gemisch in Richtung des Jacobson-Organs, das Duftstoffe erkennt, die von der Katzennase allein nicht wahrgenommen werden können.

Wie schaffen es Katzen, immer auf den Pfoten zu landen?

Eine wirkliche Verhaltensweise ist die legendäre Landung auf den Pfoten nicht, sondern vielmehr ein Reflex: der sogenannte Aufrichtreflex, auch Stellreflex oder Drehreflex genannt. Fällt die Katze aus einer gewissen Höhe und hat ihre Beine dabei noch nicht in Richtung Boden ausgerichtet, dreht sie mithilfe des eingebauten Gleichgewichtssystems zunächst ihren Oberkörper, zieht dann den Unterkörper zusammen und richtet ihn nach unten aus, um sicher landen zu können. Der sogenannte Vestibularapparat im Katzenohr ist für das Gleichgewicht verantwortlich und dient auch der Orientierung. Dank dieses Apparats können Katzen schnell feststellen, in welche Richtung sie sich bewegen und ihren Kopf sofort drehen, damit der Körper ihnen folgen kann. Dadurch sind sie äußerst geschickt und beweglich.

Eine Studie belegt eine schier unglaubliche Überlebensrate von 90 Prozent bei Stürzen aus mehrstöckigen Gebäuden. Die Höhe spielt dabei die wichtigste Rolle – doch nicht in dem Maße, wie man nun annehmen könnte. Wissenschaftler gehen nämlich davon aus, dass je tiefer eine Katze stürzt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie den Sturz überlebt. Der Grund dafür ist vermutlich die längere Dauer, die Katzen dadurch bekommen, um ihren Körper auszurichten. Beim Aufprall wirken die muskulösen Katzenbeine außerdem wie Stoßdämpfer.

Es stimmt, dass Katzen einen ausgezeichneten Aufrichtungsreflex haben und deshalb oft auf den Füßen landen. Die Annahme, dass Katzen einen Sturz aus großer Höhe immer unbeschadet überstehen würden, ist aber falsch. Bei einem solchen Unfall können viele Verletzungen entstehen, die lebensbedrohlich sind. Daher sind Fliegengitter und ein vernünftiger Umgang mit geöffneten Fenstern immer angebracht. (Symbolbild)

Trotz dieser überraschenden Fähigkeit ist es wichtig, darauf zu achten, dass Katzen nicht aus zu großen Höhen stürzen. Übergewichtige Katzen beispielsweise tun sich viel schwerer damit, sich auszurichten. Fällt Ihre Katze dennoch einmal tief, bringen Sie sie unverzüglich zum Tierarzt, da innere Verletzungen trotz einer vermeintlich eleganten Landung nicht auszuschließen sind.

Warum rennen Katzen manchmal wie wild durch die Gegend?

Von einer Sekunde auf die andere springt der Stubentiger scheinbar grundlos auf und fetzt wie wild durch die Wohnung. Ein solches Verhalten irritiert Katzenbesitzer wohl am häufigsten. Wie bei den Menschen staut sich auch bei Katzen die Energie an, wenn sie nicht ausreichend beschäftigt werden oder nicht genügend Auslauf in der Natur genießen dürfen. Haben Sie einen Freigänger zu Hause, stellen Sie sicher, dass er seine Freiheit auch täglich nutzt. Besitzen Sie dagegen eine Wohnungskatze, sollten Sie ihr pro Tag mindestens eine Aufgabe geben, bei der sie Energie aufwenden muss.

Tritt ein solches Verhalten bevorzugt in den Morgenstunden oder in der Abenddämmerung auf, hat das damit zu tun, dass Katzen nachtaktive Jäger sind und zu diesen Tages- oder Nachtzeiten zu Höchstform auflaufen.

Warum tritt die Katze mit den Hinterpfoten?

Eben war man noch dabei, mit der Mieze zu spielen oder schmusen, doch plötzlich geht die Katze in den Kampfmodus über und tritt mit ihren Hinterpfoten. Mit den Vorderbeinen umklammert sie womöglich den Arm und beißt zu. Viele Katzenbesitzer sind immer wieder aufs Neue erstaunt von diesem plötzlichen Sinneswandel ihrer Fellnase. Doch was haben die sogenannten Bunny Kicks eigentlich zu bedeuten?

Zehn spannende Fakten über Katzen, die selbst die coolsten Kater zum Schnurren bringen

Zwei niedliche weiße und rote Kätzchen sitzen auf dem Boden vor einer Backsteinmauer.
Was viele Katzenhalter nicht wissen: Erwachsene Katzen miauen eigentlich nicht mehr. Der spezielle Katzenlaut, den Kitten als Signal an ihre Mutter von sich geben, ist Experten zufolge im Erwachsenenalter ausschließlich für Menschen bestimmt. Forscher gehen davon aus, dass sie Betonung und Melodie daran anpassen, was sie erreichen wollen. Mit ihren Artgenossen kommunizieren Katzen über ihre Körpersprache. © Pond5/Imago
Nahaufnahme vom Gesicht einer hellen Katze, die aus dem Fenster zu schauen scheint.
An den Schnurrhaaren einer Katze kann man ihre Stimmung ablesen: Hängen die feinen Härchen nach unten, ist die Katze entspannt. Richten sie sich nach vorne, könnte es sein, dass Ihre Mieze verärgert ist. Sind die Schnurrhaare nach hinten gebogen und liegen eng am Körper an, empfindet die Katze Angst oder bereitet sich auf einen Angriff vor. Richtet der Stubentiger seine Schnurrhaare dagegen nach vorne und fächert sie weit auf, bedeutet das, dass er aufmerksam und aktionsbereit ist. Wussten Sie außerdem, dass die sogenannten Vibrissen nicht nur im Gesicht, sondern auch an den Vorderläufen zu finden sind? © YAY Images/Imago
Rote Katze sitzt abends auf der Holzterrasse einer Blockhütte.
Während dreifarbige Katzen fast immer weiblich sind, gehören rote Katzen meist dem männlichen Geschlecht an. Der Grund dafür liegt bei beiden in der Weitergabe der Gene verborgen. © imagebroker/Imago
Nahaufnahme einer Katzennase.
Die Nase einer Katze ist ein echtes Naturwunder – sie sorgt nicht nur für eine, sondern gleich für verschiedene Überraschungen. Zum einen ist der Nasenabdruck jeder Katze einzigartig, ähnlich einem menschlichen Fingerabdruck. Zum anderen sorgen etwa 60 Millionen Riechzellen in diesem Sinnesorgan dafür, dass die Katze den Menschen um das Dreifache übertrumpft. Außerdem kann die Nase einer Katze so einiges über ihre Gesundheit aussagen. Ist sie dauerhaft trocken oder läuft, sollten Sie dies tierärztlich abklären lassen. Nicht zuletzt können vor allem helle Katzennasen ihre Farbe ändern: Wildes Spiel, Stress oder Aufregung lassen aus einem zarten Rosa kräftiges Pink werden. © Pond5/Imago
Junge Frau kuschelt mit ihrer Katze.
Katzen erheben Besitzansprüche an ihren Menschen: Mithilfe verschiedener Duftdrüsen, die in ihren Wangen, Pfoten und Flanken sitzen, markieren sie ihre Halter als Eigentum. Somit hinterlassen sie für andere Miezen eine Duft-Botschaft, die verdeutlichen soll, dass dieser Mensch bereits vergeben ist. © blickwinkel/Imago
Eine rote Katze gähnt herzhaft, während sie im Garten sitzt.
Sowohl in ihrem Aufbau als auch in ihrer Funktion ist eine Katzenzunge einzigartig. Wer schon einmal von einer Katze abgeleckt wurde, weiß, dass sie einem Schmirgelpapier gleicht. Der Grund dafür sind winzige Stacheln, sogenannte Fadenpapillen, die aus nach hinten gebogenen Zähnchen aus Horn bestehen. Damit sind Katzen beispielsweise in der Lage, noch so kleine Fleischreste von einem Knochen zu schlecken. Die wohl größte Bedeutung hat die Zunge allerdings für die Fellpflege: Mithilfe der winzigen Zähne können Katzen ihre Zunge als eine Art Kamm einsetzen. Übrigens: Süßes können Katzen nicht schmecken. © Pond5/Imago
Eine Katze leckt ihre Lippen nach dem Essen frisch blühender Katzenminze.
Die Katzenminze trägt ihren Namen nicht umsonst: Denn Katzen lieben das Katzenkraut, insbesondere die Echte Katzenminze. Ihre berauschende Wirkung sorgt dafür, dass die Stubentiger einfach nicht genug davon bekommen können. Grund dafür ist der Duftstoff Nepectalaton, den die Pflanze zur Abwehr von Insekten einsetzt. © Pond5/Imago
Eine Nahaufnahme einer süßen orangefarbenen Katze, die auf dem Boden schläft.
Katzen verschlafen den Großteil ihres Tages. Schätzungen zufolge dösen die Miezen etwa 14 bis 16 Stunden am Tag und etwa 70 Prozent ihrer Lebenszeit. Ein ganz schön gemütliches Leben, oder? © Pond5/Imago
Eine niedliche flauschige Katze mit blauen Augen liegt auf einem grauen Sofa.
Weiße Katzen mit blauen Augen tendieren nicht nur zu Taubheit, sondern auch zu Blindheit. Die Ursache hierfür ist eine Anomalie im Erbgut. Man geht davon aus, dass 60 bis 80 Prozent aller Katzen mit dieser Farbkombination blind sind. Aus diesem Grund dürfen zwei reinweiße Katzen in Deutschland nicht verpaart werden. © Pond5/Imago
Eine getigerte Katze liegt auf einem Glastisch und lässt ihre Pfoten hängen.
Die älteste Katze der Welt erreichte ein unglaubliches Alter von 38 Jahren. „Creme Puff“ wurde 1967 geboren und starb 2005, drei Tage nach ihrem Rekord-Geburtstag. Damit schaffte es die Samtpfote sogar ins Guinness-Buch der Rekorde. (Symbolbild) © Pond5/Imago

Für das Verhalten gibt es verschiedene Erklärungen. Während Katzen beim Spielen schnell übermütig werden können und die Tritte damit als Spielverhalten interpretiert werden können, können Bunny Kicks auch als Abwehr- oder Distanzverhalten angesehen werden. Wird eine Situation für eine Katze zu viel, wird sie sich nach Möglichkeit verteidigen und durch die Kicks signalisieren, dass das Streicheln oder Spielen an dieser Stelle enden soll. Als dritte Herleitung sollten Katzenbesitzer auch Jagd- und Kampfverhalten in Betracht ziehen. In diesem Modus ist die Aggression am höchsten. Durch Tritte versucht die Katze, ihrem Opfer maximalen Schaden zuzufügen – entweder um einen Gegner zu vertreiben oder eine Beute zu erlegen.

Die einzelnen Verhaltensweisen können blitzschnell ineinander übergehen. Um einschätzen zu können, in welcher Stimmung Ihre Katze sich gerade befindet, ist es wichtig, ihre Körpersprache richtig zu deuten.

Rubriklistenbild: © Panthermedia/Imago

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