Neue Studie

Die Mimik der Katze ist komplexer als gedacht: 276 verschiedene Gesichtsausdrücke beobachtet

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Freude oder Ärger? Katzengesichter sind oft schwer zu deuten.
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Freundlicher als gedacht: Forscherinnen fanden heraus, dass Katzen zu fast 300 unterschiedlichen Gesichtsausdrücken fähig sind.

Der Hund gilt als soziales Tier. Ihm wird sogar nachgesagt, dass er lächeln kann. Die Katze hingegen? Nicht so. Eine Studie von 2017 attestierte dem Stubentiger sogar nur drei verschiedene Gesichtsausdrücke. Freude oder Trauer? Fehlanzeige! Viele Katzenbesitzer sehen das etwas anders – und eine neue Studie gibt ihnen jetzt recht. Sie zeigt: Katzenmimik ist fast genauso komplex wie die von Hunden!

Neue Studie zeigt: Katzen haben eine ganze Menge Gesichtsausdrücke 

In der aktuellen Studie beobachteten Laura Scott, Medizinstudentin an der University of Kansas Medical Center und Brittany Florkiewicz, Evolutionsbiologin am Lyon College in Arkansas, 53 tierische Bewohner und Bewohnerinnen eines nahegelegenen Katzencafés. Dabei filmten sie die Tiere während des Betriebs und auch nach Feierabend – um auszuschließen, dass Katze und Kater sich nur dem Menschen anpassen. Dafür verwendeten sie eine speziell trainierte Software. Die Ergebnisse sind verblüffend: Katzengesichter verhalten sich weit kommunikativer als gedacht – und damit auch viel sozialer.

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Auf die Schnurrhaare kommt es an

Warum Katzen bisher als ausdruckslos galten? Möglicherweise achten Menschen zu stark auf Mund und Augen. Immerhin ist bekannt, dass zufriedene Katzen blinzeln. Die Forscherinnen erkannten aber, dass Katzen zu 26 Bewegungsmuster fähig sind. Zum Vergleich: Hunde schaffen 27, der Mensch 44. Wichtig bei der Katze waren hier neben Mund und Augen die Bewegungen der Ohren, der Nase und der Schnurrhaare. Aus den einzelnen Komponenten ergeben sich 276 detaillierte Gesichtsausdrücke.

Gerade die Schnurrhaare zeigen recht deutlich, wie das Tier sich fühlt. Die Forscherinnen stellten fest: Bei einer zufriedenen Katze zeigen die Schnurrhaare immer nach vorne. Im Gespräch mit Live Science berichtet Florkiewicz: „Es war interessant, sie bei einem spielerischen Kampf zu sehen, der zu einer aggressiven Begegnung eskalierte. Man sieht, wie sich der Gesichtsausdruck verändert. Erst waren die Augen der Katze entspannter und die Ohren und Schnurrhaare nach vorne gerichtet. Eine Bewegung, um näher an die andere Katze heranzukommen. Aber dann wurde es unschön, und die Katze legte ihre Ohren und Schnurrhaare nach hinten – ihre Haltung hat sich ziemlich schnell verändert.“

Katzensprache verstehen: Zehn Signale, die zeigen, dass Ihre Katze Sie liebt

1. Zeichen: Fühlen sich Katzen in der Nähe ihres Menschen pudelwohl, fordern sie meist ausgiebige Kuscheleinheiten ein.
1. Zeichen: Fühlen sich Katzen in der Nähe ihres Menschen pudelwohl, fordern sie meist ausgiebige Kuscheleinheiten ein. (Symbolbild) © Westend61/Imago
Im Allgemeinen gelten Katzen als sehr intelligent.
2. Zeichen: Schnurrt eine Katze beim Schmusen, ist das ein eindeutiger „Liebesbeweis“. (Symbolfoto) © Westend61/Imago
3. Zeichen: Reibt Ihre Katze an den Beinen entlang, verteilt sie bestimmte Duftstoffe und markiert Sie damit als geliebtes Familienmitglied.
3. Zeichen: Reibt Ihre Katze an den Beinen entlang, verteilt sie bestimmte Duftstoffe und markiert Sie damit als geliebtes Familienmitglied. (Symbolbild) © Ardea/Imago
4. Zeichen: Mit einem „Katzenkuss“ drücken Samtpfoten ihre Liebe aus. Das machen sie oft, wenn man sich ihrem Gesicht mit der Stirn nähert.
4. Zeichen: Mit einem „Katzenkuss“ drücken Samtpfoten ihre Liebe aus. Das machen sie oft, wenn man sich ihrem Gesicht mit der Stirn nähert. (Symbolbild) © Westend61/Imago
5. Zeichen: Ihre Katze legt sich beim Kraulen auf den Rücken? Dann fühlt sie sich geborgen und sicher.
5. Zeichen: Ihre Katze legt sich beim Kraulen auf den Rücken? Dann fühlt sie sich geborgen und sicher. (Symbolbild) © Cavan Images/Imago
6. Zeichen: Drücken Katzen ihre Vorderpfoten abwechselnd auf den Boden, ist das ein klares Signal für Wohlbefinden. Der Milchtritt ist ein Verhalten aus der Kinderstube. (Symbolbild)
6. Zeichen: Drücken Katzen ihre Vorderpfoten abwechselnd auf den Boden, ist das ein klares Signal für Wohlbefinden. Der Milchtritt ist ein Verhalten aus der Kinderstube. (Symbolbild) © Shotshop/Imago
7. Zeichen: Tiefe Zuneigung zeigen Katzen, wenn sie Ihnen beim Streicheln die Hand oder den Arm abschlecken. Gegenseitiges Putzen ist unter Samtpfoten ein wichtiger Bestandteil des Sozialverhaltens. (Symbolbild)
7. Zeichen: Tiefe Zuneigung zeigen Katzen, wenn sie Ihnen beim Streicheln die Hand oder den Arm abschlecken. Gegenseitiges Putzen ist unter Samtpfoten ein wichtiger Bestandteil des Sozialverhaltens. (Symbolbild) © Imaginechina-Tuchong/Imago
8. Zeichen: Wenn Ihre Katze beim Streicheln vorsichtig an der Hand knabbert, tut sie das nicht, um Sie zu verletzen. Denn der „Liebesbiss“ ist eine zärtliche Geste.
8. Zeichen: Wenn Ihre Katze beim Streicheln vorsichtig an der Hand knabbert, tut sie das nicht, um Sie zu verletzen. Denn der „Liebesbiss“ ist eine zärtliche Geste. (Symbolbild) © Westend61/Imago
9. Zeichen: Ihre Katze liebt es, ausgelassen mit Ihnen zu spielen? Herzlichen Glückwunsch! Dann sind Sie ein geliebter Spielkamerad.
9. Zeichen: Ihre Katze liebt es, ausgelassen mit Ihnen zu spielen? Herzlichen Glückwunsch! Dann sind Sie ein geliebter Spielkamerad. (Symbolbild) © Westend61/Imago
10. Zeichen: Schläft Ihre Katze auf dem Schoß ein, zeigt sie damit vollkommenes Vertrauen in Sie. Mehr Liebe geht nicht.
10. Zeichen: Schläft Ihre Katze auf dem Schoß ein, zeigt sie damit vollkommenes Vertrauen in Sie. Mehr Liebe geht nicht. (Symbolbild) © Westend61/Imago

Insgesamt waren die beobachteten Gesichtsausdrücke zu 45 Prozent freundlich und entsprachen also überhaupt nicht dem Mythos der „Grumpy Cat“. Sogar das lächelnde „Spielgesicht”, das von Hunden bekannt ist, zeigten die Studienobjekte. 37 Prozent der Mimik identifizierten die Forscherinnen als finster, 18 Prozent konnten sie nicht zuordnen. Um diese zu verstehen, ist eine Folgestudie geplant. Was die Wissenschaftlerinnen auch noch klären wollen: Ist die Katzenmimik natürlich oder durch den Menschen sozialisiert? Dafür braucht es aber mehr Daten von Wildkatzen.

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