VonRomina Kunzeschließen
Wo viele Menschen sind und wenig Wohnraum, sollten Einzelne sich nicht zu breit machen. Nach dieser Logik dürfen Berliner Singles bald nur noch „kleine Wohnungen“ mieten.
Berlin – In Deutschland fehlt es massiv an bezahlbarem Wohnraum, vor allem in den Großstädten sind viele Menschen vergeblich auf der Suche. In München, wo die Mieten pro Quadratmeter deutschlandweit mit Abstand am höchsten sind, richtete sich eine junge Frau auf Wohnungssuche sogar am Hauptbahnhof häuslich ein. Mehrere Zehntausend neue Wohnung bräuchte es, um die Lage in der bayerischen Hauptstadt zu entspannen.
In Berlin dürfte die Wohnungsnot noch schlimmer sein. Einer Studie zufolge fehlen 100.000 Wohnungen, ein Mangel, dem Ex-Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) mit 20.000 Neubauten jährlich beikommen wollte. Gelungen ist ihr das nicht. Nun hat der Berliner Senat reagiert und eine neue Regelung beschlossen, um „den vorhandenen Wohnungsbestand bestmöglich zu nutzen“.
Neue Regel in Berlin: „Kleine Wohnungen“ für Singles, größerer Wohnraum für Familien vorbehalten
Nach der neuen Kooperationsvereinbarung zwischen Senat und landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften sind Alleinstehende künftig eingeschränkter in ihrer Wohnungssuche – zumindest bei landeseigenen Wohnungen. Demnach sollen Alleinstehende nur noch „kleine Wohnungen“ beziehen dürfen; „große Wohnungen“ sollen dagegen Familien vorbehalten sein, wie aus einem Bericht der Berliner Zeitung (BZ) hervorgeht.
Mit der neuen Regelung, die ab 2024 in Kraft tritt, soll „ein angemessenes Verhältnis von Haushalts- und Wohnungsgröße bei der Neu- und Wiedervermietung sichergestellt“ werden. Wie genau „kleine“ und „große“ Wohnungen definiert sind, darüber gibt der Senat keinen Aufschluss. „Es wird keine Vorgaben pro Wohnungsgröße zu Anzahl der Mieterinnen und Mieter geben“, heißt es in der geschlossenen Vereinbarung. Auch wie „angemessen“ zu verstehen ist, bleibt im Unklaren.
Laut den Informationen der BZ sollten Personen in einer ersten Fassung der Kooperationsvereinbarung auf jeweils ein Zimmer beschränkt werden. Der Passus wurde gestrichen, wie viele Zimmer Singles letztlich anmieten dürften, würde „immer eine konkrete Entscheidung im Einzelfall sein“, heißt es dafür nun in dem Dekret.
Tausch, Steuererleichterungen, Größen-Vorgabe: Was hilft gegen die Wohnungsnot in Deutschland?
Die Wohnungslage bleibt angespannt; nicht nur, weil die Neubauten stockten. Auch vermeintliche Fehlbelegung ist ein Grund. Einer Studie des Instituts für Wirtschaft (IW) würden Senioren zu großzügig hausen. Im Frühjahr sprachen sich die Linken dafür aus, dass Rentner, die unverhältnismäßig große Räumlichkeiten bewohnen, mit jungen Familien tauschen sollen, ähnlich sah das der Mieterbund. Die Idee der Grünen: Rentner sollen Wohnungen an Familien steuerfrei vermieten können.
Derweil hat sich die SPD klar gegen solche Vorhaben ausgesprochen. Man brauche dringend bezahlbaren Wohnraum in Deutschland, könne aber ältere Menschen nicht zum Umzug zwingen, betonte Bundesbauministerin Klara Geywitz. Einer Studie zufolge fehlen bundesweit etwa 700.000 bezahlbare Wohnungen.
Besonders prekär ist die Lage in Ballungsräumen: Laut einer Kurzstudie des Deutschen Instituts für Wirtschaft sind zudem sechs Prozent der Wohnungen in deutschen Großstädten deutlich über oder unterbelegt. Und: Deutlich mehr Haushalte suchten eine größere Wohnung als umgekehrt. „Auf einen Haushalt, der sich verkleinern will, kommen fünf, die sich vergrößern wollen“, sagt David Eberhard vom Verband der Berlin-Brandenburgischen Wohnungsunternehmen (BBU) gegenüber der taz.
Hohe Zinsen und steigende Baukosten führten in den vergangenen Jahren dazu, dass der Wohnungsbau hinter den gesteckten Zielen blieb. Experten befürchten, dass 2024 die Zahlen weiter fallen. (rku)
Rubriklistenbild: © Eugenio Marongiu/Imago

