Neurodegenerative Erkrankungen

Demenz vorbeugen: Besitz eines beliebten Haustieres kann das Risiko reduzieren

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Ein Hund kann nicht nur vor Einsamkeit schützen: Der langfristige Besitz des Haustiers könnte sich auch positiv auf die Gedächtnisleistung auswirken.

Bei Demenz-Erkrankungen handelt es sich um ein fortschreitendes, unheilbares, neurologisches Krankheitsbild. Es ist gekennzeichnet durch verminderte kognitive Fähigkeiten und einen zunehmenden Gedächtnisverlust, der nicht mehr rückgängig zu machen ist. So verläuft eine Alzheimer-Erkrankung typischerweise in vier Stadien.

Da die Bevölkerung immer älter wird und das Alter ein Risikofaktor für Demenz darstellt, werden in Zukunft immer mehr Menschen daran erkranken. Allerdings ist eine Demenz nicht unvermeidlich. Auch der Lebensstil spielt eine wichtige Rolle zum Schutz vor der neurodegenerativen Erkrankung. Dabei kann laut einer Studie der langfristige Besitz eines Hundes präventiv wirken.

Demenz vorbeugen: Forscher untersuchen Hundehaltung als Schutz vor Erkrankung

Das Risiko für eine Demenz-Erkrankung kann teilweise beeinflusst werden. Der Besitz eines Hundes senkt beispielsweise das Risiko.

Laut Informationen der Psychology Today legen Untersuchungen nahe, dass etwa ein Drittel von Demenzfällen mit kontrollier- und veränderbaren Ursachen u.a. des eigenen Lebensstils zusammenhängen. Dazu zählen beispielsweise soziale Isolation, Mangel an körperlicher Aktivität sowie chronischer Stress, aber auch Depressionen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Im Fokus vieler wissenschaftlichen Studien zur Demenz-Prävention stehen daher Lebensgewohnheiten, die die Wahrscheinlichkeit oder Schwere solcher Erkrankungen reduzieren können. Wie ein Forscherteam im Zuge dessen herausfand, kann sich auch die Haltung eines Hundes positiv auf das Demenz-Risiko auswirken.

In ihrer Studie, die 2022 im Fachmagazin Journal of Aging and Health erschienen ist, untersuchte das Forscherteam um Dr. Jennifer W. Applebaum von der University of Florida in Gainesville, wie der Besitz eines Hundes dazu beitragen kann, kognitive Rückgänge bei älteren Menschen auszugleichen. Ihren Überlegungen gingen die bereits bekannten und nachgewiesenen positiven Auswirkungen eines Lebens mit Haustier auf das Wohlbefinden voran. So kann der Besitz eines Hundes mit einem geringeren Risiko für Depressionen, einer besseren Herz-Kreislauf-Gesundheit und weniger Einsamkeit einhergehen.

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Demenz vorbeugen: Studie zeigt, dass langfristiger Hundebesitz vor Erkrankung schützen kann

Für ihre Untersuchung analysierten die Wissenschaftler Daten aus der Health and Retirement Study der University of Michigan. Dafür wurde eine Gruppe von 1.369 Personen über einen Zeitraum von sechs Jahren mithilfe verschiedener kognitiver Tests analysiert und beobachtet. Das Ziel war es, die Auswirkungen des Hundebesitzes auf die kognitiven Fähigkeiten von Senioren zu untersuchen. Die Forscher waren jedoch überzeugt davon, dass es keinen spürbaren kognitiven Nutzen bringt, wenn man einfach einen Hund im Zimmer hat oder ihn vor einem Test streichelt. Daher stellten sie die These auf, dass kurze Interaktionen mit einem Haustier nicht helfen können, sondern dass nur alltägliche Interaktionen mit einem vertrauten Hund über einen längeren Zeitraum eine positive Wirkung auf die kognitiven Fähigkeiten haben kann.

Tipps für ein Leben mit Demenzkranken: Warum Angehörige Aggressionen nicht persönlich nehmen sollten

Junger und ältere Mann spielen Schach
Die Diagnose Demenz ist ein Schock für alle Familienmitglieder. Wichtig ist, dass sich besonders die Menschen, die dem Betroffenen nahe stehen, weitestgehend über das Krankheitsbild informieren. So können alle Beteiligten den Prozess der Erkrankung und die damit verbundenen Veränderungen besser einordnen. Denn Veränderungen kommen zwangsläufig bei Demenz auf die Familie zu. Daher ist es auch wichtig, Gewohnheiten der Betroffenen und Dinge, die sie gerne tun, so lange wie möglich aufrecht zu halten. Sei es das geliebte Schachspiel mit dem Enkelsohn, der Stammtisch mit Freunden oder die wöchentlichen Chorproben – was es auch ist, das Ihrem an Demenz erkranktem Familienmitglied Freude bereitet, unterstützen Sie es darin, solange es geht. © Cavan Images/Imago
Familie am Tisch beim Essen
So groß an manchen Tagen der Kummer und die Traurigkeit über das erkrankte Familienmitglied – die Oma, der Opa, der Papa oder die Mama – sein mag, umso wichtiger ist es, dass die Familie näher zusammenrückt und die kleinen Freuden im Alltag sucht. Lenken Sie Ihren Nahestehenden so gut es geht ab, achten Sie jedoch auf einen gleichbleibenden Tagesablauf mit geregelten Abläufen, Mahlzeiten und wenig Überforderung. Schaffen Sie so gut es geht eine entspannte und vertraute Umgebung, in der Sie laute Geräusche vermeiden. Zu viele und belastende Aktivitäten können Menschen mit Demenz verunsichern und nicht selten sogar aggressiv machen. © Monkey Business 2/Imago
Vater und Sohn
So schwer es im Trubel des Alltags sein kann, nehmen Sie sich Zeit für ruhige Momente mit dem Betroffenen. Achten Sie auf eine klare und sanfte Ansprache sowie Körperkontakt durch beispielsweise Hände berühren, über den Rücken streicheln oder in den Arm nehmen – das kann auch beruhigen. Hören Sie zu und sprechen sowie argumentieren Sie auf der Gefühlsebene mit Ihrem Nahestehenden, der an Demenz erkrankt ist, so fühlt sich dieser verstanden, zum Beispiel, „Das macht Dich jetzt ganz unruhig“, „Ich sehe, Du bist jetzt richtig ärgerlich“ oder „Du fühlst Dich ganz alleingelassen, richtig.“ Beginnen Sie ein Gespräch am besten immer mit einer wertschätzenden Aussage, „Das hast Du jetzt richtig gut gemacht“, wie die Alzheimer Gesellschaft e. V. empfiehlt, das schafft vonseiten des an Demenz-Ekrankten Vertrauen, reduziert Ängste sowie Unsicherheiten. © Monkey Business 2/Imago
Frau sitzt mit Mann auf einer Bank
Wichtig und so gut es geht: Bleiben Sie als Angehöriger eines an Demenz-erkrankten Familienmitglieds gelassen. Beziehen Sie die Aggressionen und Gefühlsschwankungen nicht auf sich persönlich. Das Verhalten und die Situation sind sehr belastend, doch letztlich sind es die typischen Symptome der Erkrankung, die Einfluss auf das Wesen des Betroffenen haben. Sobald Sie merken, dass Sie an Ihre Grenzen kommen, suchen Sie sich Hilfe, über den Hausarzt und entsprechende Beratungsstellen. © Monkey Business 2/Imago
Mann streitet mit Frau
Versuchen Sie im Alltag Auseinandersetzungen, Streit und schlechte Stimmung zu vermeiden. Menschen, die an Demenz erkrankt sind, argumentieren häufig in ihrer eigenen Welt, folgen einer anderen Logik und lassen sich nur schwer mit Gegenargumenten überzeugen. Das kann mitunter auch zu schweren Aggressionen den Mitmenschen gegenüber und Kurzschlussreaktionen führen. Lösen Sie als Angehöriger hingegen den Konflikt über Ablenkung, indem Sie ein neues Thema anreißen oder etwas ganz „Banales“ ansprechen. © xfizkesx/Imago
Älterer erwachsener Männchen steht hinter einer traurigen älteren erwachsenen Frau
Versuchen Sie auch in schwierigen Situation und Gesprächen Verständnis aufzubringen und geduldig zu sein. Ihre nahestehende Person verhält sich nicht aus einer Absichtshaltung heraus so. Menschen, die an Demenz erkranken, reagieren häufig nicht mehr verstandesmäßig, vielmehr impulsiv und unkontrolliert. Häufig sind es Ängste, Überforderung, Stress und Unsicherheit, die zu dem aggressiven Verhalten führen. Bleiben Sie unbedingt ruhig, sprechen Sie deutlich und langsam sowie in einfachen, kurzen Sätzen. Wiederholen Sie das Gesagte und geben Sie den Betroffenen ausreichend Zeit zu reagieren. © imageBROKER/Andy Dean/Imago
Ältere Frau mit Mann
Als gesunde Angehörige können Sie Ihrem erkrankten Familienmitglied Orientierung geben. Äußern Sie, wo nötig, Anweisungen, und zwar in einzelnen Schritten hintereinander. Stellen Sie Fragen, die der Erkrankte möglichst einfach, zum Beispiel mit „Ja“ oder „Nein“ beantworten kann. Vermeiden Sie W-Fragen wie zum Beispiel, „Wie?“, „Wieso?“, „Warum?“, „Wann?“ – das kann schnell zur Überforderung beitragen. Setzen Sie im Verlauf der Erkrankung auf Hilfsmittel wie gut lesbare Hinweisschilder, beispielsweise an den Schubladen, einen Kalender mit dem aktuellen Datum und wichtigen Mitteilungen, große Uhren im Zuhause oder letztlich einen Rollator für bessere Mobilität. Suchen Sie immer wieder den Kontakt zu Ihrem geliebten Vertrauten, das gibt ihm Sicherheit. © Lisa F. Young/Imago
Junge Frau mit älterer Frau am Computer
Unterstützen Sie den Betroffenen in seinen Aktivitäten, wo sinnvoll. Aufgaben wie Einkäufe, Bank-Überweisungen oder anderes können auch gemeinsam getätigt werden, oder Sie als Angehöriger übernehmen es ab einem bestimmten Zeitpunkt der voranschreitenden Demenz-Erkrankung für Ihren Nächsten. Wichtig ist dabei, dass Sie dies erklären und ankündigen, wenn Sie bei Aufgaben unterstützen wollen oder diese übernehmen. So fühlt sich Ihr Familienmitglied weniger bevormundet. © gulliver20 via imago-images.de/Imago
Enkelin und Großmutter schauen ein Fotoalbum an
Unterstützen Sie das Langzeitgedächtnis Ihres Nahestehenden durch positive Dinge: Schauen Sie in der Familie regelmäßig Fotos an, sprechen Sie oft über schöne Erlebnisse aus der Vergangenheit, so lassen sich so lange wie möglich positive Gefühle bei den Demenz-Betroffenen hervorrufen. © imagebroker/Imago
Person schließt Haustür ab
So hart es zunächst in der Vorstellung sein mag, so wichtig kann es zur Gefahrenreduzierung auch sein: Menschen, die gerade an einer vorangeschrittenen Demenz leiden, verlieren zunehmend die Orientierung. Das kann auch dazu führen, dass sie einfach das Zuhause verlassen und irgendwohin laufen. Daher sollten Sie am besten immer die Haustür von innen absperren, wenn Sie mit Ihrem Nächsten zu Hause sind, und auch andere Familienmitglieder darüber unterrichten, dass diese Gleiches tun. Gleichzeitig sollten Sie darauf achten, dass mögliche Stolperquellen im Haus oder der Wohnung reduziert werden, um die Unfall- und Verletzungsgefahr zu reduzieren. Menschen mit Demenz verlieren zusehends ihr Zeitgefühl, stehen nicht selten nachts auf und wandeln umher. © sarahdoow/Imago

Die Ergebnisse zeigten schließlich einen Unterschied bei den Teilnehmern, die 65 Jahre alt oder älter waren. Demnach hatten diejenigen, die seit mehr als fünf Jahren ununterbrochen Hunde besaßen, bessere kognitive Fähigkeiten als die Personen, die kein Haustier oder seit weniger als fünf Jahren ein Haustier besaßen. Zudem kristallisierte sich als der größte Vorteil des Hundebesitzes eine Überlegenheit der über 65-jährigen Langzeittierhaltern bei den Tests, die das verbale Gedächtnis betrafen, heraus. Die Forscher nehmen an, dass das als „Liebeshormon“ oder „Wohlfühlhormon“ bezeichnete Oxytocin eine wichtige Rolle spielt. Demnach habe das Hormon nicht nur emotionale Auswirkungen, sondern könne auch die Gedächtniskodierung beim Menschen auf neurologischer Ebenen beeinflussen. Von zusätzlichen Ocytocin-Dosen durch eine langfristige Hundetierhaltung könnten Senioren folglich nicht nur emotional, sondern auch kognitiv profitieren.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion leider nicht beantwortet werden.

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