Kroatien-Preise um 70 Prozent gestiegen: Präsident wendet sich an Urlauber
VonDiana Serbe
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Einst erschwinglich, nun teurer als Spanien und Griechenland: Kroatiens Preise explodieren. Urlauber reagieren bereits und aus der Politik kommt ein Appell.
Zagreb – Kroatien, lange Zeit bekannt als erschwingliches Urlaubsziel, erlebt einen dramatischen Anstieg der Preise. Diese Entwicklung hat zu einem Sturm der Entrüstung in sozialen Medien und auf Bewertungsplattformen geführt. Viele Urlauber, die von den niedrigen Preisen angelockt wurden, zeigen sich nun enttäuscht und verärgert.
Kroatien: Kosten steigen, Urlauber bleiben aus
Kroatien war für Touristen aus deutschsprachigen Ländern, aber auch für einige unserer osteuropäischen Nachbarn und vor allem für Italiener ein sicherer Hafen für preiswerten Sommerurlaub. Die Zeiten haben sich geändert. Das kroatische Statistikamt (DZS) spricht von einer Teuerung für Restaurants und Hotels um 70 Prozent in den Jahren 2015 bis 2024. Damit sind einige Orte teurer als die Urlaubs-Mitbewerber Spanien und Griechenland.
Die Preiserhöhungen in Kroatien seien jedoch nicht auf externe Faktoren wie Energiepreise oder Mehrwertsteuererhöhungen zurückzuführen. Vielmehr sind es die gestiegenen Betriebskosten im Gastgewerbe, die die Preise in die Höhe getrieben haben, so das britische Magazin Express. Einige finden die Preiserhöhungen gerechtfertigt, wie eine Restaurant-Rechnung einer Urlauberin zeigt.
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In einer Untersuchung beziehen sich die Briten darauf, wie sich das Image des wunderschönen Balkanlandes wegen explodierender Kosten zusehends ins Negative ändert. Die Folgen seien bereits spürbar: stagnierende Übernachtungszahlen und ein Rückgang der Touristenausgaben. Besonders betroffen seien dem Magazin zufolge die Einnahmen aus dem ausländischen Tourismus, die im vergangenen Jahr laut kroatischem Tourismusministerium um 0,7 Prozent zurückgegangen seien. In Kroatien verfolge man das als besorgniserregenden Trend. Die Besucherzahlen an sich führten 2024 zu einem Rekord: 21,7 Millionen Ankünfte, 110 Millionen Übernachtungen und 15 Milliarden Euro Einnahmen.
Urlauber machen ihrem Ärger über Kroatien im Internet Luft
Express zufolge machen Touristen auf Bewertungsplattformen wie „Tripadvisor“ ihrem Ärger über die Preiserhöhungen Luft. Ein norwegischer Tourist schrieb enttäuscht: „Alles ist viel teurer als vorher. Die Preise sind ungewöhnlich hoch und haben sich in zwei Jahren wahrscheinlich um das Zwei- bis Dreifache erhöht.“ Besonders schockiert zeigte er sich über die hohen Kosten für einfache Dienstleistungen wie ein Solarium, das angeblich zwischen 25 und 30 Euro koste.
Im Gegensatz dazu bemerkte ein britischer Tourist keinen großen Unterschied zu seinem letzten Besuch. „Der Vergleich unserer Ausgaben für Essen und Trinken in Rovinj im Jahr 2023 und Hvar in diesem Jahr fiel interessanterweise sehr ähnlich aus, es gab keine großen Preisunterschiede.“ Weniger Urlauber bedeutet nicht zwangsweise weniger Einnahmen und weniger Umsatz, wie auch in anderen Mittelmeerregionen zu sehen ist. Eine Urlauberin zeigt, wie man sich im Kroatien-Urlaub auch günstig verpflegen kann.
Dem DZS zufolge verzeichnet Kroatien im ersten Quartal 2025 dennoch ein Wachstum beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das bedeutet keinen so großen Zuwachs wie noch 2024, doch immerhin keine Stagnation.
Kroatiens Ministerpräsident: „Andere haben auch Strände und Inseln“
Allerdings sieht auch der kroatische Ministerpräsident Andrej Plenković (55) die Notwendigkeit, zu handeln. Er hat sich klar gegen weitere Preiserhöhungen im Tourismus ausgesprochen. „Es gibt keinen Grund, die Preise zu erhöhen, denn andere haben auch das Meer, Strände, Inseln und kulturelles Erbe“, zitiert ihn das deutschsprachige News-Portal kroatien-nachrichten.de. Plenković unterstrich, Kroatiens Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und eine umsichtige Preispolitik zu verfolgen.
Dubrovnik wird gern als die „Perle der Adria“ bezeichnet. Doch die Fahrt in die kroatische Stadt dauert nicht nur lang – sondern kostet auch einiges an Mautgebühren.
Kroatien-nachrichten.de will von einem Rückgang von 18 Prozent der deutschen Gäste und von 14 Prozent weniger französischen Gästen wissen. Offizielle Buchungszahlen, die das bestätigen, liegen IPPEN.MEDIA nicht vor. Touristik Aktuell kündigte im Februar 2025 an, die Nachfrage nach Kroatien-Urlaub sei in dieser Saison konstant hoch. Romeo Draghicchio, Deutschland-Direktor der kroatischen Zentrale für Tourismus, sagte dem Magazin, man sehe vor allem für Premiumunterkünfte und Reisen außerhalb der Hochsaison einen Zuwachs. Der Fokus liege mittlerweile auf nachhaltigem Wachstum, der Verlängerung der Saison und der Förderung von Nischenmärkten wie Wellness-, Kultur- und Aktivurlaub.