Italien nicht auf Platz 1, Kroatien überrascht: Index zeigt, wohin man im Sommer lieber nicht reisen sollte
VonBettina Menzel
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Portugal, Spanien, Italien: Der Overtourism-Index beleuchtet die Schattenseiten des Tourismus – und nennt Reiseziele, die weniger überlaufen sind.
München – Viele beliebte Urlaubsländer kämpfen mit den Folgen des Massentourismus. In manchen Regionen regt sich bereits Widerstand in der Bevölkerung, auf den Kanaren demonstrierten zuletzt tausende Anwohner für ein neues Tourismus-Modell. Um das Phänomen des Übertourismus erstmals objektiv messbar zu machen, entwickelte die Reisebuchungsplattform Evaneos zusammen mit der Unternehmensberatung Roland Berger den Overtourism-Index. Die Analyse zeigt nicht nur die am stärksten belasteten Reiseziele, sondern auch echte Alternativen.
Fast die Hälfte aller Anreisen im Sommer: Südeuropa kämpft mit Touristenansturm
Der Index basiert auf Daten von 70 der 100 beliebtesten Reiseziele weltweit. Die Bewertungsskala reicht von eins (geringe Gefährdung) bis fünf (extreme Gefährdung). Als Hauptkriterien wählten die Experten Reisende pro Einwohner, Urlauber pro Quadratkilometer sowie saisonale Konzentration und Nachhaltigkeits-Reifegrad, mit dem die sozialen Auswirkungen oder der Effekt auf die Infrastruktur abgebildet werden soll. Bei den Strand-Reisezielen gehören laut den Analysten Zypern, Mauritius, Griechenland und Kroatien zu den besonders gefährdeten Regionen. Rund 25 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) dieser Länder hängt vom Tourismus ab.
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Die Reiseziele in Europa mit einem besonders hohen Anteil an Touristen sind dem Index zufolge Spanien, Italien, Portugal und Frankreich. Bis zu 43 Prozent der Anreisen konzentrieren sich in diesen Ländern auf die Sommermonate, was die Auswirkungen des Tourismus besonders spürbar macht, heißt es in der Analyse. Dann nennt der Index noch städtische Reiseziele, die mit Übertourismus kämpfen. Die Top Drei sind demnach die Metropolen Kopenhagen, Amsterdam und Dublin. Eine Schattenseite des Massentourismus: Nicht immer verhalten sich Touristen im Urlaub respektvoll oder ressourcenschonend. Viele Urlaubsorte sehen sich deshalb gezwungen, strengere Regeln einzuführen.
Italien ist bei Touristen beliebt, doch der Massentourismus birgt auch Schattenseiten. Vielerorts regt sich Widerstand in der Bevölkerung. Protest-Wandmalerei „Tourist go home“ in Palermo, Italien, Strandbild aus Sardinien.
Diese Länder sind weniger überlaufen: Overtourism-Index lüftet „Geheimtipps“
Kanada, die USA, Australien und Tansania bewerten die Experten von Evaneos und Roland Berger als sogenannte „behütete Reiseziele“. Unter anderem, weil sich die Touristen über das gesamte Jahr gleichmäßig verteilten. Seit Beginn der zweiten Amtszeit des US-Präsidenten Donald Trump und seiner strengen Einwanderungspolitik sind die USA allerdings nicht mehr so beliebt bei Reisenden. „Seit Trumps Wiederwahl sind die Buchungen auf unserer Plattform für Reisen in die Vereinigten Staaten von Amerika weltweit um elf Prozent zurückgegangen“, sagt Laurent de Chorivit von Evaneos. Auf dem deutschen Markt hätten sie sich sogar halbiert.
Australien: Index 1,5
USA: Index 1,7
Tansania: Index 1,8
Peru: Index 1,8
Argentinien: Index 1,8
Kolumbien: Index 1,9
Iran: Index 2 – Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen in den Iran
Die Experten von Evaneos und Roland Berger schlagen auch konkrete Maßnahmen vor, um den Übertourismus einzugrenzen. Sinnvoll wäre etwa die Einführung von Kapazitätsgrenzen, die Verlagerung des Tourismus in die Nebensaison sowie mehr Aufklärung bei den Urlaubern. Ein Experte forderte im Gespräch mit IPPEN.MEDIA ebenfalls härtere Maßnahmen. Der Reiseanbieter Evaneos betont, selbst bereits Konsequenzen gezogen zu haben: Ab Sommer 2025 hat die Plattform in der Hauptsaison keine Reisen mehr nach Mykonos und Santorini im Angebot.