VonJudith Braunschließen
Juliane Gutmannschließen
Die Diagnose Leberkrebs fällt selten, ist aber oft mit geringer Lebenserwartung verbunden. Welche Anzeichen zum Arzt führen sollten, lesen Sie hier.
In Deutschland erkranken jedes Jahr rund 9.000 Menschen neu an Leberkrebs. Damit galt diese Krebsart bislang als relativ seltene Tumorerkrankung. Allerdings nimmt hierzulande, in anderen Ländern Europas sowie den USA die Häufigkeit von Leberkrebs deutlich zu. So hat sich die Anzahl der Neuerkrankungen innerhalb der letzten 35 Jahren sowohl bei Männern als auch bei Frauen jeweils verdoppelt. Männer erkranken dabei zwei- bis dreimal häufiger an Leberkrebs als Frauen. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei 69,9 Jahren für Männer und bei 72,1 Jahren für Frauen.
Inhalt:
- Welche Arten von Leberkrebs gibt es?
- Typischer Krankheits-Verlauf bei Leberkrebs
- Welche Symptome treten bei Leberkrebs auf?
- Leberkrebs-Ursachen
- Behandlung von Leberkrebs
- Diagnose von Leberkrebs
- Mit welcher Prognose Leberkrebs-Patienten rechnen müssen
- Ernährung bei Leberkrebs
- FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Leberkrebs
Welche Arten von Leberkrebs gibt es?
Bei Leberkrebs handelt es sich um eine bösartige Erkrankung der Zellen in der Leber. Weitere Bezeichnungen sind Leberkarzinom, Leberzellkrebs, Leberzellkarzinom, Hepatozelluläres Karzinom und HCC. Ein Leberzellkarzinom entwickelt sich häufig aus einer Leberzirrhose. Da sich bei diesem Leberkrebs ein bösartiger Tumor aus den Zellen innerhalb der Leber bildet und er somit seinen Ursprung in dem Organ selbst hat, wird er auch „primärer“ Leberkrebs genannt. Leberzellkrebs (HCC) ist die häufigste primäre Leberkrebsart. Anzeichen und Beschwerden treten meist erst im fortgeschrittenen Stadium auf. Zuvor zeigt er sich häufig durch unspezifische Symptome und wird daher erst spät entdeckt.
Allerdings gibt es auch Krebszellen, die nicht aus Leberzellen entstanden sind. In diesem Fall handelt es sich um den sogenannten sekundären Leberkrebs oder auch Lebermetastasen. Sie entstehen, wenn Tumore, die ihren Ursprung an einer anderen Stelle des Körpers haben, in die Leber streuen und dort Metastasen (Tochtergeschwulste) bilden. Betroffene leiden folglich in der Regel an einer anderen Krebserkrankung, die meist so weit fortgeschritten ist, dass auch bereits die Leber betroffen ist. Zu derartigen Lebermetastasen können vor allem Krebsarten des Magen-Darm-Trakts wie etwa Darmkrebs oder aber Brustkrebs und Lungenkrebs führen.
Typischer Krankheits-Verlauf bei Leberkrebs
Leberkrebs ist in vielen Fällen auf die Leber beschränkt – auch in fortgeschrittenen Stadien. Dies hat negative Auswirkungen auf die Funktionen der Leber, da es zu einem zunehmenden Verlust von funktionsfähigem Lebergewebe kommen kann. Je weiter die Geschwulst wächst und je nachdem, wo sie innerhalb der Leber liegt, kann die Bindegewebskapsel der Leber durchbrochen werden. Es ist aber auch möglich, dass Lymphknoten oder nahegelegenes Gewebe wie etwa das Bauchfell befallen werden. Zudem können über Blutbahnen und Lymphgefäße einzelne Krebszellen in entfernte Organe gelangen und sich dort ansiedeln sowie weiter vermehren. Dadurch entstehen die Tochtergeschwülste. Leberkrebs führt beispielsweise zu Metastasen in Nebennieren, Knochen, Lunge und Gehirn.
Nach einer erfolgreichen Behandlung eines Leberkarzinoms kommt es nicht selten zu einem Rezidiv. Mediziner meinen damit einen Rückfall des Tumors, welcher dann erneut in der Leber oder auch in anderen Körperregionen auftauchen kann. Daher ist es wichtig, dass Leberkrebs-Patienten in regelmäßigen Abständen überwacht werden – selbst wenn sie eine kurative Behandlung erhalten haben bzw. als geheilt gelten.
Welche Symptome treten bei Leberkrebs auf?
Wer an Leberkrebs erkrankt, kann lange Zeit symptomfrei sein. Tauchen die ersten Krankheitsanzeichen auf, befindet sich der Krebs häufig bereits in einem weit fortgeschrittenen Stadium. Typische Symptome, die ein Hinweis auf Leberkrebs sein können, gibt es in diesem Sinne zudem nicht. Denn auch gutartige und andere Leber- oder Gallenwegerkrankungen können ähnliche Beschwerden hervorrufen. Zu diesen zählen unter anderem:
- Allgemeines Schwächegefühl
- Appetitlosigkeit und ungewollter Gewichtsverlust
- Verdauungsbeschwerden wie Durchfall, Verstopfung, Völlegefühl oder Blähungen
- Schmerzen und Druckgefühl im Oberbauch (insbesondere auf der rechten Seite)
- Gelb gefärbte Augen und Haut (Ikterus bzw. Gelbsucht)
Die Leberkrebs-Symptome verbergen sich meist hinter denen einer Leberzirrhose. Diese tritt bei den meisten Betroffenen (ungefähr 90 Prozent) gleichzeitig auf. Wird ein Tumor also nicht zufällig, beispielsweise bei einer Ultraschalluntersuchung festgestellt, macht sich Leberkrebs erst relativ spät bemerkbar. Im fortgeschrittenen Stadium kommt es dann zu den Symptomen, die mit denen der Leberzirrhose vergleichbar sind. So sind Leber und Milz stark vergrößert. Außerdem leiden Patienten unter typischen Hautveränderungen, zum Beispiel Xanthome (orange-gelblich schimmernde, knoten- oder plaque-artige Fettablagerungen in der Haut) oder Gefäßerweiterung im Gesicht. Verschlechtert sich das Krankheitsbild, nehmen diese Beschwerden meist ebenfalls zu. Oftmals leiden Betroffene außerdem unter Ödemen, da ihr Körper aufgrund eines gestörten Eiweißstoffwechsel vermehrt Wasser einlagert.
Leberkrebs-Ursachen
Da sich ein Leberzellkarzinom häufig aus einer Leberzirrhose entwickelt, ist sie der Hauptrisikofaktor für die Entstehung von Leberkrebs. Die häufigsten Auslöser einer Leberzirrhose sind in Deutschland ein hoher Alkoholkonsum sowie eine chronische Hepatitis-C-Virusinfektion. Allerdings gibt es auch nicht-alkoholbedingte Fettlebererkrankungen, die das Risiko für Leberkrebs ebenfalls erhöhen können. Diese Erkrankungen nehmen dabei an Bedeutung zu und können zum Beispiel durch ein metabolisches Syndrom ausgelöst werden oder die Folge von Diabetes sein. Eine Zuckerkrankheit entwickelt sich wiederum häufig aufgrund von Fettleibigkeit.
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Behandlung von Leberkrebs
Befindet sich der Leberkrebs im Frühstadium, wird meist ein Teil der Leber entfernt. Dies kommt außerdem auch bei Patienten, die nicht unter einer Leberzirrhose leiden, vor. Im fortgeschrittenen Stadium, wenn der Krebs die Leber bereits weitgehend zerstört hat, bleibt oftmals nur noch eine Transplantation als Therapiemöglichkeit.
Es gibt folgende Optionen, um Leberkrebs zu behandeln:
- Operative Entfernung des Tumors
- Ersatz der Leber durch Transplantation
- Lokale Zerstörung des Tumors durch Ablation (Entfernung von Körpergewebe bzw. Körperteile)
Kann der Tumor nicht entfernt werden, kommen zusätzlich medikamentöse Therapie (Chemotherapie) und Strahlentherapie zum Einsatz.
Diagnose von Leberkrebs
Ob Leberkrebs vorliegt, können Mediziner mittels verschiedener Untersuchungen nachweisen. Der Deutschen Krebsgesellschaft zufolge leiten Ärzte in einem ersten Schritt Ultraschalluntersuchung und Blutanalsye ein.
Wenn sich der Verdacht auf Leberkrebs erhärtet, schließen sich weitere Untersuchungsschritte an. Diese helfen, die Art des Tumors zu bestimmen und seine Ausbreitung festzustellen. Dazu zählen:
- Kernspintomografie (Magnetresonanztomografie: MRT)
- Gewebeentnahme aus dem Tumor (Biopsie) und anschließende Untersuchung der Probe
- Computertomografie (CT) des Brustraums
- Gegebenenfalls eine Magen- und Darmspiegelung
Mit welcher Prognose Leberkrebs-Patienten rechnen müssen
Leberkrebs zählt zu den häufigsten Krebstodesursachen in Deutschland. Die Krebsart ist Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) zufolge zwar eher selten, die Prognose sei allerdings schlecht. Von rund 9.800 neuen Fällen pro Jahr versterben fast 8.200 Patienten. Und auch wenn eine Leberkrebserkrankung erfolgreich behandelt wurde, etwa durch eine Operation oder Chemotherapie, sind die Überlebenschancen eingeschränkt. Denn das Risiko, dass der Krebs zurückkehrt (Rezidiv) ist bei Leberkrebs relativ hoch. So liegt die relative 5-Jahres-Überlebensrate bei etwa 17 Prozent. Das bedeutet, dass fünf Jahre nach einer Krebsdiagnose der Anteil der Überlebenden 17 Prozent des Anteils beträgt, der in der Gesamtbevölkerung gleichen Alters und Geschlechts im gleichen Zeitraum beobachtet wird.
Die Überlebenswahrscheinlichkeit bei Leberkrebs ist daher geringer als bei vielen anderen Krebserkrankungen. Das Problem: Die Krebsart wird häufig sehr spät entdeckt. Wenn der Krebs operativ entfernt werden kann, überlebt jeder zweite Patient länger als fünf Jahre. Doch in 80 Prozent der Fälle hat es zu wenig Nutzen, Leberkrebs zum Zeitpunkt der Diagnose zu operieren, weil er bereits Metastasen gebildet hat. In dem Fall beträgt die Lebenserwartung weniger als ein halbes Jahr.
Ernährung bei Leberkrebs
„Eine Krebserkrankung geht häufig mit einem reduzierten Appetit und unerwünschten Gewichtsverlust einher“, wird Andrea Jaworek, Leiterin des Ernährungsteams am Klinikum rechts der Isar in einer Mitteilung der Klinik zitiert. Jaworek zufolge ist es allerdings wichtig, bei einer bestehenden Krebserkrankung nicht abzunehmen. Ein stabiles Gewicht lindere die Nebenwirkungen einer Chemo- oder Strahlentherapie und erhalte die Lebensqualität der Betroffenen, so die Expertin. „Das Hauptziel von Ernährung bei Krebs ist, den Körper mit ausreichend Energie und Nährstoffen zu versorgen, Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität weitgehend aufrechtzuerhalten“, fasst Andrea Jaworek zusammen. Leberkrebs-Patienten sollten daher bei ungewolltem Gewichtsverlust mit ihrem behandelnden Arzt besprechen, wie man entgegenwirken kann.
Folgende Ernährungsregeln sollten Krebspatienten befolgen, um ihren Körper zu unterstützen:
- Essen Sie viele kleine Portionen, etwa fünf bis sechs täglich.
- Reichern Sie gesunde Lebensmittel hochkalorisch an, etwa mit Sahne.
- Essen Sie kalorien- und eiweißreich.
- Achten Sie darauf, immer schnell verfügbare und leckere Speisen zur Hand zu haben.
FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Leberkrebs
Was ist Leberkrebs?
Es gibt verschiedene Arten von Leberkrebs. Am häufigsten wird Leberzellkrebs diagnostiziert. Dieser entsteht aus den Zellen der Leber. Diese Art von Krebs nennen Mediziner auch hepatozelluläres Karzinom (HCC), Leberzellkarzinom oder auch einfach Leberkrebs.
Ist Leberkrebs heilbar?
Leberkrebs ist heilbar. Allerdings nur, wenn der Krebs frühzeitig erkannt wird und sofort die passende Therapie einsetzt.
Wie macht sich Leberkrebs bemerkbar?
Wenn sich erste Symptome zeigen, hat der Krebs in der Regel bereits ein fortgeschrittenes Stadium erreicht. Druckschmerz im Oberbauch, eine tastbare Schwellung unter dem rechten Rippenbogen, ungewollte Gewichtsabnahme, eine Gelbfärbung der Haut (Gelbsucht) mit Juckreiz, Schwäche, Appetitlosigkeit, Übelkeit oder erhöhte Temperatur ohne erkennbare Ursache können auf Leberkrebs hinweisen.
Wohin streut Leberkrebs?
Wenn Leberkrebs metastasiert, sich also im Körper ausbreitet, siedeln sich bösartige Tumorzellen in anderen Geweben und Organen an und vermehren sich dort. Die entstehenden Tochtergeschwülste (Metastasen) treten beim Leberkrebs zum Beispiel in Lunge, Nebennieren, Gehirn und Knochen auf.
Quellen:
https://www.internisten-im-netz.de/krankheiten/leberkrebs/auswirkungen-prognose.html
https://www.internisten-im-netz.de/krankheiten/leberkrebs/erste-anzeichen-symptome/
https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Leberkrebs/leberkrebs_node.html
https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/andere-krebsarten/leberkrebs.html
https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/andere-krebsarten/leberkrebs/erkrankungsverlauf.html
https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/andere-krebsarten/leberkrebs/diagnose.html
https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/leberkrebs.php
https://www.krebsliga.ch/ueber-krebs/krebsarten/leberkrebs
https://www.med.uni-magdeburg.de/Patienten+_+G%C3%A4ste/Ratgeber+Gesundheit/Lebertumor.html
https://www.mri.tum.de/news/bloss-nicht-abnehmen-was-essen-bei-krebs
https://www.muenchen-klinik.de/organe-bauchraum-krankheiten/leberkrebs/
https://www.usz.ch/krankheit/leberkrebs/
Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion nicht beantwortet werden.
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