Elektroautos brennen öfter als Verbrenner: Was ist an dem Mythos dran?
VonSimon Mones
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Elektroautos brennen häufiger als Verbrenner. Das liest man jedenfalls in den sozialen Medien sehr häufig. Die Daten sprechen aber eine andere Sprache.
Die Liste der Mythen über Elektroautos ist lang. Viele dieser Behauptungen haben sich längst emotional aufgeladen und sorgen im Internet für heftige Diskussionen. Denn das Thema spaltet die Autofahrer. So haben viele die Elektromobilität längst für sich entdeckt. Andere wiederum sehen die Stromer als fahrenden Elektroschrott, der ohnehin jeden Moment in Flammen aufgeht. Doch brennen die Stromer wirklich häufiger als ein Pkw mit einem Diesel- oder Benzinmotor?
Wirft man einen Blick in die Medien, so könnte man dies tatsächlich vermuten. Immer wieder wird dort von brennenden Elektroautos berichtet. Auch beim Brand der Fremantle Highway ging man zunächst davon aus, dass ein Stromer der Auslöser war. Geht ein Verbrenner in Flammen auf, ist das jedoch selten ein Thema.
Zahlen sprechen deutliche Sprache: Elektroautos brennen seltener als Verbrenner
Um die Frage zu beantworten, ist also ein Blick in die Statistiken notwendig. Da es weltweit inzwischen mehrere Millionen Elektroautos gibt, liegen auch bruchstückhaft Daten darüber vor. Diese geben jedoch keinen Grund zur Annahme, dass E-Autos häufiger in Flammen aufgehen als Verbrenner. „Alle Daten zeigen, dass E-Fahrzeuge viel seltener in Flammen aufgehen als ihre benzinbetriebenen Pendants“, sagte Colin Walker, Leiter des Bereichs Verkehr beim Thinktank Energy and Climate Intelligence Unit, dem Guardian. „Die vielen, vielen Brände, die es bei Benzin- oder Dieselfahrzeugen gibt, werden einfach nicht gemeldet.“
Das zeigen auch Zahlen aus Norwegen, dem Land mit dem weltweit höchsten Anteil an Stromern. Laut der Direktion für soziale Sicherheit und Notfallvorsorge, gab es vier- bis fünfmal mehr Brände bei Benzin- und Dieselfahrzeugen. Im Jahr 2022 stellte die schwedische Katastrophenschutzbehörde fest, dass es 3,8 Brände pro 100.000 Elektro- oder Hybridautos gab, gegenüber 68 Bränden pro 100.000 Autos, wenn alle Kraftstoffarten berücksichtigt werden. Die letztgenannten Zahlen beinhalten jedoch auch Brandstiftung, was einen Vergleich erschwert.
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Um der Frage nach dem Brandrisiko nachzugehen, hat das australische Verteidigungsministerium das Unternehmen EV Safe finanziert. Dieses hat herausgefunden, dass die Wahrscheinlichkeit eines Batteriebrands bei einem Elektroauto bei 0,0012 Prozent liegt. Bei Verbrennern liegt das Risiko bei 0,1 Prozent – also deutlich höher. Und auch die Autos von Tesla waren zwischen 2012 und 2021 seltener an Bränden beteiligt als Pkw mit Diesel- oder Benzinmotor.
Elektroautos brennen seltener, dafür aber stärker
Was sich jedoch nicht abstreiten lässt, ist, dass Elektroautos deutlich heftiger brennen als ein Verbrenner. Steht ein Stromer in Flammen, kann sich das Feuer zu einem wahren Inferno entwickeln und ist im Vergleich deutlich schwieriger zu löschen. Es wird also mehr Wasser benötigt, da Batteriebrände fast dreimal so heiß brennen und sich immer wieder entzünden können, erklärt EV Safe.
Anmerkung der Redaktion: Dieser Text ist bereits in der Vergangenheit erschienen. Er hat viele Leserinnen und Leser besonders interessiert. Deshalb bieten wir ihn erneut an.
Die Feuerwehren experimentieren daher mit den verschiedensten Ansätzen. Als meistgenutzter Standard für die Kühlung der Batterien von Elektroautos hat sich in Deutschland derweil das „Wasserbad“ durchgesetzt. Hier gibt es verschiedene Systeme, wie etwa den Recover-E-Bag, den Feuerwehren aus Hessen mitentwickelt haben. Es gibt aber auch eine kombinierte Lösung auf Abrollkipper-/Seecontainerbasis, die nach der International Convention for Save Containers (CSC) geprüft wurde. Dieser Container kann auch im weltweiten Frachtverkehr eingesetzt werden.