Corona-Pandemie: Langzeitfolgen für Betroffene

Long Covid und Post Covid als neue Volkskrankheit? „Nur 50 Prozent der alten Leistungsfähigkeit“

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Der „Fluch“ Long Covid und Post Covid – Über 75 Prozent leiden noch Monate nach der Corona-Infektion unter Symptomen, viele sind arbeitsunfähig.

Die Rehaklinik in Bad Gottleuba ist nur eine von verschiedenen spezialisierten Einrichtungen in Deutschland, in der Menschen mit anhaltenden Symptomen nach einer Corona-Infektion behandelt werden. Dr. med. Christoph Altmann berichtet gegenüber dem MDR-Fernsehen, wie einschneidend die Langzeitfolgen seiner Patienten sind und wie schlecht nicht nur die körperliche, auch die psychische Verfassung der Betroffenen sei. „Die meisten Patienten mit Long Covid, die ich frage, wie viel Prozent des Menschen sie noch sind, der sie waren, so sagen sie mir, nur noch 50 Prozent. Das ist gravierend. Etliche davon kommen über viele Monate aus diesem Tal nicht mehr hinaus.“

Long Covid als neue Volkskrankheit? „Nur 50 Prozent der alten Leistungsfähigkeit“

Über 75 Prozent der Erkrankten leiden noch Monate nach der Corona-Infektion unter Symptomen, viele sind arbeitsunfähig. (Symbolbild)

Long Covid hat viele Gesichter. So viele Gesichter, dass Ärzte selbst anhand der Leidensgeschichte ihrer Patienten neue Facetten der tückischen Post-Corona-Erkrankung mit erleben. „Es ist ein Mysterium. Deswegen fühlen sich viele Long Covid-Patienten auch isoliert, nicht ernst genommen. Ärzte sind zum Teil überfragt.“, so Dr. Altmann gegenüber dem MDR. Mittlerweile wird häufig auch von Long Covid und Post Covid gesprochen. Entsprechend der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP) ist Long Covid der Krankheitszustand, bei dem die für Covid-19 typischen Symptome länger als vier Wochen nach der Corona-Infektion bestehen. Dauern die Beschwerden durch Corona länger als zwölf Wochen an, wird dies von Medizinern unter Post Covid beziehungsweise Post Covid Syndrom zusammengefasst.

Langfristige Folgen durch Corona: Wer von Long Covid und Post Covid betroffen ist

Schätzungsweise zwei bis 20 Prozent der an Covid 19 erkrankten Erwachsenen leiden noch nach zwölf oder mehr Wochen unter ihren lebenseinschränkenden Symptomen. Laut internationaler Studienergebnisse des US-National Institutes of Health (NIH) ist bei vielen Corona-Infizierten die höchste Virenlast durch SARS-CoV-2 zunächst in den Atemwegen und der Lunge. Anhand spezieller Analysen zeigen sich allerdings auch Virenpartikel im Gehirn und Herz. Das bedeutet, dass das Covid-Virus verschiedene Organe betreffen und in diesen höchstwahrscheinlich auch Langzeitschäden verursachen kann.

Diese Viren und Bakterien machen uns krank

Eine mit Coronaviren befallene Zelle
Ende 2019 wurde zum ersten Mal über das Coronavirus Sars-CoV-2 berichtet. Zuerst nur in China diagnostiziert, breitete sich die durch Coronaviren ausgelöste Krankheit Covid-19 weltweit aus. Die Pandemie hat im Jahr 2020 weltweit etwa 1.900.000 Todesopfer gefordert. Auf der Darstellung oben ist eine menschliche Zelle (grün) zu sehen, die mit Coronaviren (gelb) infiziert ist.  © Niaid/dpa
HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat.
HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat. © dpa
Pest Erreger Yersinia pestis: Die Infektionserkrankung wird erstmals im 6. Jahrhundert im Mittelmeerraum nachgewiesen. 1894 wird das Bakterium entdeckt. Heutzutage sind bei früher Diagnose die Heilungschancen durch Antibiotika hoch.
Pest Erreger Yersinia pestis: Die Infektionserkrankung wird erstmals im 6. Jahrhundert im Mittelmeerraum nachgewiesen. 1894 wird das Bakterium entdeckt. Heutzutage sind bei früher Diagnose die Heilungschancen durch Antibiotika hoch. © dpa
Ebola Virus: Das Virus verursacht mit inneren Blutungen einhergehendes Fieber. In bis zu 90 Prozent der Fälle verläuft die Krankheit tödlich. Wissenschaftler arbeiten mit Hochdruck an einem Impfstoff.
Ebola Virus: Das Virus verursacht mit inneren Blutungen einhergehendes Fieber. In bis zu 90 Prozent der Fälle verläuft die Krankheit tödlich. Wissenschaftler arbeiten mit Hochdruck an einem Impfstoff. © dpa
Grippe Virus
Grippe Virus: Antigene (gelbe und blaue Antennen) sitzen auf einer doppelten Fettschicht, die sich um die Erbsubstanz im Inneren schließt. Mit der Vermischung verschiedener Virentypen entstehen neue Erbsubstanzen und damit auch Antigene. © dpa
Herpes Virus: Herpes simplex-Viren sind weltweit verbreitet. Nach einer Erstinfektion verbleibt das Virus in einem Ruhezustand lebenslang im Organismus.
Herpes Virus: Herpes simplex-Viren sind weltweit verbreitet. Nach einer Erstinfektion verbleibt das Virus in einem Ruhezustand lebenslang im Organismus. © dpa
Rhinovirus Human rhinovirus 16 (HRV16)
Rhinovirus Human rhinovirus 16 (HRV16): Schnupfen verbreitet sich weltweit durch Rhinoviren. © dpa
Schweinegrippe Virus 1976: Die klassische Schweinegrippe ist ein Influenza-A-Virus vom Subtyp H1N1, der 1930 erstmals isoliert wurde. Daneben sind auch die drei Subtypen H1N2, H3N2 und H3N1 von Bedeutung.
Schweinegrippe Virus 1976: Die klassische Schweinegrippe ist ein Influenza-A-Virus vom Subtyp H1N1, der 1930 erstmals isoliert wurde. Daneben sind auch die drei Subtypen H1N2, H3N2 und H3N1 von Bedeutung. © dpa
Schweinegrippe Virus unter einem Transmissionselektronenmikroskop: 2009 brach die Schweinegrippe in Mexiko aus. Dabei handelt es sich um ein mutiertes Schweinegrippevirus vom Subtyp H1N1, das anders als gewöhnlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.
Schweinegrippe Virus unter einem Transmissionselektronenmikroskop: 2009 brach die Schweinegrippe in Mexiko aus. Dabei handelt es sich um ein mutiertes Schweinegrippevirus vom Subtyp H1N1, das anders als gewöhnlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. © dpa
Spanische Grippe Virus: Die Spanische Grippe (1918) gilt als die schlimmste Grippe-Pandemie aller Zeiten. Bei der Spanischen Grippe handelt es sich um den Virenstrang H1N1, der besonders junge Menschen dahin raffte. Experten schätzen die Zahl der Opfer auf 40 bis 50 Millionen.
Spanische Grippe Virus: Die Spanische Grippe (1918) gilt als die schlimmste Grippe-Pandemie aller Zeiten. Bei der Spanischen Grippe handelt es sich um den Virenstrang H1N1, der besonders junge Menschen dahin raffte. Experten schätzen die Zahl der Opfer auf 40 bis 50 Millionen. © dpa
Auslöser der Tuberkulose sind Bakterien (Mycobacterium tuberculosis)
Tuberkulosebakterium Mycobacterium tuberculosis: Die auch als Schwindsucht bekannte Krankheit ist, obwohl sie heutzutage als heilbar gilt, eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten der Welt. © dpa
Vogelgrippe Influenza-A: Schema des Influenza-A-Virus (Computer-Darstellung von Januar 2006). Der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren, ebenso wie die zahlreichen menschlichen Grippeviren. Das Virus ist kugelrund, sein Durchmesser beträgt nur 0,1 tausendstel Millimeter. In seinem Inneren ist lediglich Platz für ein paar Proteine und die Erbsubstanz.
Vogelgrippe Influenza-A: Schema des Influenza-A-Virus (Computer-Darstellung von Januar 2006). Der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren, ebenso wie die zahlreichen menschlichen Grippeviren. Das Virus ist kugelrund, sein Durchmesser beträgt nur 0,1 tausendstel Millimeter. In seinem Inneren ist lediglich Platz für ein paar Proteine und die Erbsubstanz. © dpa

Betroffene mit einem schweren COVID-19-Verlauf leiden vermutlich häufiger an längerfristigen Symptomen als die Patienten, die zunächst einen milden Verlauf hatten. Darüber hinaus sind Frauen – unabhängig vom Alter – überdurchschnittlich stark von gesundheitlichen Langzeitfolgen nach einer SARS-CoV-2-Infektion betroffen.

Long Covid trifft ältere Menschen, aber auch Kinder und Jugendliche

Long Covid kann nicht nur ältere Menschen treffen, auch jüngere Menschen wie die Jurastudentin Gina Kadow leider darunter. „Ich nehme täglich Schmerztabletten, habe starke Kopfschmerzen, keine Ausdauer mehr, bin ohne Konzentration* und immer schlapp und müde. Zudem habe ich starken Haarausfall, von meinen dichten, langen Haaren ist nur mehr ein kleiner Rest übrig geblieben.“, schildert die 28-Jährige gegenüber dem MDR-Fernsehen.

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Zwar geht man bisher davon aus, dass Risikofaktoren wie ein hohes Alter sowie körperliche und psychische Vorerkrankungen zu einer Entwicklung von Long Covid beitragen können. Doch auch Kinder und Jugendliche bleiben von gesundheitlichen Langzeitfolgen einer SARS-CoV-2-Infektion oder COVID-19-Erkrankung nicht verschont. Wie ausgeprägt und wie häufig sich diese Langzeitfolgen bei Kindern und Jugendlichen äußern, ist laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) allerdings noch unklar. Die bisherigen wissenschaftlichen Studien zu gesundheitlichen Langzeitfolgen nach einer SARS-CoV-2-Infektion beziehen sich überwiegend auf erwachsene Patienten.

Long Covid und die Folgen: Langzeitstudien stehen noch aus

In Deutschland, aber auch im internationalen Umfeld starteten mittlerweile eine Vielzahl von wissenschaftlichen Studien, veröffentlicht beispielsweise in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift The BMJ und der Fachzeitschrift Science der American Association. In diesen Studien werden mögliche Langzeitfolgen nach einer COVID-19-Erkrankung oder SARS-CoV-2-Infektion untersucht. Ziel ist es, betroffene Long Covid-Patienten besser zu verstehen und erkrankten Menschen eine gute, gesundheitliche Versorgung und Unterstützung zu sichern. Zu gesundheitlichen Langzeitfolgen von COVID-19 bei Kindern und Jugendlichen wird beispielsweise im Rahmen des Post-COVID-19 Surveys der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie geforscht.

Long Covid vorbeugen ist nicht in allen Fällen möglich. Doch Experten sehen anhand von Studien einen deutlichen Zusammenhang darin, dass Menschen mit einer Corona-Impfung nicht nur häufig einen milderen Verlauf als Ungeimpfte zeigen. Die Ergebnisse deuten auch darauf hin, dass das Risiko, an Long-Covid-Symptomen zu leiden, geringer ist.

Rubriklistenbild: © Cavan Images/Imago

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