- VonCarmen Mörwaldschließen
Ryanair stellt für Deutsche eine preiswerte Option dar. Das könnte sich allerdings in Zukunft ändern, weil die Airline ihr Angebot reduzieren will.
Kassel – Die Corona-Pandemie traf den deutschen Luftverkehr mit voller Wucht. Aufgrund von Reisebeschränkungen brach das Passagieraufkommen an den Flughäfen bundesweit um rund 75 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ein, zeigt die Jahresbilanz 2020 des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL). Viele Fluggesellschaften sahen sich daher gezwungen, Flüge zu streichen, Personal abzubauen und staatliche Hilfen in Anspruch zu nehmen.
Laut Ryanair liege die „Erholung des Luftverkehrs in Deutschland weit hinter dem übrigen Europa zurück“. Deswegen fordert die Airline die Regierung nun auf, die „horrenden Luftverkehrskosten“ zu senken. Anderenfalls werde sie ihr Angebot an deutschen Flughäfen im Sommer 2025 um weitere zehn Prozent oder 1,5 Millionen Sitzplätze reduzieren. Die Kapazitäten würden in andere EU-Länder mit niedrigeren Kosten „wie Italien, Polen, Spanien und Portugal“ verlagert werden.
82 Prozent Erholungsrate: Airline will Verbindungen an deutschen Flughäfen streichen
Neben der Abschaffung der Luftverkehrssteuer fordert Ryanair in ihrer Pressemitteilung die Regierung auf, die steigenden Flugsicherungsgebühren, die sich seit 2019 verdoppelt haben, zu senken. Gleichzeitig soll die für Januar 2025 geplante Erhöhung der Sicherheitsgebühren um 50 Prozent aufgeschoben werden. Ihrer Meinung nach schaden die „sehr hohen staatlichen Gebühren“ dem deutschen Flugverkehr, dem Tourismus, der Wirtschaft und den Verbrauchern.
Um ihre Forderungen zu verdeutlichen, veröffentlichte Ryanair folgende Daten:
| Land | Erholung | Steuern |
|---|---|---|
| Spanien | 113 Prozent | keine |
| Italien | 111 Prozent | keine |
| Polen | 110 Prozent | keine |
| Irland | 107 Prozent | keine |
| Deutschland | 82 Prozent | 15,53 Euro |
Ihrer Berechnung nach erreiche die Erholung des deutschen Luftverkehrs nur 82 Prozent des Niveaus vor der Pandemie – „das Niedrigste in Europa“. Die EU-Statistik des Statistischen Bundesamts aus dem Jahr 2023 sagt etwas anderes: Auch in anderen EU-Ländern liege die Zahl der beförderten Fluggäste noch unter dem Niveau von 2019. „Am deutlichsten war dies in Finnland (minus 30 Prozent), Slowenien (minus 26 Prozent) und Schweden (minus 23 Prozent) zu verzeichnen.“
Allerdings deckt sich die Erholungsrate von 82 Prozent mit der Statistik des BDL. Demnach konnte sich der Luftverkehr in Deutschland gemessen an den Passagierzahlen um 82 Prozent gegenüber dem Vor-Corona-Niveau des Jahres 2019 erholen. Laut dem BDL gelinge es nicht, die Lücke zur europäischen Entwicklung nach der Pandemie zu schließen. Hierfür müsse der deutsche Luftverkehr deutlich stärker wachsen als im restlichen Europa, lautet ihr Urteil.
„Bei weitem die schlechteste Leitung aller EU-Staaten“: CEO von Airline macht Forderungen deutlich
„Der deutsche Luftverkehrsmarkt ist zerrüttet und muss dringend saniert werden“, so der Ryanair-CEO Eddie Wilson. „Deutschland hat nur 82 Prozent seines Verkehrsaufkommens vor Covid wiedererlangt, was bei weitem die schlechteste Leistung aller EU-Staaten ist.“ Infolge der staatlichen Steuern und Gebühren sowie des „Hochpreis-Monopols“ der Lufthansa würden Deutsche heute die höchsten Flugpreise in Europa zahlen, erklärt Wilson zu den Forderungen der Airline.
Ryanair ist an folgenden deutschen Flughäfen vertreten:
- Berlin-Brandenburg
- Bremen
- Dortmund
- Dresden
- Frankfurt-Hahn
- Hamburg
- Karlsruhe/Baden-Baden
- Köln/Bonn
- Leipzig-Halle
- Memmingen
- Münster/Osnabrück
- Nürnberg
- Paderborn
Wenn Ryanair seine Drohungen umsetzen würde, würden diese Reduzierungen dem Einreiseverkehr und Deutschlands Erholung nach der Corona-Pandemie dem CEO zufolge weiter schaden. Währenddessen würden andere konkurrierende EU-Länder, „die viel niedrigere oder gar keine Luftverkehrssteuern und -gebühren haben, vom Wachstum des Flugverkehrs profitieren, das von dem teuren und wettbewerbsunfähigen Deutschland abgezogen wird“, lautet sein Fazit.
Ryanair hat bereits in den vergangenen Monaten immer wieder für Aufsehen gesorgt. So ließ die Airline Eltern bei Flügen in beliebte Sommerreiseziele draufzahlen. Im Juni 2024 verhängten die spanischen Behörden Ryanair und weiteren Billigfluggesellschaften eine Geldstrafe von 150 Millionen Euro. Grund dafür sind zusätzliche Kosten, unter anderem für die Beförderung von Handgepäck. Diese Praktiken verstoßen gegen das spanische Gesetz. (cln)
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