Sonderkündigungsrecht nutzen

Mehrere Krankenkassen erhöhen im Juli ihre Beiträge – Düstere Preis-Prognose zum Jahreswechsel

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Bereits die zweite Erhöhungswelle in diesem Jahr: Mehrere Kassen greifen ab Juli tiefer in die Taschen der Versicherten. Der Zusatzbeitrag steigt.

München – Die Kosten der Gesundheitsversorgung steigen. Das spüren die gesetzlichen Krankenkassen (GKV). „Die Lage der GKV ist dramatischer als ohnehin angenommen“, sagte Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) dem Handelsblatt. Das wirkt sich auch auf Beitragszahler aus.

Schock für viele Versicherte: Der Zusatzbeitrag bei einigen Krankenkassen steigt.

Krankenkassen erhöhen Beiträge zum 1. Juli: Wer ist betroffen?

Die Kassen verbuchten im vergangenen Jahr ein hohes Defizit von 6,2 Milliarden Euro. Deshalb erhöhten zu Jahresbeginn bereits zahlreiche Krankenkassen ihre Zusatzbeiträge, darunter auch die Barmer und Techniker Krankenkasse. Im Juli steht nun die nächste Erhöhung bevor.

Zusatzbeitrag in der gesetzlichen Krankenkasse

Der allgemeine Beitragssatz zur gesetzlichen Krankenversicherung liegt bei 14,6 Prozent des Bruttoeinkommens und wird je zur Hälfte von Arbeitgebern und Arbeitnehmern getragen. Der Zusatzbeitrag wird zusätzlich erhoben. Jede Krankenkasse legt ihren Zusatzbeitrag individuell fest, abhängig von ihrer finanziellen Lage. Eine Liste des GKV-Spitzenverbandes zeigt die Höhe des jeweiligen Zusatzbeitrages. Laut Gesundheitsministerium liegt er durchschnittlich bei 2,5 Prozent.

Sechs Kassen haben für Juli Erhöhungen des Zusatzbeitrages beantragt, sagte die Chefin des Spitzenverbands, Doris Pfeiffer, Anfang Juni. Es sei dringend notwendig, die „Beitragsspirale“ zu durchbrechen. Welche Krankenkassen die Kosten zum 1. Juli anziehen, ist allerdings zunächst nicht bekannt.

Höhere Krankenkassen-Beiträge ab Juli: So nutzen Sie Ihr Sonderkündigungsrecht

Fest steht aber auch: Der Verband der Privaten Krankenversicherung kündigte ebenfalls zum Monatswechsel höhere Kosten an. „Zum 1. Juli 2025 müssen die Beiträge im Standardtarif und Basistarif für alle Versicherten erhöht werden“, heißt es auf der Webseite. Grund seien deutlich gestiegene Leistungsausgaben. Damit steige der durchschnittliche Monatsbeitrag von 400 Euro auf rund 500 Euro. „Diese Entwicklung betrifft die Privaten Krankenversicherungen ebenso wie die Gesetzlichen Krankenkassen.“

Erhöht eine Krankenkasse ihren Zusatzbeitrag, können Versicherte von ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen. Laut Verbraucherzentrale kann die Krankenkasse bis Ende des Monats gekündigt werden, in dem der Zusatzbeitrag erhöht wird. Dafür können sich Versicherte einfach bei einer anderen Krankenkasse anmelden. „Die Kündigungs- und Wechselmodalitäten übernimmt nun die neue Krankenkasse.“

Düstere Prognose für Versicherte: „Weiterer Beitragsanstieg zum Jahreswechsel“ droht

Bis Mai gab es bereits acht weitere Anhebungen. Nach Angaben der Rheinischen Post waren davon unter anderem der BKK Verbund Plus, der Mhplus und BKK Firmus betroffen. Schon damals betonte Pfeiffer, dass sich etwas ändern müsse, sonst würden „zum nächsten Jahreswechsel die Krankenkassenbeiträge durch die Decke gehen“.

Die gute Nachricht: Laut Pfeiffer seien bei den Kassen in den kommenden Monaten wieder Überschüsse zu sehen. Das liege aber nicht daran, „weil es den Kassen so gut geht“, räumte die GKV-Chefin ein. Vielmehr seien die Beitragserhöhungen „Reparaturkosten“ eines politisch erzwungenen Abbaus milliardenschwerer Rücklagen

Doch sicher sind Verbraucher vor weiteren Preiserhöhungen damit nicht. „Sollte es weder zu kurz- noch zu langfristigen Maßnahmen kommen, wäre ein weiterer Beitragsanstieg zum Jahreswechsel die Folge“, sagte Florian Lanz, Sprecher des GKV-Verbands, der Rheinischen Post. Einige Krankenkassen sind aber aktuell am billigsten. (kas/dpa)

Rubriklistenbild: © Maria Daniela Romero/imago

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