VonAdrian Kilbschließen
Die Erhöhung des Mindestlohns bringt Beschäftigten in der Gastronomie und anderen Branchen mehr Geld. In welchen Berufen der Lohn schon heute knapp darüber liegt.
Die Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland löst bei vielen Erwerbstätigen große Freude aus. In zwei Stufen soll die sogenannte Lohnuntergrenze auf 14,60 Euro zum 1. Januar 2027 steigen. Zum Jahreswechsel steht zunächst eine Lohnanhebung auf 13,90 Euro an. Viele sozialversicherungspflichtig Beschäftige liegen mit ihrem Einkommen knapp darüber – und könnten ihre Arbeit jetzt etwas entwertet sehen.
Wer vom Mindestlohn profitiert – und in welchen Berufen man knapp mehr Geld bekommt
Laut der Mindestlohnkommission, die sich aus Vertretern der Arbeitgeber und Gewerkschaften zusammensetzt, profitieren rund sechs Millionen Menschen, die im Niedriglohnsektor arbeiten, von der Mindestlohnerhöhung. Über die Hälfte der Beschäftigten im Gastgewerbe verdienten 2024 weniger als 13 Euro pro Stunde, informiert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten.
Frauen, Arbeitnehmer in Ostdeutschland, Berufsneueinsteiger oder Mitarbeiter in kleineren Betrieben ohne Tarifbindung bekommen durch die Mindestlohnerhöhung mehr Geld. Auch der Pflege-Mindestlohn steigt zum 1. Juli 2025.
Die Erhöhung der Lohnuntergrenze soll Einkommensungleichheiten verringern und zur Stärkung der Kaufkraft beitragen, argumentieren Sozialverbände. Allerdings gibt es auch Berufe, in denen kaum mehr bezahlt wird und die in den kommenden Jahren trotzdem nicht automatisch mehr Gehalt bekommen. Bei Angestellten in diesen Berufsfeldern könnte sich jetzt Unmut breitmachen. echo24.de berichtet, für welche Minijobs es 2025 das meiste Geld gibt.
In diesen Branchen liegt das Gehalt knapp über dem gesetzlichen Mindestlohn
In vielen Branchen zahlen Unternehmen traditionell nur niedrige Löhne. Neben Tätigkeiten, die nur eine geringe Qualifikation oder kurze Ausbildungsdauer erfordern, aber auch einige Berufe betroffen, für die eine duale Ausbildung wünschenswert oder erforderlich ist. Eine Liste zeigt, welche Gruppen oftmals nur knapp mehr als den neuen Mindestlohn von 13,90 Euro erhalten (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):
- Reinigungskräfte und Gebäudereiniger: Der Branchenmindestlohn für die Innen- und Unterhaltsreinigung liegt seit Februar 2025 bei 14,25 € pro Stunde.
- Ungelernte Dachdecker: Hier beträgt der Branchenmindestlohn ab 2025 rund 14,35 € pro Stunde.
- Beschäftigte im Elektrohandwerk: Der Mindestlohn liegt ab 2025 bei 14,41 € pro Stunde für einfache Tätigkeiten.
- Friseurinnen und Friseure: Sie gehören zu den am schlechtesten bezahlten Berufen und liegen oft nur knapp über dem Mindestlohn.
- Bäckereifachverkäufer/innen und Bäckergesellen: Auch diese Berufe sind häufig im Niedriglohnbereich angesiedelt und verdienen meist nur geringfügig mehr als den Mindestlohn.
- Floristinnen und Floristen: Auch hier sind Löhne knapp über dem Mindestlohn üblich.
Quellen: Hans-Böckler-Stiftung, Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB).
Ein Gewinner durch die Mindestlohnerhöhung steht wohl bereits in jedem Fall fest: „Der größte Profiteur ist der Staat“, sagt Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) bei der Bundesagentur für Arbeit gegenüber dem Handelsblatt.
Nach Berechnung des Arbeitsmarktexperten werde die Bundesregierung künftig „mindestens mehrere hundert Millionen Euro pro Jahr bei den Ausgaben für Bürgergeld einsparen“. Aktuell gibt es etwa 800.000 „Aufstocker“, die den Staat rund sieben Milliarden Euro kosten, weil sie neben der niedrig entlohnten Arbeit einen Anspruch auf Bürgergeld haben. Bei einer höheren Lohnuntergrenze würde dieser Anspruch zumindest teilweise erloschen. Hinzu kämen zusätzlichen Einnahmen durch höhere Steuereinnahmen und Sozialabgaben.
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