VonLara-Sabrina Kiehlschließen
Die Tierheim-Situation in Deutschland ist nach wie vor angespannt und heizt die Debatte über den Sachkundenachweis für Hunde an. Hier die Vor- und Nachteile im Überblick.
Während der Corona-Pandemie gab es neben den unerfreulichen Nachrichten auch positive Entwicklungen: Die Tierheime verzeichneten eine ungewöhnliche Leere. Doch leider hat sich die Situation seither drastisch geändert. Jetzt sind die Tierheime wieder überfüllt und stecken zudem in finanziellen Schwierigkeiten.
Tierschutzbeauftragte will Tierheime entlasten
Die prekäre Lage der Tierheime beschäftigt besonders Ariane Désirée Kari, die erste Beauftragte der Bundesregierung für Tierschutz. Sie sieht die Situation der Tierheime als inakzeptabel an. „Die Lage der Tierheime in Deutschland ist dramatisch und ihre akute Überlastung eines der dringlichsten Tierschutzprobleme“, betont die 37-Jährige gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa).
Ein Hauptproblem aus Karis Sicht sind die Spontankäufe von Tieren, bei denen sich die Käufer oft nicht über die Konsequenzen und die Verantwortung im Klaren sind, die mit der Tierhaltung einhergehen. Dieses Phänomen habe sich insbesondere während der Corona-Pandemie verschärft. „So kaufen sich offenkundig zu viele Menschen spontan Hunde, ohne sich darüber Gedanken zu machen, wo das Tier zum Beispiel im Urlaub bleibt oder wer die Tierarztkosten zahlt“, erklärt Kari.
Um der zugespitzten Lage entgegenzuwirken, schlägt Kari vor, einen verpflichtenden Sachkundenachweis einzuführen. Dieser würde sicherstellen, dass potenzielle Tierhalter bereits vor dem Hundekauf über wichtige Fragen nachdenken müssen.
Aktuelle Regelung in den Bundesländern
Der Sachkundenachweis für Hunde ist eine offizielle Bescheinigung, die bestätigt, dass der Hundebesitzer die erforderlichen Fachkenntnisse besitzt. Für bestimmte Hunderassen, wie beispielsweise Listenhunde, ist der Sachkundenachweis bereits Pflicht. Die Gesetzgebung unterscheidet sich jedoch je nach Bundesland. Eine Übersicht von der VS-Tierversicherung gibt Aufschluss, jedoch sollten Hundebesitzer sich über die in der eigenen Region geltenden Bestimmungen individuell informieren.
- Sachkundenachweispflicht für alle Hundehalter: Baden-Württemberg und Niedersachsen
- Keine Pflicht: Bayern, Thüringen, Schleswig-Holstein, Bremen
- Pflicht für bestimmte Hunderassen wie Listenhunde oder zum Teil auch für große Hunde: Saarland, Rheinland-Pfalz, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg
- Pflicht für alle frei laufenden Hunde: Berlin
- Pflicht für bestimmte Hunderassen und für frei laufende Hunde: Hamburg
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Sachkundenachweis vs. Hundeführerschein – was sind die Unterschiede?
Oft wird jedoch fälschlicherweise von einem Hundeführerschein gesprochen, wenn eigentlich ein Sachkundenachweis gemeint ist. Es gibt jedoch Unterschiede: Während der Sachkundenachweis den Fokus auf die Fähigkeiten der Hundehalter legt, kann die praktische Prüfung auch mit einem bereits trainierten Hund stattfinden. Beim Hundeführerschein hingegen muss der Hundehalter zeigen, wie gut er mit seinem eigenen Hund agiert.
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Wie so häufig gibt es aber auch beim Sachkundenachweis für Hunde Vor- und Nachteile. Welche das sind, verrät die Übersicht.
Vorteile eines Sachkundenachweises für Hunde
- Potenzielle Hundebesitzer werden über Bedürfnisse und Anforderungen, die mit der Hundehaltung einhergehen, informiert und so auf ein Zusammenleben vorbereitet.
- Aufklärung und Information über die Verantwortung der Hundehaltung kann Tierabgaben reduzieren.
- Reduzierte Tierabgaben entlasten Tierheime.
- Mehr Sicherheit für Hundebesitzer durch besseres Verständnis des Verhaltens von Hunden. So können auch kritische Situationen besser eingeschätzt werden.
- Besserer Umgang mit Hunden dank erweiterter Grundkenntnisse fördert das Tierwohl.
Nachteile eines Sachkundenachweises für Hunde
- Hoher bürokratischer Aufwand für die Beantragung und Durchführung.
- Kaum Möglichkeiten zur effektiven Überprüfung der Sachkenntnis. Erfahrene Hundebesitzer könnten die Notwendigkeit einer Prüfung hinterfragen.
- Überlastung von Hundeschulen, die bereits an ihrem Limit sind.
- Zusätzliche finanzielle Belastung für die Tierhalter, die den Sachkundenachweis erwerben müssen.
- Die Betreuung von Hunden durch Hundesitter, Freunde oder Familienangehörige könnte erschwert werden.
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