Verspannungen lösen

Nackenschmerzen: Welche Ursachen es gibt und wie Sie die Schmerzen loswerden

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Bei der Arbeit am Schreibtisch machen sich gerne mal Nackenschmerzen bemerkbar. Häufig sind sie harmlos, können jedoch auf ernste Erkrankungen hindeuten.

Sehr viele Menschen haben zumindest hin und wieder Nackenschmerzen: Laut der RKI-Studie BURDEN aus dem Jahr 2020 hatten 46 Prozent der befragten Deutschen innerhalb eines Jahres einen schmerzenden Nacken. Frauen sind dabei mit 55 Prozent deutlich häufiger betroffen als Männer (36 Prozent). 

Bei den meisten Menschen werden Nackenschmerzen durch kurzfristige Überlastungen ausgelöst und verschwinden nach einigen Tagen von alleine. Chronische Nackenschmerzen dagegen können zu einer großen Belastung für Betroffene werden und zum Teil auch auf schwerere Erkrankungen hinweisen. 

Nackenschmerzen: Ursachen erkennen und Schmerzen behandeln

Nackenschmerzen können durch gezielte Behandlung gelindert werden. (Symbolbild)

Es gibt verschiedene Arten von Nackenschmerzen und unterschiedliche Auslöser:

  • Spezifisch oder unspezifisch:
    Es gibt zwei verschiedene Arten von Nackenschmerzen: unspezifische und spezifische. Besonders häufig sind die unspezifischen Nackenschmerzen. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass es keine eindeutigen Ursachen für die Schmerzen gibt. Auslöser sind in der Regel Muskelverspannungen, diese sind aber nicht eindeutig nachweisbar. Spezifische Nackenschmerzen werden durch klar erkennbare Verletzungen (zum Beispiel nach einem Unfall) oder Erkrankungen (zum Beispiel Rheuma) ausgelöst.
  • Axial oder radikulär:
    Je nachdem, von wo die Schmerzen in Ihrem Nacken ausgehen, spricht man von axialen und radikulären Schmerzen. Axiale Schmerzen befinden sich in der Regel an der Halswirbelsäule, auch die Schultern können betroffen sein. Laufen die Schmerzen entlang von Nervenbahnen – beispielsweise in einen Arm oder in den Hinterkopf – handelt es sich um radikuläre Schmerzen. Diese Nackenschmerzen entstehen bei gereizten Nerven.
  • Triggerpunkte und psychische Auslöser:
    Neben Verletzungen und Erkrankungen, die spezifische Nackenschmerzen auslösen, können auch Übertragungsschmerzen die Nackenprobleme auslösen. Sie sorgen am ehesten für chronische Nackenschmerzen. Diese Schmerzen kommen von einem verspannten Muskel, in dem Triggerpunkte auftreten. Das sind empfindliche, verhärtete Stellen im Gewebe, die Sie ertasten können. Diese Stellen verhindern eine normale Dehnung der Muskeln und sorgen dafür, dass sich Schmerzen verbreiten. Auch Stress oder andere psychische Ursachen lösen Nackenschmerzen und Verspannungen aus. 

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Stress nachhaltig reduzieren – mit bewährten Entspannungstechniken

Frau macht Yoga-Pose
Meditation ist eine Technik, mit deren Hilfe man in den Moment findet, statt sich in Gedanken zu verlieren. Wie die Techniker Krankenkasse weiter informiert, lernen Sie im Rahmen der Mediation, Gedanken kommen und gehen zu lassen, ohne diese festzuhalten oder zu bewerten. Das Ziel: Abstand zum alltäglichen Stress gewinnen. Krankenkassen, Yoga-Studios und auch viele Fitnessstudios bieten Kurse an. Auch mithilfe von Apps kann man ausprobieren, ob Meditation etwas für einen ist.  © Marcos Castillo/Imago
Frau macht Yoga-Übung
Yoga kräftigt und dehnt auch die tiefliegenden Muskelgruppen. Doch die fernöstliche Lehre, die viele körperliche, aber auch geistige Übungen umfasst, kann mehr. Denn die Entspannungsübungen im Yoga verlangsamen die Atmung, was beruhigende Wirkung auf den gesamten Organismus hat. Wer sich ausprobieren möchte, sieht sich mit einer Fülle von Angeboten konfrontiert. Yoga- und Fitnessstudios, aber auch Krankenkassen und Volkshochschulen bieten Kurse an.  © svyatoslav lipinskiy/Imago
Junge Frau liegt in Sportklamotten auf einer Yoga-Matte.
Viele Menschen schwören auf progressive Muskelentspannung, wenn sie zur Ruhe kommen wollen. Das Prinzip dahinter: Durch gezielte An- und Entspannung der Muskeln verringert sich die Aktivität der Nerven und die psychische Anspannung nimmt ab. Wie die AOK weiter informiert, kann man nach vorheriger Anleitung durch einen entsprechend ausgebildeten Therapeuten die Übungen auch selbstständig durchführen. © Ivan Gener/Imago
Frau liegt mit geschlossenen Augen im Gras
Autogenes Training ist ein Entspannungsverfahren, das über gedankliche Konzentration zur Ruhe finden lassen soll. Hier werden nicht, wie bei der progressiven Muskelentspannung, Muskeln bewusst angespannt und entspannt. Wie die Neurologen und Psychiater im Netz weiter informieren, ist es viel mehr eine Art Selbsthypnose, die beim autogenen Training stattfindet. Mithilfe von Mantra-artigen Übungsformeln (z. B. „Der rechte Arm ist ganz schwer“ oder „Der rechte Arm ist ganz warm“) soll erreicht werden, dass der gesamte Organismus zur Ruhe kommt. Kurse finden Sie unter anderem bei Ihrer Krankenkasse und der Volkshochschule.  © Olga Pankova/Imago
Frau atmet tief durch an der frischen Luft.
Atemtechniken helfen dabei, starken Stress zu reduzieren. Bei Anspannung flacht die Atmung in der Regel ab, die Luft wird nicht weiter als in den Brustraum eingeatmet. Eine ruhige, regelmäßige Bauchatmung führt aber dazu, dass sich Muskeln entspannen und der Körper besser durchblutet wird. Auch der Blutdruck kann so gesenkt werden. Und so sieht eine gesunde und tiefe Bauchatmung nach der 4/7/11-Regel aus: 4 Sekunden einatmen, 7 Sekunden ausatmen und das ganze 11 Minuten durchhalten. © Imago
Fröhliche, in eine Decke gehüllte junge Frau sitzt mit einer Tasse heißer Schokolade auf der Terrasse eines Bungalows
Achtsamkeit hat sich der Techniker Krankenkasse zufolge in vielen Studien als wirksam zur Stressreduktion erwiesen. In anerkannten Kursen zur „Mindfulness Based Stress Reduction“ würden Techniken erlernt werden, die helfen, im Hier und Jetzt statt in der Vergangenheit oder in der Zukunft zu sein – und das nicht nur körperlich, sondern auch mental. Ein wichtiger Aspekt: Achtsam sein bedeutet, jegliche Bewertung aus den Gedanken zu verbannen. Der Moment, die Atmung, die Geräusche im außen werden also ausschließlich wahrgenommen, man denkt an nichts.  © Aleksei Isachenko/Imago
Frau wandert auf den Heimgarten
Viele Menschen machen intuitiv das Richtige, wenn sie sich gestresst fühlen. Sport empfinden viele als sehr gutes Ventil, um Druck abzulassen. Der Techniker Krankenkasse zufolge zählt Sport zwar nicht zu den typischen Entspannungstechniken, man spricht vielmehr von einer sogenannten passiven Methode.  © Imago
Frau liegt in der Badewanne
Zu den sogenannten passiven Methoden zählt nicht nur der Sport. Auch eine entspannte Auszeit in der Badewanne, ein Spaziergang oder Zeit mit einem guten Buch können den Stresslevel enorm senken, indem sie Zufriedenheitserlebnisse schaffen, so die Techniker Krankenkasse.  © Imago

Nackenschmerzen vom Smartphone? So gefährlich ist der „Handy-Nacken“

Seitdem Smartphones weit verbreitet sind, wird ihnen für verschiedene Erkrankungen die Schuld zugewiesen. Dass der Nacken unter dem ständigen Gebrauch des Smartphones leidet, ist inzwischen tatsächlich erwiesen.

Kein Wunder: Der Kopf wiegt vier bis sechs Kilogramm und wird vom schmalen Nacken aufrecht gehalten. Halten Sie den Nacken oft in einer hängenden Position, werden die Muskeln im Nacken überlastet. Deswegen sollten Sie, wenn möglich, das Handy auf Höhe Ihres Gesichts halten, statt lange am Stück nach unten zu schauen.

Nackenschmerzen: Bei diesen Symptomen sollten Sie zum Arzt

Wenn Ihr Nacken erst seit Kurzem schmerzt und Sie nicht stark belastet, müssen Sie erst einmal nicht zum Arzt. Spätestens nach zwei Wochen sollten Sie aber keine akuten Schmerzen mehr haben. Suchen Sie ansonsten einen Hausarzt oder Orthopäden auf. 

Haben Sie neben den Nackenschmerzen noch folgende andere Symptome? Dann sollten Sie schnell zur Untersuchung:

  • Das Genick ist verkrampft und schmerzt beim Bewegen stark.
  • Lähmungen, andauerndes Kribbeln in den Händen und Füßen, Bewegungsprobleme.
  • Starke Kopfschmerzen und Übelkeit.
  • Fehlende Balance und Schwindel.
  • Fieber und unerklärlicher Gewichtsverlust.

Hatten Sie in letzter Zeit einen Unfall? Möglicherweise wurden die Nackenschmerzen durch ein Schleudertrauma ausgelöst. Berichten Sie unbedingt Ihrem Arzt davon. Neben dem Schleudertrauma können auch Bandscheibenvorfälle Nackenschmerzen auslösen – das sollte Ihr Arzt unbedingt überprüfen. 

Nackenschmerzen für die Diagnose richtig deuten

Bei der Diagnose geht es um den Auslöser der Nackenschmerzen: Ihr Arzt versucht zu erkennen, ob Sie unspezifische Nackenschmerzen haben oder spezifische und woher sie stammen. Dafür fragt er Sie nach Unfällen, danach, was für Sport Sie treiben, ob Sie viel auf den Computer schauen und ob Sie in letzter Zeit Stress hatten. 

Der Arzt tastet dann Ihren Nacken ab und testet, ob Sie Ihren Kopf drehen können. Außerdem werden auch der Rücken, die Schultern und Arme untersucht. So kann eine ernste Ursache meistens ausgeschlossen werden. 

Sollte ein konkreter Verdacht auf eine andere Erkrankung oder eine Verletzung vorliegen, kann eine Röntgen- oder CT-Untersuchung sinnvoll sein. In vielen Fällen ist das aber nicht notwendig oder hilfreich, weil unspezifische Auslöser so nicht sichtbar werden.

Nackenschmerzen behandeln und lindern

Fast immer werden Nackenschmerzen durch Überbelastungen ausgelöst. Auslöser sind beispielsweise:

  • Stundenlanges Sitzen am Schreibtisch, besonders in einer falschen Haltung
  • Sportarten, bei denen Sie den Kopf in den Nacken legen wie Brustschwimmen oder Rennradfahren
  • Körperliche Arbeiten wie Streichen 

Überbelastungen treten vor allem dann auf, wenn die betroffenen Muskeln nicht regelmäßig trainiert werden. Es kann zu kleinen Verletzungen der Muskulatur kommen. Diese Risse sind meistens harmlos, müssen aber heilen. Das kann einige Tage oder bis zu zwei Wochen dauern.

Egal, was Sie machen: Gönnen Sie sich Pausen und verharren Sie nicht zu lange in einer Haltung. Sitzen Sie lange am Schreibtisch? Stellen Sie sich einen Wecker, der Sie zweimal pro Stunde dran erinnert, aufzustehen, ein paar Schritte zu gehen, sich zu dehnen und auszuschütteln. Fahren Sie Rennrad? Dann steigen Sie ab und an mal vom Rad ab, um Ihren Kopf kreisen zu lassen. Probieren Sie auch mal Yoga oder Pilates aus, das dehnt den Körper und fördert langfristig die Entspannung.

Aus Angst vor weiteren Schmerzen nehmen viele Patienten Schonhaltungen an und bewegen sich zu wenig. Dadurch können sich Verspannung und Versteifung verstärken. Wichtig ist, dass Sie sich möglichst weiterhin bewegen und dehnen. 

Vielen Patienten helfen darüber hinaus auch Wärmflaschen oder Wärmepflaster. Die Wirkung einer Wärmeanwendung ist allerdings nicht wissenschaftlich bewiesen.

Bei akuten Schmerzen können leichte Schmerzmittel Symptome lindern. Ist ein Bandscheibenvorfall die Ursache der Nackenschmerzen, verordnet Ihr Arzt Ihnen meist Schonung und leichte Bewegung. Nur selten muss bei Nackenschmerzen operiert werden. Sind die Schmerzen chronisch, kann Ihr Arzt eine Schmerztherapie verschreiben.

Verspannter Nacken: Muskeln stärken

Wollen Sie sich vor Nackenschmerzen schützen, stärken Sie Ihre Muskulatur. So verringern Sie die Gefahr einer Überbelastung deutlich.  

Wir haben einige leichte Übungen für Sie gesammelt, die Sie auch ganz einfach bei der Arbeit einplanen können:

  • Strecken Sie beide Arme seitlich waagerecht aus und lassen Sie sie einige Male vorwärts und rückwärts kreisen. Die Bewegung sollte von den Schulter ausgehen. Ziehen Sie die Schultern dabei nicht hoch, sondern lassen Sie sie entspannt unten.
  • Stellen Sie sich aufrecht hin. Jetzt bewegen Sie Ihr Kinn langsam Richtung Brust und bleiben einige Sekunden in dieser Haltung. Danach bewegen Sie den Kopf nach oben, schauen Richtung Decke und bleiben wieder in der Haltung. Wiederholen Sie die Bewegung mehrmals.
  • Legen Sie beide Hände in den Nacken. Stehend oder sitzend neigen Sie Ihren Oberkörper zur Seite, der Oberkörper sollte dabei durchgestreckt bleiben. Bleiben Sie einige Sekunden in der Dehnung nach rechts, dann machen Sie das Gleiche in die andere Richtung. 

Haben Sie immer wieder Probleme mit unspezifischen Nackenschmerzen? Dann ist eine Physiotherapie sinnvoll. Lassen Sie sich von den Fachkräften Übungen zeigen, mit denen Sie Ihre Muskulatur stärken. Wichtig ist, dass Sie dabei keine Fehlstellungen einnehmen.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion leider nicht beantwortet werden.

Rubriklistenbild: © Louis Christian/ Imago

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