VonPhilipp Hansenschließen
Die Täter nutzen gezielt Mitgefühl und Gruppendruck. Warum selbst erfahrene Nutzer auf die Masche bei WhatsApp hereinfallen, lesen Sie hier.
Im Sommer bittet ein hilfloses Mädchen per WhatsApp um Unterstützung – und Millionen Menschen klicken aus Mitgefühl. Doch hinter „Marielis“ steckt keine echte Person, sondern eine Betrugsmasche, die im Juni 2025 so viele WhatsApp-Nutzer erreicht wie nie zuvor. Die Täter setzen gezielt auf Hilfsbereitschaft und Gruppendruck und gelangen so an persönliche Daten. Wie dieser Kettenbrief funktioniert, warum selbst erfahrene Nutzer darauf hereinfallen und welche Schutzmaßnahmen wirklich helfen.
WhatsApp-Kettenbrief „Marielis“: emotionaler Betrug mit dem Mitgefühl der Nutzer
Der aktuelle WhatsApp-Betrug via Kettenbrief erscheint zunächst wie eine harmlose Bitte: „Stimme für Marielis ab, damit sie ein Studium gewinnt.“ Tatsächlich handelt es sich um einen raffinierten Phishing-Trick. Die angebliche Marielis existiert nicht, das verwendete Foto stammt aus einer Stockdatenbank, die Geschichte ist frei erfunden. Die Täter nutzen gezielt das Mitgefühl und den sozialen Druck, denn kaum jemand möchte als gefühllos gelten, wenn es um die Zukunft eines Kindes geht.
Wer dem Link folgt, landet auf einer fragwürdigen Webseite mit der Endung „.live“, ein bekanntes Warnsignal für Betrugsseiten. Dort werden persönliche Daten abgefragt oder sogar Schadsoftware installiert. Besonders perfide ist, dass viele Nutzer die Nachricht aus Hilfsbereitschaft weiterleiten und so unwissentlich zur Verbreitung der Masche beitragen. „Die Täter setzen gezielt auf Emotionen und Gruppendruck“, warnt die Verbraucherzentrale. In Deutschland gibt es 50 Millionen WhatsApp-Nutzer, was ein großes Potenzial für Betrüger darstellt.
Phishing, Datenklau, teure Folgen: Was nach dem Klick droht – und wie man sich schützt
- Keine Links aus unbekannten oder verdächtigen Nachrichten anklicken
- Niemals persönliche Daten eingeben, wenn Unsicherheit besteht
- Nachrichten mit emotionalem Druck oder Kettenbrief-Charakter kritisch prüfen
- Verdächtige Absender blockieren und den Vorfall bei WhatsApp melden
- Im Zweifel bei der echten Person oder Institution telefonisch nachfragen
Was ist Phishing?
Phishing bezeichnet den Versuch, über gefälschte Nachrichten an persönliche Daten wie Passwörter oder Bankinformationen zu gelangen. Die Täter geben sich als vertrauenswürdige Personen oder Firmen aus. Allein in Deutschland im Jahr 2024 festgestellte jährliche Schaden durch Cyberattacken und Phishing in Deutschland beträgt 178,6 Milliarden Euro. Tendenz steigend. Jedes Jahr werden mehr Fälle gemeldet, da die Methoden immer raffinierter werden.
Weitere WhatsApp-Betrugsmaschen 2025: Diese Tricks sind derzeit besonders verbreitet
- Anlagebetrug in WhatsApp-Gruppen: Versprechen von sicheren Investments und schnellen Gewinnen, häufig mit gefälschten Auszahlungen und angeblichen KI-Trading-Apps
- Fake-Gewinnspiele: Verlockende Preise wie Luxus-Champagner oder Smartphones – am Ende werden persönliche Daten abgegriffen oder teure Abofallen aktiviert
- Identitätsklau durch angebliche Freunde oder Verbraucherzentrale: Betrüger geben sich als Bekannte aus („Hallo Papa, mein Handy ist kaputt“) oder imitieren Behörden, um IBANs und Passwörter zu erhalten
- Gefälschte Jobangebote: Locken mit hohen Gehältern für einfache Aufgaben oder Homeoffice. Am Ende werden Vorauszahlungen oder persönliche Daten verlangt
- WhatsApp Gold & Premium: Angebliche Premium-Versionen führen zur Installation von Schadsoftware
WhatsApp bleibt Risikozone: Warum Aufklärung jetzt wichtiger ist denn je
WhatsApp ist mit rund 50 Millionen Nutzern in Deutschland der beliebteste Messenger und bleibt damit ein attraktives Ziel für Betrüger. Die Methoden werden immer raffinierter, die Zahl der potenziellen Opfer steigt. Nur wer die Maschen kennt und wachsam bleibt, kann sich wirksam schützen. Auch interessant ist, dass 69 Millionen Deutsche erhalten diese Woche eine kostenlose Handy-Funktion, die soll später Leben retten.
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