VonJuliane Reyleschließen
Wer nie arbeitet, bekommt auch keine Rente? Das stimmt nur nicht ganz. Allein Kindererziehungszeiten können das Einkommen im Alter erheblich steigern.
Eine Rente von 1700 Euro, ohne jemals gearbeitet zu haben – das klingt auf den ersten Blick unrealistisch. Doch ein genauerer Blick auf das deutsche System rund um die Altersvorsorge zeigt, dass dies unter bestimmten Umständen sogar möglich ist. Der Schlüssel dazu sind die sogenannten Kindererziehungszeiten.
Dank Kindererziehung: Wie die „Rente ohne Arbeit“ funktioniert
Die Kindererziehungszeiten sollen die finanzielle Lücke schließen, die entsteht, wenn Eltern aufgrund der Kindererziehung zeitweise nicht oder nur in Teilzeit arbeiten können. Pro Jahr, das als Kindererziehungszeit angerechnet wird, steigt die monatliche Rente um einen festen Betrag. Aktuell sind das 40,79 Euro pro Rentenjahr (Stand: 2024), wie Chip.de erklärt.
Ein einfaches Beispiel macht die Berechnung klar:
- Ein Elternteil, der ein Kind nach 1992 großgezogen hat, erhält eine Rente von rund 122,37 Euro (3 Jahre x 40,79 Euro).
- Bei vier Kindern steigt die Rente auf 489,48 Euro (4 Kinder x 3 Jahre x 40,79 Euro)
Um auf eine Rente von 1700 Euro zu kommen, müssten die Kindererziehungszeiten aber sehr umfangreich sein. Das wäre nur bei einer außergewöhnlich großen Familie der Fall. Rechnet man es durch, bräuchte man 14 Kinder, die nach 1992 geboren wurden, um allein aus Kindererziehungszeiten eine Rente in dieser Höhe zu erhalten, wie aus den Daten der Deutschen Rentenversicherung klar wird.
So erreicht man 1700 Euro Rente ohne zu arbeiten:
- 14 Kinder x 3 Jahre pro Kind = 42 Rentenjahre
- 42 Rentenjahre x 40,79 Euro pro Jahr = 1713,18 Euro monatliche Rente
Ein solches Szenario ist zwar extrem selten, aber rein rechnerisch und praktisch möglich. Wichtig zu wissen ist jedoch, dass diese Rentenansprüche nicht automatisch ausgezahlt werden. Sie müssen bei der Deutschen Rentenversicherung beantragt werden. Zudem gelten auch hierfür die allgemeinen Voraussetzungen für einen Rentenanspruch, beispielsweise das Erreichen des gesetzlichen Rentenalters. Doch Eltern sollten trotzdem den Antrag für 118 Euro mehr Rente kennen.
Wer profitiert am meisten von den Kindererziehungszeiten?
Auch wenn das Beispiel mit 14 Kindern extrem ist, sind Kindererziehungszeiten für viele Eltern ein wichtiger Baustein der Altersvorsorge. Sie helfen vor allem denjenigen, die aufgrund der Erziehung weniger oder gar nicht gearbeitet haben.
Da es sich hierbei oft um Frauen handelt, können Kindererziehungszeiten einen wichtigen Beitrag dazu leisten, drohende Altersarmut zu verhindern. Es ist daher entscheidend, diese Zeiten bei der Rentenversicherung geltend zu machen, um die spätere Rente aufzustocken.
Auch wenn Kindererziehungszeiten automatisch im Rentenkonto vermerkt werden, sollte man sichergehen und einen Antrag bei der Deutschen Rentenversicherung stellen, um die Zeiten offiziell anerkennen zu lassen. In der jährlichen Renteninformation können Eltern sehen, ob und wie viele Kindererziehungszeiten bereits erfasst wurden. Die Regierung plant inzwischen auch eine Frühstart-Rente.
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