Rückstände und Süßstoffe

Öko-Test nimmt Diätdrinks unter die Lupe – fast alle fallen durch

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17 Diätshakes gingen durch den Ökotest. Nur zwei wurden für „Gut“ befunden, keiner erhielt Bestnoten. Bedenkliche Inhaltsstoffe gab es bei fast allen.

Kassel – Bei dem frühlingshaften Wetter der vergangenen Wochen lässt sicher der eine oder andere die Gedanken schon einmal Richtung Sommer schweifen. Das ist so lange schön, bis man feststellt, dass die Sommer-Garderobe doch etwas eng geworden ist. Der eine oder andere mag dann zu Diätshakes greifen, die nach den deftigen Winterspeisen beim Abnehmen helfen sollen.

Die gute Nachricht: Wer's richtig macht, kann damit Erfolg haben. Das hat eine Untersuchung durch Ökotest jüngst nochmals bestätigt. Die weniger erfreuliche Nachricht: fast alle der getesteten Produkte fallen durch. Bemängelt werden besonders Mineralölrückstände und ausgerechnet fragliche Süßstoffe.

Diätdrinks im Ökotest: Nur zwei Produkte schneiden mit „Gut“ ab

Getestet wurden die sogenannten Formularprodukte, die so konzipiert sind, dass sie ein bis zwei Hauptmahlzeiten am Tag ersetzen sollen. Das ernüchternde Ergebnis: von 17 untersuchten Pulver fielen elf Diätshakes glatt durch, wie Ökotest mitteilt. Lediglich zwei schnitten mit der Note „Gut“ ab, zwei weitere immerhin mit „Befriedigend“, weitere zwei kamen mit „Ausreichend“ geradeso durch.

Ökotest nahm sich 17 Diätdrinks vor. Nur zwei Testprodukte kamen gut dabei weg. Umstrittene Süßungsmittel und Mineralölrückstände waren oftmals das Problem. (Symbolfoto)

Ebenfalls bemerkenswert: die Testsieger zählten auf die einzelnen Mahlzeiten gerechnet zu den preiswertesten Produkten, obgleich ähnlich günstige Produkte sich auch am anderen Ende des Testspektrums finden.

ProduktNote bei ÖkotestPreis pro Mahlzeit
Doppelherz aktiv Abnehm Shake (Vanille)Gut0,66 Euro
Multaben Figur (Vanille)Gut1,12 Euro
Beavita Vitalkost Shake Original FlavourUngenügend1,89 Euro
Alsiroyal Diät-DrinkUngenügend1,57 Euro

Das mit Abstand teuerste Produkt im Test „Trinkkost Slim fruity“ schneidet bei 2,74 Euro pro Mahlzeit mit „mangelhaft“ ab.

Ökotest nimmt sich Diätdrinks vor – selbst Testsieger nicht frei von Mängeln

Untersucht wurden die Diätshakes auf ihre strengen gesetzlichen Vorgaben, ihre Inhaltsstoffe und Anwendungshinweise. Sowohl die Zusammensetzung als auch die Deklarierung der Produkte sind durch die EU geregelt. Die Anforderungen zur Zusammensetzung hielten alle Testprodukte ein, bei der Deklarierung stellten die Tester bei vielen Produkten Auffälligkeiten fest.

Selbst die Testsieger waren nicht frei von Mängeln. Abzüge gab es demnach bei der Verwendung von umstrittenen Süßstoffen. Der getestete Doppelherz-Diätshake war zudem nicht fehlerfrei in seiner Produktdeklaration nach den Standards der europäischen Health-Claims-Verordnung.

Umstrittene Süßstoffe und Mineralölrückstände waren die Hauptprobleme der Testprodukte

Deutlich problematischer fielen bei den Testern jedoch Mineralölrückstände ins Gewicht, von denen leichte Spuren bei den Testsiegern nachgewiesen werden konnten. Lediglich zwei Produkte waren frei von den bedenklichen Rückständen. Alle anderen Testprodukte schwankten zwischen erhöhten und stark erhöhten Werten.

Bei sieben Produkten war der Gehalt an gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffen so hoch, dass er die Bewertung um vier Noten heruntergerissen habe. Die gesundheitliche Auswirkung einiger dieser Mineralölstoffe ist noch unklar, bei Tierversuchen haben sie zu Organschäden geführt. Sie können sich im menschlichen Fettgewebe, in Leber, Milz und Lymphknoten anreichern. Bedenkliche Mengen wurden zuletzt auch bei Kartoffel-Chips durch Ökotest nachgewiesen.

Daneben fanden die Tester in zwei Fällen das Verdickungsmittel Natriumcarboxymethylcellulose, das in Tierstudien zu Darmentzündungen führte. Umstrittene Süßstoffe wie Sucralose oder Saccharin, von denen angenommen wird, dass sie das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen, wurden in 14 Testprodukten festgestellt.

Ökotest zeigt: Diätdrinks können helfen, abzunehmen – allerdings nur am Anfang

Auch die Vermarktung sowie die Anwendungshinweise einiger Produkte halten die Tester für bedenklich. Die Formulierung „Mahlzeit zur Gewichtskontrolle“ sei demnach irreführend, da es sich bei den Diätshakes nur um einen Ersatz und keine echte Mahlzeit handele. Erfolgreich abnehmen könne man nach Einschätzung von Experten mit Diätdrinks schon. Doch: „Wichtig ist darauf zu achten, die Essgewohnheiten dauerhaft zu ändern“, betont Professor Hans Hauner von der TU München.

Laut Experten sollten die Formularprodukte nur in der Anfangsphase maximal zwei Hauptmahlzeiten ersetzen, um Gewicht zu verlieren. Dann sollte die Anwendung auf einen Shake pro Tag reduziert und zeitgleich die Ernährung auf eine gesündere und kalorienärmere umgestellt werden. Die reguläre Mahlzeit sollte laut Hauner eine pflanzlich betonte Kost mit viel Vollkorn sein. Wer sich neben zwei Shakes mit Döner oder Pizza belohnt, wird wenig Erfolg beim Abnehmen haben.

„Diätdrinks helfen, beim Abnehmen den Anfang zu finden. Sie ersetzen nicht die Umstellung auf eine gesunde Ernährung“, erklärt Birgit Hinsch, Ökotrophologin bei Ökotest. Einige Testprodukte hätten demnach den Ersatz von drei Hauptmahlzeiten vorgesehen. Für Minderjährige sowie schwangere und stillende Frauen sind die Drinks ungeeignet. (rku)

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