VonRomina Kunzeschließen
Neue Zahlen des ADAC zeigen: Vor allem die Batterie versagt immer wieder. Wer sich durch die Auswertung in seinen Vorurteilen gegenüber E-Autos bestätigt sieht, der irrt aber.
München – Auch wenn das Interesse zuletzt abgenommen hat, sind im Vergleich zu vor zehn Jahren deutlich mehr E-Autos auf deutschen Straßen unterwegs. Und sie bleiben demnach auch häufiger liegen, als noch in der Vergangenheit. Vor allem die Batterie steht unter Kritikern der E-Autos in Verruf: zu geringe Reichweite, zu lange Ladezeiten, zu anfällig für Temperaturen. Ist es zu kalt, lädt sie ewig, ist es zu warm, entlädt sie sich im Nu.
Und tatsächlich: die Batterie ist die Hauptursache für Pannen in Deutschland, wie aus der jüngsten Statistik des ADAC hervorgeht. Gemeint ist allerdings die Starterbatterie und das legt somit sowohl E-Autos als Verbrenner gleichermaßen lahm.
Batterie war 2023 bei fast der Hälfte aller Pannen schuld
Denn Elektroautos haben, neben der sogenannten Hochvolt- oder Traktionsbatterie, die für den Antrieb sorgt, zusätzlich eine 12-Volt-Starterbatterie verbaut. Wie beim Verbrenner auch, ist sie für das Licht, die Armaturen und den Anlasser verantwortlich. Ist sie leer, springt auch ein vollgeladener Stromer nicht an. Während der Fahrt dient sie als Notstromversorgung, erklärt die Autozeitung.
Unter den 3,5 Millionen Panneneinsätzen des ADAC in 2023 war die Starterbatterie der Hauptübeltäter. Fast die Hälfte aller verzeichneten Pannen waren darauf zurückzuführen (44,1 Prozent). Die Starterbatterie war damit fast doppelt so oft Ursache für eine Panne als Probleme mit dem Motor (22,8 Prozent). Wegen Schwierigkeiten mit dem Generator mussten die Einsatzkräfte in rund 10,5 Prozent der Fälle ausrücken, noch weniger wegen der Reifen (8,8 Prozent) oder des Schlüssels (7,1 Prozent).
Pannenstatistik zeigt auch: E-Autos zuverlässiger als Verbrenner – Stand jetzt
Einer Umfrage zufolge bereut jeder zweite Autofahrer in Deutschland seinen Umstieg aufs E-Auto. Die Vorbehalte bezüglich der Unzuverlässigkeit von Stromer hat die ADAC-Pannenstatistik nicht bestätigt. Tatsächlich sind Verbrenner häufiger liegengeblieben. Auf 1000 zugelassene Fahrzeuge haben E-Fahrzeuge 1,9 Pannen weniger als Verbrenner, stellt der ADAC fest. Die Sorge, saftlos auf der Autobahn zu stranden, scheint also unberechtigt.
Der Vergleich hinkt allerdings: Laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) liegt das Durchschnittsalter aller in Deutschland zugelassenen Autos bei zehn Jahren. E-Autos sind aber in der Regel deutlich jünger. Da das Risiko einer Panne aber mit dem Alter des Fahrzeugs steigt, ist ein verlässlicher, fairer Vergleich schwer. Der ADAC hat daher nur Verbrenner und E-Autos, die in den Jahren 2020 und 2021 erstmals zugelassen wurden, direkt miteinander verglichen.
Was den Vergleich zusätzlich erschwert: bei E-Autos sind weniger Teile verbaut, die kaputtgehen können, als beim Verbrenner. Getriebe, Kupplung oder Auspuff gibt es beim Stromer nicht, sie kränkeln aber gerne mal beim Benziner- oder Diesel-Wagen. Dafür hat das E-Auto nachweislich mit dem sogenannten „Vampirverlust“ zu kämpfen.
Hauptursache für Pannen: Deshalb kann die Batterie streiken
Der ADAC-Test zeigt: Insgesamt sind E-Autos zuverlässiger geworden als noch vor einigen Jahren. Und: Je jünger der Stromer, desto verlässlicher ist das Gefährt. Von einer anfälligen Starterbatterie sind aber auch sie nicht gefeit. Gründe, weshalb sich die 12-Volt-Batterie bei Autos (unabhängig des Antriebs) entlädt, können folgende sein:
- Kurzstrecke: Beim Anlassen muss sie am meisten arbeiten, über die Fahrt holt sich die Starterbatterie von der durch den Motor betriebenen Lichtmaschine die Energie zurück. Wird nur eine kurze Etappe gefahren, bleibt zu wenig Zeit, um den hohen Stromverbrauch der Batterie beim Starten wieder auszugleichen.
- Licht vergessen: Zugegeben, das kann bei neueren Fahrzeugen eher nicht mehr passieren, da meist das Licht automatisch gesteuert wird. Bei älteren Autos kam es aber häufig vor, dass tagsüber das Licht manuell angeschaltet und vergessen wurde – dadurch hatte sich beim Parken die Batterie entladen.
- Kriechströme: Auch Schmutz kann die Starterbatterie entladen. Ist die Oberseite der Batterie verdreckt, wird Feuchtigkeit angezogen. Dadurch fließt Strom vom einen zum anderen Pol. Zwar nur im geringen Maß, über Dauer kann der Batterie so aber ebenfalls der Saft ausgehen.
- Folgeschäden: Sind beim Verbrenner etwa Lichtmaschine oder Keilriemen kaputt, wird meist auch die Starterbatterie in Mitleidenschaft gezogen. Ist das der Fall, kündigt sich der Defekt beim Anlassen meist mit einem Quietschen oder Schleifgeräusch an. Der Fehler muss professionell behoben werden.
Quelle: motointegrator.de, Autozeitung
Grundsätzlich leidet eine Batterie weniger durch den Verschleiß als durch fehlende Nutzung des Fahrzeugs. Experten raten, die Batterie alle vier Jahre abchecken zu lassen. Beim Gebrauchtwagenkauf sollte man stets nach dem Zustand der Batterie fragen. (rku)
Rubriklistenbild: © Marius Becker/dpa

