Enterobakterien und STEC

Keime und Bakterien in Fertigpizzen: Ökotest-Desaster für vier Hersteller - Discounter-Pizza gewinnt

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Fertiger Pizzateig ist eine Alternative zur Tiefkühlpizza. Bei Ökotest konnten jedoch nur wenige überzeugen. Unter anderem ein Discounter-Produkt.

Kassel – Schaut man ins Tiefkühlfach, lachen einen dort unabhängig vom Hersteller meist die gleichen Pizzasorten an – Margharita, Salami und Prosciutto e Fungi. Kreativer beim Belag kann man mit fertigem Pizzateig aus dem Kühlregal werden. Das erfordert zwar etwas mehr Zeit bei der Zubereitung, macht aber vor allem in geselliger Runde oder als Familienaktivität mit Kindern auch viel Spaß.

Zu oft sollte man allerdings nicht zu solchen Fertigprodukten greifen, denn sie sowie einige andere Lebensmittel können chronische Krankheiten fördern. Aber nicht nur deswegen sollte man bei der Wahl des Fertigpizzateigs genau hinschauen, wie Ökotest beweist. In einer Untersuchung wiesen der Großteil der Produkte Mängel auf. Neben Keimbelastung waren oft auch bedenkliche Inhaltsstoffe enthalten. Ein zu hoher Salzgehalt wurde ebenfalls oft bemängelt.

Ökotest findet Keime und Darmbakterien in Fertigpizza

„Die größten Kritikpunkte in unserem Test waren Pestizidspuren, Rückstände von Spritzmitteln, Backtriebmittel mit Phosphat, zu viel Salz und vor allen Dingen Keime“, erklärt Kerstin Schneider, Chefredakteurin bei Ökotest in der WDR-Verbrauchersendung Servicezeit. Unter den nachgewiesenen Keimen seien auch Darmbakterien gewesen. „Das ist natürlich nicht so lecker“, sagt Schneider abschließend.

Unter anderem wurden bei einigen Pizzateigen im Test Enterobakterien gefunden. Einige Enterobakterien sind natürlicher Teil unserer Darmflora, wie das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) informiert. Diese Bakterien seien nicht schädlich – es sei denn, sie gelangen in andere Körperregionen. Es gibt jedoch auch Enterobakterien, die reine Krankheitserreger sind, darunter Salmonellen, Shigellen und darmpathogene Escherichia, so das DZIF.

Wenn es schnell gehen soll, bietet sich der Griff zum fertigen Pizzateig an. Viele Fertigpizza-Produkte fielen jedoch bei Ökotest durch – vor allem wegen hoher Keimbelastung.

Enterobakterien wurden bei allen vier am schlechtesten bewerteten Produkten gefunden. Diese sind:

  • Henglein Frischer Pizzateig auf Backpapier (unter anderem erhältlich bei Kaufland, Edeka & Rewe)
  • Jeden Tag Pizzateig aufgerollt auf Backpapier, backfertig (erhältlich bei Globus)
  • Knack & Back Glutenfreier Pizzateig (unter anderem erhältlich bei Kaufland, Edeka & Rewe)
  • Cérélia SAS Frischer Pizzateig Bio (erhältlich bei Kaufland)

Die Menge an nachgewiesenen Enterobakterien „liegt über dem Richtwert für Frischteigwaren“, erklärt Kerstin Schneider. Bedenklich ist das unter anderem, da diese Keime zu Magen-Darm-Verstimmungen führen können.

Auch „besonders kritische“ STEC-Keime wurden beim Fertigpizza-Test nachgewiesen

Im Fertigteig von Henglein wurde zudem noch das E.coli-Bakterium STEC gefunden. Für Schneider ist die „besonders kritisch“. STEC-E-coli-Bakterien, die auch schon in Salat, Hackfleisch und rohem Keksteig nachgewiesen wurden, bilden das Zellgift Shigatoxin, informiert die Webseite des Auftragslabors BAV Institut. Sie können unter anderem „Magen-Darm-Beschwerden mit leichtem Durchfall bis hin zu schweren blutigen Durchfällen, oft verbunden mit Bauchkrämpfen, Übelkeit, Erbrechen und Fieber“ hervorrufen, so das BAV.

Die STEC-Bakterien lassen sich jedoch glücklicherweise durch Hitze abtöten. Nach dem Backen sollte der Teig somit unbedenklich sein. Im Umkehrschluss heißt das, dass nicht vom rohen Teig genascht werden sollte. Auch Ökotest weist in ihrem Bericht darauf hin, den ungebackenen Teig nicht zu essen. Im Beitrag von Servicezeit rief die Ökotest-Chefredakteurin die Hersteller zudem dazu auf, ihre Prozesse bei Lagerung, Hygiene und Herstellung zu überprüfen.

Discounter-Fertigpizza schneidet bei Ökotest mit „Sehr gut“ ab

Überzeugen konnte hingegen der Cucina Nobile Pizzateig von Aldi. Hier waren sowohl die Werte bei der Keimbelastung als auch dem Salzgehalt in Ordnung und es gab auch keine übermäßige Pestizidbelastung. Und all das zum günstigen Preis von 2,29 Euro. Dafür bekam das Produkt die Note „Sehr gut“.

Wie Ökotest immer wieder beweist, sollte man bei vielen Produkten genauer hinschauen. Selbst bei Reis sind die Produkte vieler Hersteller mit Schadstoffen belastet. Und auch bei Bio-Kartoffelchips konnten viele Marken bei Öko-Test nicht überzeugen. (sp)

Rubriklistenbild: © Connerscott/IMAGO

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