Mehr Transparenz im Supermarkt

Versteckte Preiserhöhungen bei Lebensmitteln: Mehrheit der Deutschen fordert Kennzeichnung

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Weniger Inhalt zum gleichen Preis: Beschwerden über versteckte Preiserhöhungen nehmen zu. Nun fordern Verbraucherschützer eine Kennzeichnung.

Kassel – Der dramatische Anstieg der Lebensmittelpreise bereitet der deutschen Bevölkerung weiterhin Sorge. Die Preisspirale scheint sich endlos weiter nach oben zu drehen und gerade für Menschen mit niedrigen Einkommen stellt die Teuerung eine extreme Belastung dar. Doch mit einigen Tricks lassen sich Preisfallen im Supermarkt erkennen und umgehen.

Supermarkt und Discounter: Versteckte Preiserhöhungen nehmen zu

Nach eigenen Angaben beobachten Verbraucherschützer bereits seit längerem, dass viele Hersteller ihre Preiserhöhungen verschleiern, indem sie bei einem gleich bleibenden Verkaufspreis und Packungsgröße den Inhalt ihrer Produkte einfach reduzieren. Die Verbraucherzentrale wählte im Oktober die Fruchtgummis von Katjes sogar zur Mogelpackung des Monats aus.

„Preiserhöhungen sind nicht verboten, Mogelpackungen hingegen sind aber gesetzeswidrig“, betont die Verbraucherzentrale Hamburg. Da die versteckte Preiserhöhung nur schwer zu erkennen ist, dem Verbraucher aber bares Geld kostet, fordert die Verbraucherzentrale Hamburg gemeinsam mit der Verbraucherorganisation Foodwatch versteckte Preiserhöhungen künftig zu kennzeichnen. Supermärkte tricksen außerdem noch auf eine andere Weise: Bei einer „Skimpflation“ verschlechtert sich die Lebensmittelqualität bei steigenden Preisen.

Weniger Inhalt zum gleichen Preis – Versteckte Preiserhöhungen fallen nicht sofort auf, haben aber Auswirkungen auf den Geldbeutel (Symbolbild)

Verbraucherorganisation: „Shrinkflation“ ist eine ärgerliche Täuschung“

Umfragen wie die der Hans-Böckler-Stiftung haben ergeben, dass immer mehr Menschen angesichts steigender Lebensmittelpreise bei ihren Einkäufen sparen müssen. „Verbraucher:innen haben durch die hohe Teuerungsrate bei Lebensmitteln schon seit Monaten zu kämpfen. In der Verbraucherzentrale Hessen nehmen die Beschwerden und Anfragen zu steigenden Lebensmittelpreisen zu, aber auch zu Mogelpackungen bzw. Shrinkflation“, erklärt eine Sprecherin der Verbraucherzentrale Hessen auf Anfrage von hna.de von IPPEN.MEDIA .

„Versteckte Preiserhöhungen fallen Verbraucher:innen beim Einkauf selten direkt auf. Dazu müssten sie stets Füllmenge und Grundpreis des jeweiligen Produkts im Kopf haben. Mogelpackungen erschweren Verbraucher:innen also zusätzlich einen transparenten Preisvergleich“, heißt es weiter. „Für Verbraucher:innen sei diese sogenannte „Shrinkflation“ nicht nur eine ärgerliche Täuschung, sondern in Zeiten steigender Lebensunterhaltungskosten auch eine finanzielle Belastung“, heißt es in einer Pressemitteilung der Verbraucherorganisation.

Repräsentative Umfrage liefert deutliches Ergebnis: Mehrheit der Deutschen fordert Kennzeichnung

„Lebensmittelkonzerne und Handelsketten nutzen die Inflation aus, um ihre Profite zu steigern und Verbraucher:innen hinters Licht zu führen. Umweltministerin Lemke muss dieser Praxis einen Riegel vorschieben und die Menschen vor der geheimen Preis-Abzocke schützen“, sagt Manuel Wiemann von Foodwatch. Eine entsprechende Petition an Bundesumweltministerin Steffi Lemke und die Bundesregierung unterstützten bereits mehr als 37.000 Verbraucher.

Um herauszufinden, ob die Deutschen einer Kennzeichnung der versteckten Preiserhöhung ebenfalls befürworten würden und wie groß die Verärgerung über Mogelpackungen im Supermarkt wäre, beauftragte das Nachrichtenportal watson.de das Meinungsforschungsinstitut Civey mit einer Umfrage – die ein eindeutiges Ergebnis lieferte:

  • 90 Prozent der Befragten unterstützen eine Kennzeichnung solcher Mogelpackungen. Insbesondere Personen aus Regionen mit sehr niedriger Kaufkraft (93 Prozent) bewerten die Forderung als richtig. 
  • Über 80 Prozent gaben an, schon mal eine Mogelpackung bemerkt zu haben.
  • Fast alle (95 Prozent) würden sich über eine versteckte Preiserhöhung ärgern.
  • 71 Prozent aller Befragten gaben an, ein Produkt nicht mehr zu kaufen, wenn ihnen klar wäre, dass es eine versteckte Preiserhöhung enthält. 

Für die Umfrage hat Civey in dem Zeitraum vom 13. November bis 15. November 2023 rund 5000 Bundesbürger ab 18 Jahren online befragt.

Kennzeichnung versteckter Preiserhöhungen – in manchen Ländern bereits geplant oder umgesetzt

Wie sich das Vorhaben umsetzen lässt und wie realistisch eine solche Kennzeichnung wäre, beantwortete die Verbraucherzentrale Hessen auf unsere Anfrage hin wie folgt: „Für mehr Preistransparenz im Supermarkt sollten Hersteller dazu verpflichtet werden, Produkte mit einem deutlichen Warnhinweis auf der Produktvorderseite zu kennzeichnen, wenn sie das Gewicht oder die Verpackungsgröße innerhalb der vergangenen sechs Monate verändert haben. Der Hinweis muss in ausreichender Größe abgedruckt werden und Gewichtsänderungen in Prozentangaben beinhalten. So können Verbraucher:innen Preiserhöhungen auf den ersten Blick erkennen. Zudem kann eine solche Kennzeichnung einen zusätzlich vorbeugenden Effekt haben und dafür sorgen, dass der Handel Mogelpackungen erst gar nicht auf den Markt bringt“, so die Sprecherin.

„Der internationale Vergleich zeigt, dass solche Kennzeichnungen umsetzbar sind: In Brasilien gibt es bereits eine Regelung zur Kennzeichnung von Preiserhöhungen und die französische Regierung will diese Kennzeichnungspflicht gesetzlich verankern. Der französische Supermarkt Carrefour weist bereits jetzt auf Produkte mit Shrinkflation hin“, erklärte die Sprecherin weiter.

Versteckte Preiserhöhungen: Ein Discounter praktiziert die Masche am häufigsten

Die Verbraucherzentrale Hamburg hat auf ihrer Website eine Mogelpackungsliste zusammengestellt, von veganen Schokokeksen bis hin zu Mundwasser und Vollwaschmittel. Wie Foodwatch berichtet, ist Aldi laut der Mogelpackungsliste der Verbraucherzentrale Hamburg der Discounter, der seit Anfang 2022 mit Abstand die meisten versteckten Preiserhöhungen bei seinen Eigenmarken durchgesetzt hat.

„Aldi zieht den Menschen mit dem Shrinkflation-Trick klammheimlich das Geld aus der Tasche, tut aber so, als wäre man Verbündeter von Kundinnen und Kunden in Zeiten hoher Lebensmittelpreise“, sagt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. (Vivian Werg)

Rubriklistenbild: © Manfred Segerer/ Imago

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