VonTeresa Tothschließen
Die 36-jährige Carola als Köln will sich zum Bürgergeld was dazuverdienen. Doch ihre Geschäftsidee funktioniert nicht so, wie erhofft. Und endet in einem großen Streit.
Köln – Viele Bürgergeld-Empfänger würden einen gut bezahlten Job ihrer Arbeitslosigkeit vorziehen. Schließlich beläuft sich das Bürgergeld für einen alleinstehenden Erwachsenen lediglich auf 563 Euro pro Monat. Davon lässt sich bei Weitem nicht in Luxus leben – selbst die Lebensunterhaltungskosten lassen sich nur schwer decken. Um sich etwas dazuzuverdienen, hatte eine Bürgergeld-Empfängerin eine Geschäftsidee. Allerdings verfolgte sie diese nicht lang.
Die Bürgergeld-Empfängerin hat keine Ausbildung und noch nie in ihrem Leben gearbeitet
Die 36-jährige Carola ist Protagonistin in der Sozial-Doku „Armes Deutschland“ von RTL2. Diese stellt in ihren wöchentlichen Episoden Menschen vor, die zum Teil Sozialleistungen beziehen und nahe der Armutsgrenze leben. Sie beleuchtet die mitunter prekären Lebensumstände der Betroffenen und begleitet sie bei ihren täglichen Aufgaben sowie bei der Jobsuche – so auch Carola aus Köln. Allerdings wollte sie keinen gewöhnlichen Job annehmen, sondern lieber etwas ganz Eigenes auf die Beine stellen. Ein anderer Bürgergeld-Empfänger plante, auf TikTok durchzustarten – doch er musste erst das Jobcenter überzeugen.
Carola hat weder eine Ausbildung, noch habe sie in ihrem Leben bisher gearbeitet, wird in der RTL2-Doku berichtet. Das halte sie jedoch nicht von ihrem Projekt ab. „Ich will mir ein Puzzle kaufen, das puzzeln und dann verkaufen“, erklärte Carola ihre Geschäftsidee. Es gebe ihrer Meinung nach viele Menschen, die bereits fertige Puzzles kaufen wollen – ausprobieren könne man es zumindest, fand die 36-Jährige.
Der Freund der Bürgergeld-Empfängerin muss das Puzzeln für sie übernehmen
In dem Spielzeugladen, in dem sie die Puzzles – genauer gesagt 3D-Puzzles – kaufen wollte, bekam ihr Optimismus jedoch bereits einen Dämpfer. Nachdem sie dem Verkäufer ihre Geschäftsidee vorgetragen hatte, sagte dieser nur nüchtern: „Ich glaube, das wird nicht so hinhauen.“ Er sei sich sicher, dass die Menschen eher für neue, eingepackte Produkte bezahlen möchten. Carola ließ sich zunächst aber nicht von ihrer Idee abbringen. „Ich will es auf jeden Fall probieren“, betonte sie abermals.
Sie habe allerdings noch nie ein 3D-Puzzle gemacht – und wirklich große Lust darauf habe sie auch nicht. Deshalb musste ihr Freund Stephan mit anpacken. Er bastelte das Puzzle schließlich allein zusammen. Auch bei dem Verkauf des Puzzles benötigte sie die Unterstützung ihres Freundes. Er half ihr, das fertige Objekt – ein roter London-Bus – für 50 Euro ins Internet zu stellen. Gekostet habe das Puzzle knapp 33 Euro.
Das Portal buerger-geld.org klärt auf, dass Bürgergeldempfänger monatlich 100 Euro zusätzlich verdienen dürfen, ohne dass sie Einbußen bei ihren Leistungen befürchten müssen. Wenn sie bis zu 520 Euro zusätzlich verdienen, bleiben 20 Prozent dieses Verdienstes ohne Anrechnung. Für Personen, die sich in der Schule, im Studium oder in der Ausbildung befinden, besteht die Möglichkeit, bis zu 520 Euro ohne Abzüge zu verdienen. Da Carola jedoch weder eine Schülerin, noch eine Studentin oder Auszubildende ist, ist für sie die erste Regelung relevant. Eine andere Empfängerin von Bürgergeld äußerte darüber ebenfalls ihren Unmut.
Puzzle-Geschäftsidee artet in Streit aus – „Dann werde ich gar nichts mehr tun“
Doch bereits nach kurzer Zeit geriet sich das Paar mächtig in die Haare. Stephan wollte und konnte das Puzzle nicht auf eBay hochladen, weil er davon keine Ahnung habe, sagte er gereizt. Also gab Carola auf. „Komm, dann lassen wir es einfach“, erwiderte sie genervt. „Dann werde ich gar nichts mehr tun“, fügte sie hinzu. Damit ist die Geschäftsidee gestorben – nach nur drei Stunden.
Dabei hätte es Carola bitternötig, sich etwas dazuzuverdienen. In der Doku wird betont, dass die Kölnerin tief in der Schuldenfalle stecke. Sie habe etwa Mietschulden aus der alten Mietwohnung und mehrere laufende Inkassoverfahren. Auf die Frage, wie viele Schulden sie grob habe, antwortete die Bürgergeld-Empfängerin: „Zuletzt waren es insgesamt 62.000 Euro.“
Eine andere Familie der Sozial-Doku „Hartz und herzlich“ setzt derweil auf originelle Spar-Tricks, um ihr Geld zusammenzuhalten. (tt)
Rubriklistenbild: © RTL2/Armes Deutschland

