- VonMark Simon Wolfschließen
Die Deutsche Steuer-Gewerkschaft will die Steuererklärung durch eine automatisierte Lösung austauschen – auch für Rentner hat sie große Pläne.
Berlin – Ende Juli endet die Abgabefrist für die Steuererklärung – zumindest für Arbeitnehmer, die ihre Einnahmen ohne Unterstützung durch Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein selbst an das Finanzamt melden. Geht es nach der Deutschen Steuer-Gewerkschaft (DSTG), sollen die Prozesse künftig deutlich einfacher werden. „Wir fordern, dass das Steuerrecht einfacher wird – weniger Formulare, weniger Nachweise, mehr digitale Lösungen. Pauschalen statt Einzelabrechnungen, wo immer es geht“, erklärt Gewerkschaftschef Florian Köbler gegenüber der Funke Mediengruppe.
Die Steuergewerkschaft DSTG will Steuererklärung abschaffen – und setzt auf automatisierte Abgaben
In der Praxis käme das einer Generalüberholung des bisherigen Systems gleich. Die DSTG fordert eine „Abschaffung der Steuererklärung“ für Arbeitnehmer zugunsten eines automatisierten Verfahrens. Nach dem Modell, das in Österreich bereits erfolgreich angewendet wird, soll die Erklärung künftig automatisch erstellt und dem Arbeitnehmer lediglich zur Prüfung und Ergänzung vorgelegt werden. Technisch sei das problemlos möglich, betont die Gewerkschaft. Für Staat und Steuerpflichtige ließen sich dadurch Aufwand, Zeit und Kosten reduzieren.
Der Finanzwissenschaftler Sebastian Blässe von der Universität Leipzig sieht in einer digitalen Reform des Steuersystems zudem eine Gerechtigkeitsfrage: Gegenüber dem MDR verwies er auf Forschungen, die beweisen, dass Menschen mit geringerem Einkommen wegen des bürokratischen Aufwandes häufig keine Steuererklärung abgeben würden – obwohl sie häufig Anspruch auf Rückzahlungen hätten. Weiterhin könnten sich diese seltener die Unterstützung durch einen Steuerberater leisten als Menschen mit höherem Einkommen.
Auch Union und SPD wollen digitaleres Steuersystem: Koalition kündigt verpflichtende digitale Abgabe an
Auch auf politischer Ebene findet der Vorschlag Anklang. So sieht der Koalitionsvertrag der aktuellen Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz vor, dass für einfache Steuerfälle künftig „vorausgefüllte und automatisierte Steuererklärungen sukzessive ausgeweitet“ werden – unter anderem durch „stärkere Digitalisierung und Künstliche Intelligenz“. Zudem ist geplant, die digitale Abgabe schrittweise verpflichtend zu machen.Bereits seit dem Veranlagungsjahr 2017 gilt in Deutschland die sogenannte Belegvorhaltepflicht: Steuerpflichtige müssen ihre Nachweise nur noch auf Nachfrage vorlegen – etwa im Rahmen von Stichproben.
Quellenabzug für Rentner? Steuervereinfachung soll auch Ruheständlern helfen
Auch für Rentner soll die Steuerpflicht künftig deutlich vereinfacht werden – oder aus Sicht der DSTG idealerweise ganz entfallen. Denkbar sei, dass die Steuererklärung bei Ruheständlern „durch einen automatischen Quellenabzug direkt durch die Rentenkasse ersetzt“ wird. Auch diese Idee findet sich im Koalitionsvertrag wieder: Dort ist von einer „Steuervereinfachung durch Typisierungen, Vereinfachungen und Pauschalierungen“ die Rede. Für Rentner könnten damit bestehende Erklärungspflichten vollständig wegfallen.
Digitalisierung gegen Personalmangel – welche Lösungen Experten gegen fehlende Fachkräfte haben
Bereits im Vorjahr forderte DSTG-Chef Köbler in einem Interview mit dem Handelsblatt eine grundlegende Reform des Steuerrechts. Die Digitalisierung könne nicht nur Abläufe vereinfachen, sondern auch einen Beitrag leisten, um dem wachsenden Fachkräftemangel in der Finanzverwaltung entgegenzuwirken, betonte er. Das sieht auch Blässe so und ergänzt den Vorteil von Einsparungen: Je mehr Arbeit digitale Tools in der Finanzverwaltung übernehmen, desto mehr Kosten könnte der Staat einsparen. Diese Mittel könnten etwa zur Einkommensteuersenkung beitragen.
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